Das Napalm-Mädchen heuteLaser soll Kims Narben heilen

Es ist der 8. Juni 1972. Im Dorf von Kim Phuc in Vietnam fällt Feuer vom Himmel. Das Bild der damals Neunjährigen geht um die Welt. So bekommt der Schrecken des Krieges ein Gesicht. Ihre Narben sind auch heute noch da. Ein Laser sollen sie nun heilen.
Die ganze Welt kennt dieses Foto. Ein kleines Mädchen läuft nach einem Napalm-Angriff in Vietnam nackt und mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Kamera zu. Das Bild wurde zu einem Symbol des Vietnamkriegs. Phan Thi Kim Phuc ist das Mädchen auf dem Foto. Heute ist die 52 Jahre alt. Seit 43 Jahren begleiten sie die Verletzungen und Narben von jenem Tag im Juni 1972.
Sie habe erkannt, dass sie diesem Foto niemals entkommen könne, sagt Phuc dem Sender CNN im August. "Also wollte ich mit diesem Foto für den Frieden arbeiten. Das ist meine Entscheidung." Als UN-Botschafterin und mit ihrer eigenen Stiftung setzt sie sich für Kinder aus Kriegsgebieten ein.
Auch ihre eigenen Schmerzen sollen nun gelindert werden. Mit einer Laser-Behandlung reduziert eine Spezialistin in Miami die Brandnarben. Erste Erfolge haben sich schon gezeigt, sagt Dr. Jill Waibel vom "Miami Dermatology & Laser Institute". "Wir können das Aussehen der Narben und auch die Beweglichkeit und den Bewegungsradius von Kim verbessern." Phuc kann sich wegen ihrer Narben nur eingeschränkt und unter Schmerzen bewegen.
Laser lässt Narbengewebe verdampfen
Vereinfacht gesagt erhitzt der Laser die Haut so stark, dass das Narbengewebe verdampft. Dabei entstehen winzige Wunden in der Haut. Das betroffene Gewebe kann sich so langsam regenerieren, Kollagen wird neu aufgebaut. Medikamente unterstützen dies. Phuc habe ihr gesagt, dass sich die Narben schon weicher anfühlten, so Waibel, die die Behandlung kostenlos vornimmt. Sie soll noch sechs bis neun Monate fortgesetzt werden. Ihre Patientin sei eine außergewöhnliche Frau. "Kim ist wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung jemand Besonderes, sie ist ein lebendes Symbol für den Krieg, und dafür, dass unschuldige Kinder in Zeiten des Krieges verletzt werden."
Die Südvietnamesische Armee hatte damals fälschlicherweise Phucs Dorf mit Napalm beschossen. Die zähflüssige Brandwaffe klebt am Ziel - auch an menschlicher Haut. Viele Opfer überlebten dies nicht. Phuc, die an der Hälfte ihres Körpers Verbrennungen dritten Grades erlitt, hat überlebt. 14 Monate lang lag sie in einem Krankenhaus in Saigon, in den Folgejahren musste sie unzählige Operationen durchstehen. Von den kommunistischen Machthabern Vietnams wurde sie zu Propagandazwecken benutzt, auch sie hatten die Macht dieses eindringlichen Fotos erkannt.
Nick Ut schoss das bekannte Foto
Nick Ut war jener Mann, der damals auf den Auslöser seiner Kamera drückte. "Ich wusste sofort, ich muss dieses Bild der Welt zeigen", sagt er. "Ich wollte allen zeigen, wie schrecklich Krieg ist." Er erinnere sich noch deutlich an jene Momente, erzählt Ut. Die Explosion, der Rauch. "Wir dachten, da sei niemand, aber dann sahen wir Menschen durch den Rauch laufen." Er konnte es kaum fassen: "Ich erinnere mich, wie furchtbar die Verbrennungen waren und wie schlimm es war, die sterbenden Babys zu sehen."
Der Fotograf kippte Wasser über das Mädchen und brachte es in ein Krankenhaus. Das Foto brachte ihm den Pulitzer-Preis ein, aber auch eine bis heute andauernde Verbindung zu Phuc, die seit 1990 in Kanada lebt. Dorthin ist sie mit ihrem Mann geflüchtet. Zu der ersten Behandlung im September hat er sie nach Miami begleitet. "Wir blieben über die ganzen Jahre hinweg in Kontakt. Ich bin ein enger Freund und wie ein großer Bruder", sagt Ut. Der 64-Jährige ist auch der Sprecher von Phuc. Gemeinsam sind sie für die Stiftung des "Napalm-Mädchens" aktiv. Kein Kind solle jemals ihr Schicksal erleiden, dafür setzt sich Phuc ein. "Sie beschwert sich niemals, trotz der dauernden Schmerzen", schwärmt Ut. "Sie ist ein Engel"