Panorama

Todesschüsse in Moabit Kreml streitet Geheimdienst-Verwicklung ab

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Die Tatwaffe fanden Taucher in der Spree.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die tödlichen Schüsse auf einen Georgier in Berlin-Moabit gleichen einer Hinrichtung, berichten Zeugen. Der Kreml weist Spekulationen über einen russischen Geheimdienstmord zurück. Auch das Außenministerium betont: Es gebe keine Beweise, dass der mutmaßliche Schütze überhaupt Russe sei.

Der Kreml hat jegliche Verwicklung in die Ermordung eines Georgiers in Berlin bestritten. "Diese Geschichte hat natürlich nichts mit der russischen Regierung oder ihren offiziellen Instanzen zu tun", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. "Ich dementiere klar jedwede Verbindung zwischen diesem Mord und den russischen Behörden." Für weitere Informationen verwies der Vertraute von Präsident Wladimir Putin an das Außenministerium in Moskau.

Der 40-jährige Georgier war am vergangenen Freitag mittags im Kleinen Tiergarten im Berliner Stadtteil Moabit erschossen worden. Als Tatverdächtiger wurde ein 49-jähriger Russe festgenommen. Die Tatwaffe und das mutmaßliche Fluchtfahrrad des Täters wurden beschlagnahmt. Der Täter soll dem Opfer mit einem Fahrrad gefolgt sein und ihm dann in den Rücken und in den Kopf geschossen haben. Gegen den Russen wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen.

Um den Mord ranken sich Spekulationen, der Georgier könne wegen seiner Vergangenheit unter anderem als Mitglied georgischer Spezialkräfte Opfer eines Auftragsmords des russischen Geheimdiensts gewesen sein. Nach Angaben der georgischen Bürgerrechtsorganisation EMC handelt es sich bei dem Opfer um Selimchan Changoschwili, der im zweiten Tschetschenien-Krieg (1999-2009) gegen die Russen kämpfte. Laut der "Frankfurter Allgemeinen" kam er Ende 2016 als Asylbewerber nach Deutschland, nachdem er mehrfach Mordanschläge überlebt hatte.

Nach Angaben des russischen Außenministeriums liegt noch keine Bestätigung vor, dass es sich bei dem Tatverdächtigen um einen Russen handele. Sprecherin Maria Sacharowa sagte der Agentur Interfax zufolge: "Ich habe extra versucht zu klären, ob jemand Dokumente gesehen hat, die die russische Staatsbürgerschaft dieses Menschen belegen. Bislang werden nur Kopien von Dokumenten gezeigt." Vertreter Russlands hätten bislang keine Originaldokumente gesehen.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa