Panorama

Nach erfolgreicher Impfkampagne Israelis feiern zurückgewonnene Freiheit

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Erst impfen, dann feiern: Mit dem "Grünen Pass" dürfen Israelis in Bars, Restaurants und Fitnesscenter.

(Foto: picture alliance/dpa/Tel Aviv-Yafo Municipality)

Neidvoll blickt die Welt nach Israel: In Tel Aviv wird wieder gefeiert wie vor Corona. Denn knapp die Hälfte der israelischen Bevölkerung hat bereits die zweite Impfung erhalten. Gemeinsam tanzen, trinken und trainieren - davon sind Deutschland und Europa noch weit entfernt.

Die Bilder aus Israel wirken wie aus einer anderen Zeit: Dutzende Menschen trinken, singen und tanzen ausgelassen in einer Bar in Tel Aviv - ohne Mundschutz oder Abstand. Szenen, die in Deutschland zurzeit undenkbar sind. Wegen steigender Infektionszahlen wird in Berlin sogar über eine Verlängerung des Lockdowns nachgedacht. Der Unterschied zwischen den beiden Staaten: Israel hat seine Bevölkerung deutlich schneller geimpft als Deutschland - und auch als jedes andere Flächenland.

Premierminister Benjamin Netanjahu hat deswegen die Pandemie für Israel sogar schon für beendet erklärt. Knapp drei Monate nach Beginn der massiven Impfkampagne schloss das große Ichilov-Krankenhaus in Tel Aviv am Montag seine letzte Corona-Station. Seit vergangener Woche haben Restaurants und Bars wieder geöffnet. Für die Menschen dort ist das offenbar ein Grund zum Feiern - die Einwohner scheinen die zurückgewonnenen Freiheiten in vollen Zügen zu genießen.

Von den langersehnten Lockerungen profitieren vor allem Geimpfte. In die Innenbereiche von Restaurants, Fitnesscentern oder Universitäten kommen Israelis nur mit dem sogenannten "Grünen Pass", dem Impfnachweis. Ungeimpfte dürfen immerhin im Außenbereich der Gaststätten Platz nehmen. Am Sonntag könnten Medienberichten zufolge auch Nachtklubs wieder öffnen.

Die Bilder aus Israel zeigen einen Zustand, von dem Deutschland noch weit entfernt ist: Während in Israel bereits 4,3 von etwa 9 Millionen Einwohnern die zweite Impfdosis bekommen haben, wurde der deutsche Impffortschritt mit dem vorübergehenden Stopp der Astrazeneca-Impfungen diese Woche noch weiter gelähmt. Währenddessen steigen die Inzidenzen bundesweit wieder stark an. Laut Expertenprognosen werden die meisten Öffnungsschritte zurückgenommen oder gar nicht erst in Kraft treten. Aller Voraussicht nach wird die Öffnung der Außengastronomie in Deutschland ab 22. März also nicht stattfinden.

Experten warnen vor Leichtsinn

Doch auch in Israel ist die Pandemie entgegen Netanjahus Aussage noch nicht vollständig überstanden. In den letzten Wochen sind die Corona-Infektionszahlen zwar stetig gesunken. Im Vergleich zu Deutschland sind sie jedoch weiterhin hoch, Israel ist immer noch als Hochinzidenzgebiet eingestuft. Der Corona-Beauftragte des Mittelmeerstaates, Nachman Asch, betonte zuletzt, es könnten nicht alle Beschränkungen aufgehoben werden, solange es in dem Land keine Herdenimmunität gegen das Coronavirus gebe. Dafür seien mindestens sieben Millionen Geimpfte und Genesene notwendig, sagte er dem Armeesender. "Bis dahin müssen wir weiter mit Einschränkungen leben." Auch der Militärgeheimdienst hat die Öffentlichkeit in Israel vor Leichtsinnigkeit gewarnt und die Menschen dazu gedrängt, weiter Masken zu tragen und Abstand zu halten.

Dennoch: Die Impfkampagne in Israel gehört zu den erfolgreichsten weltweit. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stellte sie jüngst als beispielhaft auch für Deutschland heraus. "Diese Impfkampagne erhält hier in Deutschland viel Aufmerksamkeit und großen Respekt nicht nur wegen der Professionalität und der Geschwindigkeit des Impfens, sondern auch wegen der guten Portion Pragmatismus, mit der Ihr Land und die Verantwortlichen diesen Prozess begleiten und beschleunigen." Steinmeier betonte: "Andere, auch wir, denke ich, können davon lernen." Bis dahin bleibt den Menschen in Deutschland allerdings nur der sehnsüchtige Blick nach Israel und die Hoffnung, dass auch hierzulande bald wieder ausgelassen gefeiert werden kann.

Quelle: ntv.de, hny

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