Panorama

99 Jahre nach der Schlacht Neuseeländer sucht Weltkriegs-Retter

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(Foto: Lac Naomi James / New Zealand Defence Force / dpa)

Ein Erbstück aus Neuseeland könnte 99 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zu einer ungewöhnlichen Begegnung führen: Ein Soldat sucht die Nachfahren jenes Deutschen, der seinen Großvaters damals vom Schlachtfeld zog. Alles, was er hat, ist eine Brieftasche.

Fast ein volles Jahrhundert nach dem Ende des Ersten Weltkriegs will sich der Enkel eines neuseeländischen Soldaten für die Rettung seines damals schwer verwundeten Großvaters bedanken - bei einer deutschen Familie.

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Gut erhaltene Aufschrift auf der Brieftasche: Auf dem Ledereinband hat eine unbekannte Hand einen Namen und Hinweise zur Anschrift hinterlassen.

(Foto: Lac Naomi James / New Zealand Defence Force / dpa)

Hayden Cullen sucht die Angehörigen eines ehemaligen Soldaten aus Hannover, der seinen verletzten Opa während eines Gefechts in der französischen Gemeinde Le Quesnoy im Jahr 1918 in Sicherheit brachte, wie das neuseeländische Militär mitteilte.

Le Quesnoy liegt rund 30 Kilometer östlich von Cambrai. In der Region wogten die Kämpfe gegen Kriegsende besonders blutig hin und her. Die heute knapp 5000 Einwohner zählende Gemeinde war lange von deutschen Truppen besetzt und wurde erst kurz vor Kriegsende von neuseeländischen Einheiten zurückerobert.

Kurz bevor der Deutsche damals in Gefangenschaft geraten sei, habe er dem Neuseeländer seine Brieftasche überreicht, heißt es. Diese möchte Cullen, der Jahrzehnte nach seinem Großvater selbst Soldat geworden ist, nun den Angehörigen zurückgeben.

Die Geldbörse habe sein Großvater nach Kriegsende mit auf den Hof der Familie bei Te Awamutu auf der Nordinsel Neuseelands gebracht. Jegliche Versuche, den Deutschen und seine Angehörigen seitdem ausfindig zu machen, waren bislang gescheitert.

Appell an die deutsche Öffentlichkeit

Jetzt wendet sich Cullen direkt an die deutsche Öffentlichkeit. "Wir danken Ihnen sehr dafür, was Ihr Vorfahre für unseren getan hat", sagte Cullen der Mitteilung zufolge an die Adresse der gesuchten Familie des Retters gerichtet.

Wie einer handschriftlichen Notiz auf dem Umschlag der Brieftasche zu entnehmen ist, dürfte es sich bei dem deutschen Soldaten, der Cullens Großvater aus der Kampfzone barg, um einen Mann namens "H. Held" handelt, der möglicherweise aus Emmendorf im Landkreis Uelzen wohnte. Die Stadt Uelzen liegt etwa auf halber Strecke zwischen Hannover und Hamburg am östlichen Rand der Lüneburger Heide.

Mit Links in großer Hast geschrieben?

Wenig hilfreich ist, dass die Notiz damals offenbar in großer Eile niedergeschrieben wurde - ob von Cullens Großvater oder dem ursprünglichen Eigentümer ist unklar. Klar erkennbar sind jedenfalls ungelenke Buchstaben, Ortsnamen in ungebräuchlicher Reihenfolge und unter anderem auch ein spiegelverkehrt geschriebenes "S", das auf einen an der Hand verletzten Schreiber hindeuten könnte.

Sollte sich ein Nachfahre finden lassen, wäre noch in dieser Woche eine persönliche Danksagung möglich: Als Mitglied eines Militärorchesters der neuseeländischen Streitkräfte wird Cullen an diesem Donnerstag an einer Gedenkfeier zum 100. Jahrestag der Schlacht um Passchendaele teilnehmen. In Deutschland werden die Kämpfe in der Region üblicherweise unter der Bezeichnung "Dritte Flanderschlacht" zusammengefasst.

Geschieht ein "zweites Wunder"?

Für Cullen ist die Reise nach Europa mit einer besonderen Hoffnung verbunden: Bei der Zeremonie der neuseeländischen Armee in Belgien könnte er auch auf die Familie des Deutschen zu treffen - oder zumindest an nähere Informationen gelangen, wer hinter der Rettung seines Großvaters stand.

"Ich weiß, es ist reine Spekulation, aber warum sollte kein zweites Wunder geschehen - wenn eines schon geschehen ist?", gab Cullen zu bedenken. Am Ersten Weltkrieg hatte sich Neuseeland als Mitglied des Commonwealth mit etwa 100.000 Staatsangehörigen beteiligt - mehr als 16.000 neuseeländische Soldaten kamen dabei ums Leben.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa