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Mehr Corona-Tote als bekannt Italien und Frankreich prüfen ihre Zahlen

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Möglicherweise sind in Italien noch mehr Menschen am Coronavirus gestorben als bisher bekannt.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Italien steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen nach einem leichten Rückgang wieder stärker an. Gleichzeitig wachsen in dem weltweit am schwersten betroffenen Land die Zweifel an den Daten. Auch in Frankreich zählen die Behörden noch einmal neu. Im Elsass werden demnach Patienten über 80 Jahre schon gar nicht mehr beatmet. Obwohl die Opferzahlen auch in Spanien weiter ansteigen, sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals seit langem wieder "ermutigende Zeichen" in Europa. Ein Überblick.

In Italien ist die Zahl der Neuinfektionen nach einem leichten Rückgang wieder leicht angestiegen. Laut jüngsten Daten sind in dem weltweit am schwersten betroffenen Land inzwischen mindestens 80.539 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Das sind 6153 mehr als am Vortag, wie der Zivilschutz mitteilte. Die Zahl der Toten stieg um 662 Menschen auf 8165. In Deutschland werden 47 italienische Patienten versorgt.

Mittlerweile wachsen allerdings Zweifel an der Verlässlichkeit der italienischen Zahlen. In Norditalien, dem am schlimmsten betroffenen Landesteil, melden sich immer mehr Politiker und Behördenvertreter zu Wort, die die offiziellen Infektions- und Todeszahlen für viel zu niedrig halten. So wurden in Nembro bei Bergamo offiziell nur 31 Todesfälle gemeldet, wie Bürgermeister Claudio Cancelli und der Behördenmitarbeiter Luca Foresti in der Zeitung "Corriere della Sera" schrieben.

"Etwas an dieser Zahl hat uns nicht überzeugt und deshalb haben wir uns die Statistiken zu den durchschnittlichen Sterbefällen in der Gemeinde aus den Vorjahren in der Zeit von Januar bis März angeschaut", schrieben die beiden Männer. "Die Zahl der Sterbefälle müsste unter normalen Umständen bei ungefähr 35 liegen. In diesem Jahr haben wir aber 158 verzeichnet, also 123 mehr als im Durchschnitt." Die Zahl 31 könne also nicht stimmen. Nach Angaben der beiden Männer gibt es ähnliche Auffälligkeiten in anderen Orten der Region.

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Auch in Spanien ist die Zahl der Menschen, die an dem Coronavirus gestorbenen sind, erneut stark gestiegen. Am Mittwoch habe sie sich auf 4089 im Vergleich zu 3434 am Vortag erhöht, teilten die Behörden mit. Die Zahl der Infizierten stieg von 47.610 auf 56.188. Zahlen für den heutigen Donnerstag liegen noch nicht vor. Spanien ist nach Italien das Land mit den weltweit meisten Todesfällen durch das Coronavirus.

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In Frankreich sind binnen eines Tages 365 weitere Menschen infolge einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Damit liege die Gesamtzahl bei 1696 Toten, teilten die Gesundheitsbehörden mit. In der Statistik werden bislang aber nur Patienten geführt, die in Krankenhäusern gestorben sind, nicht aber diejenigen in Alten- und Pflegeheimen. Diese Daten sollen in Kürze mit aufgenommen werden, wodurch die Gesamtzahl der Todesfälle dann drastisch steigen dürfte.

Die nationale Gesundheitsbehörde Santé Publique France gab außerdem bekannt, Hausärzte hätten in der vergangenen Woche schätzungsweise mehr als 40.000 neue Infektionen mit dem Coronavirus diagnostiziert. Offiziell liegt die Zahl der bestätigten Infizierten aber nur bei rund 25.000 seit Beginn der Epidemie. Zuletzt war die Zahl der Infizierten binnen 24 Stunden um 16 Prozent auf 29.155 gestiegen.

Deutsche Katastrophenmediziner, die ihre französischen Kollegen an der Universitätsklinik Straßburg unterstützen sollen, berichten zudem über dramatische Zustände im Elsass. Die Mediziner würden auch dann weiter mit Corona-Patienten arbeiten, wenn sie selbst infiziert sind, schreiben die deutschen Experten in einem Bericht an die baden-württembergische Landesregierung. Seit dem Wochenende würden Patienten, die älter sind als 80 Jahre, an der Straßburger Klinik auch nicht mehr beatmet, sondern mit Opiaten und Schlafmitteln beim Sterben begleitet.

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In Großbritannien müssen sich die Menschen darauf einstellen, dass bestimmte Einschränkungen des öffentlichen Lebens bis zu sechs Monate in Kraft bleiben. Die Maßnahmen zeigten bereits Wirkung im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus, sagte die stellvertretende Chefin der britischen Gesundheitsbehörde, Jenny Harries. "Wir dürfen aber nicht den Fuß vom Pedal nehmen." Zuletzt war die Zahl der Todesopfer allerdings nach Angaben der Regierung um 115 auf 578 gestiegen. Bei 11.658 Menschen wurde das Virus nachgewiesen, am Mittwoch waren es noch 9529.

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Europaweit lag die Zahl der Toten laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP bei 15.500. Die meisten Todesopfer gibt es mit weitem Abstand in Italien (8165) und Spanien (4089). Die Zahl der Infektionen stieg demnach auf mehr als 268.000. Damit ist Europa der am stärksten betroffene Kontinent. Bei den Angaben handelt es sich nach Einschätzung von Experten aber nur um einen Bruchteil der tatsächlichen Fälle, weil es in vielen Ländern an Testkapazitäten mangelt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verbreitet dennoch vorsichtig Optimismus. "Während die Lage sehr ernst bleibt, beginnen wir, ein paar ermutigende Zeichen zu sehen", erklärte das WHO-Europa-Büro in Kopenhagen. So sei die Wachstumsrate der Infektionen im besonders stark betroffenen Italien leicht zurückgegangen. Allerdings sei es noch zu früh für die Feststellung, dass die Pandemie in Italien ihren Höhepunkt erreicht habe, hob der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, hervor.

Quelle: ntv.de, chr/AFP/dpa