Panorama

Kinder besonders gefährdet Häusliche Gewalt nimmt in Europa rasant zu

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Laut der Weltgesundheitsorganisation haben bereits vor der Pandemie 25 Prozent der Frauen in Europa körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Durch die Corona-Krise gibt es in vielen europäischen Ländern strikte Ausgangsbeschränkungen. Das führt im April zu einem dramatischen Anstieg von häuslicher Gewalt. Speziell Kinder und Frauen sind davon betroffen. Die Prognose für anhaltende Beschränkungen sieht düster aus.

Rettungsdienste in ganz Europa verzeichnen vor dem Hintergrund der Corona-Beschränkungen einen starken Anstieg an Notrufen wegen häuslicher Gewalt. Aus den verschiedenen europäischen Ländern sei im April eine Zunahme von Notrufen von Frauen um bis zu 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gemeldet worden, die von Gewalt durch ihre Partner betroffen seien, sagte der Europa-Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Hans Kluge, bei einer von Kopenhagen aus geleiteten Online-Pressekonferenz.

Milliarden von Menschen sind wegen der Corona-Pandemie weltweit von Ausgangsbeschränkungen betroffen. Experten zufolge sind Frauen und Kinder während des Lockdowns in besonderem Maße Misshandlungen ausgesetzt. Laut WHO nehmen Fälle häuslicher Gewalt in Krisenzeiten zu; durch die Eindämmungsmaßnahmen in der Corona-Pandemie habe sich dies noch verschärft. "Wir haben erhöhte Meldezahlen aus fast allen Ländern", sagte die für Geschlechterfragen und Gesundheit zuständige WHO-Vertreterin für Europa, Isabel Yordi.

Sollten die Beschränkungen weitere sechs Monate andauern, rechnet der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen mit 31 Millionen weiteren Fällen häuslicher Gewalt weltweit.

Europa ist von der Pandemie besonders schwer betroffen: Rund 1,6 Millionen Infektionen und mehr als 150.000 Todesfälle wurden nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP registriert. Vor der Pandemie waren laut WHO ein Viertel der Frauen und ein Drittel der Kinder in der Region in ihrem Leben schon einmal von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen.

Quelle: ntv.de, jru/AFP