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China rechnet wieder anders Neue Zählweise führt zu mehr Infizierten

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Das schnelle Wiederabflachen der Pandemie wird als "Wunder von Wuhan" bezeichnet. Doch existiert es wirklich?

(Foto: picture alliance/dpa)

China ändert in der Coronavirus-Pandemie erneut die Zählweise der Infizierten. Damit steigt die Zahl der Erkrankten wieder an. Doch ergibt es überhaupt Sinn, auch Menschen ohne Symptome zu testen?

Seit Tagen vermeldet China positive Nachrichten in Sachen Coronavirus: Kaum noch Neuinfektionen, und wenn, dann bringen Infizierte das Virus aus dem Ausland mit. Doch das vermeintliche Erfolgserlebnis, wurde gemutmaßt, könnte auch mit der Zählweise der Chinesen zusammenhängen: Sie berücksichtigten in ihrer Statistik bislang nur bestätigte Infizierte, die auch Symptome der Krankheit zeigten.

Nun ändert China seine Zählweise und beziffert auch Menschen, die positiv auf das Virus getestet wurden, aber symptomfrei sind. Das wenig überraschende Ergebnis: Die Zahlen der Pekinger Gesundheitskommission steigen. Im Vergleich zum Vortag gab es demnach 130 Nachweise dieser Art, insgesamt stehen damit 1367 asymptomatische Fälle unter Beobachtung, hieß es. Diese asymptomatischen Fälle fließen jedoch weiterhin nicht in die Gesamtzahl ein, sondern werden getrennt gelistet. Die Zahl der bestätigten Infektionen mit Symptomen stieg den offiziellen Daten zufolge lediglich um 36 auf 81.554 - 35 der Infizierten waren aus dem Ausland nach China eingereist.

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"Stimme der Opfer unterdrückt"

Im Vergleich zu den Ansteckungszahlen in anderen Ländern und der Einwohnerzahl des Landes sind das dennoch erstaunlich niedrige Zahlen. Ob sie auf einem so geringem Level bleiben, werden wohl erst die Daten der kommenden Tage zeigen. Und es stellt sich die Frage, ob die offizielle Statistik tatsächlich die aktuelle Situation widerspiegelt. Denn noch immer gibt es viele Unklarheiten - darüber etwa, wie viele Menschen überhaupt getestet werden. Für Verwirrung sorgt zudem auch die Tatsache, dass China schon zweimal seine Zählweise geändert hat. "Der Lockdown in Wuhan war effektiv, allerdings dürften wesentlich mehr Menschen gestorben sein als die offiziellen Zahlen zugeben", sagte der Chinaforscher Andreas Fulda unlängst ntv.de. "Ohne Presse- und Meinungsfreiheit bleibt die Stimme der Opfer des Coronavirus unterdrückt", sagt er. Nach offiziellen Angaben starben landesweit 3300 Menschen an dem Virus.

Die nun eingeführte neue Zählweise könnte in den kommenden Tagen zumindest die Infiziertenzahl weiter steigen lassen. Dabei ist umstritten, ob es überhaupt Sinn ergibt, Menschen ohne Symptome zu testen. Das deutsche Robert-Koch-Institut etwa empfiehlt, ausschließlich Patienten mit den typischen Krankheitssymptomen zu testen. Der Grund: Bei Menschen ohne Symptome bedeutet ein negativer Test nicht, dass die Betroffenen sich nicht bereits in der Inkubationszeit befinden und doch noch erkranken könnten, heißt es. So würden unnötig Testkapazitäten verbraucht.

Quelle: ntv.de, ftü