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Prozess zu Autobahn-Steinwürfen Junge Angeklagte widersprechen sich vor Gericht

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Der Prozess gegen die jungen Männer findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zwei Jugendliche werfen Steine und teilweise sogar Paletten auf einen Regionalzug und mehrere Autobahnen. Wie durch ein Wunder kommt es zu keinem schweren Unfall. Nun müssen sich die beiden Tatverdächtigen wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.

Im Prozess um Steinwürfe auf Autobahnen und einen Zug in Franken hat einer der beiden Angeklagten die Taten gestanden. Über seinen Anwalt erklärte der 20-Jährige, mit dem 17-jährigen Mitangeklagten Steine und Holzpaletten auf die A3 und die A73 geworfen zu haben. Der 17-Jährige sagte dagegen aus, er habe nur geholfen, zwei Paletten auf eine Brücke zu tragen, die Idee zu den Taten sei von dem Älteren gekommen, wie ein Gerichtssprecher sagte. Den Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem sechsfachen versuchten Mord vor.

Wegen des Alters des jüngeren Angeklagten schloss der Richter am Landgericht Nürnberg zu Prozessbeginn die Öffentlichkeit aus. Da der 17-Jährige noch Jugendlicher sei, überwiege das Interesse, ihm für seine soziale und berufliche Entwicklung eine drohende Bloßstellung durch ein öffentliches Verfahren zu ersparen, sagte der Vorsitzende Richter. Auch habe er "erhebliche Auffälligkeiten in seiner Persönlichkeit".

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Zum Tathergang machen die beiden Angeklagten unterschiedliche Angaben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wie ein Gerichtssprecher sagte, machten beide Beschuldigten nach Verlesung der Anklage Angaben. Allerdings widersprachen sie sich dabei dem Sprecher zufolge in der Schilderung der Abläufe. Der 17-Jährige machte zudem Aussagen, die seinen früheren Ausführungen bei der Polizei entgegenstanden.

Der Anklage zufolge hatten die seit Juli ununterbrochen in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten am Abend des 8. Mais in Erlangen zunächst mehrere Steine gegen einen vorbeifahrenden Regionalzug geworfen, wodurch drei Seitenscheiben zerstört wurden. Dann warfen sie laut Anklage mehrere bis zu 3,6 Kilogramm schwere Pflastersteine von einer Autobahnbrücke auf die A3. In derselben Nacht hätten sie dies an einer Brücke über der A73 und einer Fußgängerbrücke wiederholt - an der A73 auch mit Holzpaletten.

Auch Brandstiftung zur Last gelegt

Sechsmal sollen die Angeklagten vorbeifahrende Fahrzeuge getroffen haben, in zwei weiteren Fällen überfuhren Fahrzeuge die auf der Fahrbahn liegenden Gegenstände. Die Würfe gingen für die Betroffenen glimpflich aus. Lediglich in einem Fall wurde der Beifahrer eines Lastwagens durch Glassplitter einer zerschlagenen Windschutzscheibe leicht verletzt.

An den betroffenen Lastwagen und Autos entstand ein Schaden von etwa 20.000 Euro. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war es allerdings nur dem Zufall zu verdanken, dass es keine schwereren Unfälle gab.

Zusätzlich zu diesen Taten müssen sich die beiden Angeklagten außerdem wegen Brandstiftung verantworten, weil sie ebenfalls im Mai in Erlangen ein leerstehendes Fabrikgebäude mit Brandbeschleunigern angezündet haben sollen. In dem Prozess sind vier weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil soll am 11. Februar fallen

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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