Panorama

16 Jahre nach "Katrina" Hurrikan "Ida" nimmt Kurs auf US-Küste

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Auf der Flucht vor "Ida": Die Interstate 10 ist voll mit Menschen, die sich im Osten in Sicherheit bringen wollen, bevor der Hurrikan auf die US-Küste trifft.

(Foto: picture alliance/dpa/The Times-Picayune/The New Orleans Advocate via AP)

In den USA hat die Hurrikan-Saison begonnen und für heute erwarten Experten gleich einen Sturm der zweithöchsten Kategorie. Der Wetterdienst warnt vor beträchtlichen "Überschwemmungen". Auch im benachbarten Mexiko müssen Menschen vor einem Hurrikan flüchten.

In ängstlicher Erwartung des Hurrikans "Ida" an der Südküste der USA haben sich viele Bewohner von New Orleans und anderen Städten in Sicherheit gebracht. Auf Straßen in Richtung Norden bildeten sich lange Staus. US-Präsident Joe Biden richtete sich in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung und kündigte die Entsendung Hunderter Rettungshelfer sowie von Trinkwasserreserven, Lebensmitteln und Generatoren an. Zuvor wurde "Ida" zu einem Hurrikan der Kategorie 2 hochgestuft. Doch nicht alle Menschen können wegen der Corona-Pandemie in Sicherheit gebracht werden. Zudem richtet auch im benachbarten Mexiko ein Hurrikan Schäden an.

Die Behörden des US-Bundesstaats Louisiana hatten vorsorglich den Ausnahmezustand verhängt und die Menschen dazu aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Nach Angaben des Wetterdiensts NHC dürfte "Ida" als Hurrikan der besonders hohen Kategorie 4 am Sonntag in Louisiana auf Land treffen - fast auf den Tag genau 16 Jahre nach den Verwüstungen durch Hurrikan "Katrina".

Gouverneur John Bel Edwards warnte vor "schweren Konsequenzen im ganzen Bundesstaat". Der Wetterdienst sagte für Louisiana und die Küstengebiete von Mississippi und Alabama heftigen Regen, "beträchtliche" Überschwemmungen und Sturmfluten im Gefolge des Wirbelsturms voraus. Er stufte "Ida" als "extrem gefährlich" ein. "Die Zeit zum Handeln ist JETZT", twitterte die Behörde am Samstag. Kategorie 4 ist die zweithöchste und bedeutet Windgeschwindigkeiten von mindestens 209 Kilometern pro Stunde.

Die küstennahen Krankenhäuser in dem US-Bundesstaat könnten jedoch nicht evakuiert werden, weil es in Louisiana zu viele Corona-Patienten gibt, wie der Gouverneur erklärte. Derzeit würden in dem Staat mit 4,6 Millionen Einwohnern 2450 Patienten stationär wegen einer Covid-19-Erkrankung behandelt, sagte er dem Sender CNN. Es gebe in Louisiana und den angrenzenden Bundesstaaten keine Kapazitäten mehr, um zusätzliche Patienten aufzunehmen. Edwards erklärte, für die medizinischen Einrichtungen seien trotz Generatoren lang anhaltende Stromausfälle eine große Gefahr. Der Staat habe bereits 10.000 Arbeiter mobilisiert, um die Stromversorgung wieder herzustellen, weitere 20.000 aus anderen Landesteilen könnten noch angefordert werden. "Wir werden den Strom so bald wie möglich wiederbringen müssen, das ist eine meiner größten Sorgen", sagte Edwards.

Bedroht ist laut NHC auch New Orleans, wo 2005 durch "Katrina" mehr als 1800 Menschen ums Leben kamen und 80 Prozent der Stadt überschwemmt wurden. Die Stadtverwaltung erließ eine Evakuierungsanordnung für Gebiete, die außerhalb des Deich- und Schleusensystems wohnen, das die niedrig gelegene Stadt schützt.

Raffinerie stellt Betrieb ein

Bürgermeisterin LaToya Cantrell rief zudem die Bewohner von New Orleans innerhalb des Schutzsystems auf, in ihren Häusern zu bleiben. "Wir wollen nicht, dass sich die Menschen auf die Straßen begeben und sich damit in größere Gefahr bringen", sagte sie der örtlichen Nachrichten-Website nola.com. Darüber hinaus würden öffentliche Schutzräume eingerichtet.

Wegen des Hurrikans hat der Ölverarbeitungskonzern Phillips 66 Insidern zufolge den Betrieb in einer Raffinerie nahe New Orleans unterbrochen. Die Anlage "Alliance" mit einer Kapazität von 255.600 Barrel pro Tag sei vollständig heruntergefahren worden, sagten sie. Phillips 66 hatte den Schritt angekündigt und dies mit dem herannahenden Tropensturm begründet. Ein Firmensprecher sagte aber lediglich, alles verlaufe nach Plan. Spekulationen auf Versorgungsengpässe wegen Produktionsstörungen im Golf von Mexiko hatten den Ölpreis zuletzt in die Höhe getrieben.

"Ida" wütete bereits in Kuba, "Nora" in Mexiko

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"Ida" hatte am Freitag als Hurrikan der Kategorie 1 die Südwestküste Kubas erreicht. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde traf er die Stadt La Coloma in der Provinz Pinar del Rio. Vorsorglich waren dort der Strom abgeschaltet und mehr als 10.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Auch in der Hauptstadt Havanna wurden Tausende Einwohner evakuiert, der öffentliche Verkehr wurde eingestellt. Der Klimawandel führt nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern zu steigenden Temperaturen der Meeresoberfläche und damit zu stärkeren Wirbelstürmen, die vor allem für Küstenorte weltweit eine zunehmende Bedrohung darstellen.

Unterdessen erreichte der Hurrikan "Nora" gestern Abend Mexiko. Das Auge des Hurrikans der Stärke 1 bleibe in der Nähe der Küste, nachdem es im Nordwesten von Jalisko auf Land getroffen sei, erklärte das Nationale Hurrikanzentrum der USA. "Nora" brachte starke Regenfälle, die zu Stromausfällen führten und Erdrutsche auslösten, wie Hugo Roldan von der Zivilschutzbehörde mitteilte. Angaben über Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP/rts

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