Panorama

Wintertief "Benjamin" zieht ab Nordwind löst Sturmflut in der Ostsee aus

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Aufgewühlte Ostsee: Bei Warnemünde trotzen Spaziergänger den Witterungsbedingungen.

(Foto: dpa)

An der Ostseeküste rollt die nächste große Sturmflut heran. Im Rücken des Unwettertiefs "Benjamin" schiebt starker Nordwind die Wassermassen Richtung Ufer. Für die Küste zwischen Flensburg und Rügen warnen die Behörden vor ungewöhnlich hohen Pegelständen.

An der Ostsee müssen sich Küstenbewohner auf eine weitere Sturmflut einstellen: Der Seewetterdienst Hamburg gab in der Nacht eine Starkwind-Warnung für die Regionen zwischen Flensburg und Rügen heraus. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sagt für die Ostsee ungewöhnlich hohe Pegelstände voraus. Für die Nordsee besteht nach Angaben des BSH dagegen vorerst keine Sturmflutgefahr mehr.

"Tief 'Benjamin' ist langsam ostwärts weitergezogen und hat dabei an Kraft verloren, sodass das Schlimmste in Sachen Sturm- und Sturmflutgefahr an der Nordsee durch ist", erklärt n-tv Meteorologe Björn Alexander die Lage. "Was allerdings bleibt, das ist die nördliche Strömung, die im Bereich der östlichen Mittelgebirge und der Alpen weiterhin für teils intensive Schneefälle sorgt."

Sturmflutwarnung für die Ostsee

Über dem offenen Meer hat der anhaltend starke Nordwind Folgen: In der Ostsee drücken die Luftströme mit der auflaufenden Flut große Wassermassen Richtung Küste. Für die betroffenen Gebiete in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gaben die Behörden eine Sturmflutwarnung heraus. Die Fluten der Ostsee dürften hier bis 1,40 Meter über dem mittleren Wasserstand steigen. "Kurzzeitige Spitzen darüber werden in der Lübecker Bucht nicht ausgeschlossen", warnte das BSH.

In Lübeck überflutete das Wasser einige Straßen der Altstadt. Betroffen seien insbesondere die Bereiche Obertrave und Bauhof, wie ein Sprecher der Feuerwehr erklärte. Der Pegelstand habe um 9.00 Uhr um 1,13 Meter über dem mittleren Wasserstand gelegen. Mit Blick auf die Lage in der Lübecker Bucht sprach das BSG von einer "mittleren Sturmflut". Von solchen Wasserständen sei Lübeck immer wieder mal betroffen, sagte ein BSH-Sprecher. Die Bewohner der gefährdeten Gebiete seien gewarnt worden.

In Lübeck-Travemünde stehen Teile der Trave-Promenade unter Wasser. In Lübeck hätten die meisten Bürger gelassen reagiert. An der Lübecker Obertrave lagen die Sandsäcke griffbereit am Straßenrand, an der Musikhochschule und anderen Gebäuden waren die Eingänge mit Hochwasserschotts verbarrikadiert.

In Wismar überschwemmte die Sturmflut einzelne Straßen. Am Morgen kurz nach 7.00 Uhr warnte die Stadt Anwohner mit einer Sirene vor dem ansteigenden Wasser. Ein Parkplatz lief voll, die Polizei sperrte die betroffenen Bereiche ab. Der Pegelstand lag hier am Morgen bei 1,30 Meter über Normal, wie ein Pressesprecher der Stadt sagte. Anwohner hatten sich seit Dienstag mit Sandsäcken auf die nahenden Fluten vorbereitet.

Stumböen bis Stärke 10

Der Scheitelpunkt der Ostsee-Sturmflut wurde gegen 12.00 Uhr mittags erwartet. Bis zum Abend sollte die 1-Meter-Sturmflutmarke an allen Messstellen der deutschen Ostseeküste wieder unterschritten sein, hieß es. Dazu kommt der anhaltend starke und kalte Nordwind: Für den Tagesverlauf muss an der Ostsee mit Windgeschwindigkeiten von 80 Kilometern in der Stunde (Stärke 8 auf der Beaufort-Skala) gerechnet werden. In exponierten Lagen können auch schwere Sturmböen der Stärke 10 auftreten.

Gegen Mittag sollte das Zentrum des Sturmtiefs "Benjamin" bereits über Südpolen liegen. Dadurch dürfte der Sturm an der Ostseeküste abflauen und das Hochwasser zurückgehen werde, erklärte der BSH-Sprecher.

An der Ostsee liegt die Warnschwelle bei Wasserständen von einem Meter und mehr über Normal. "Weil es in der Ostsee keine Gezeiten gibt, spricht man dort von der 'Abweichung vom mittleren Wasserstand' und nicht von der Abweichung gegenüber dem mittleren Hochwasser", erklärt Björn Alexander.

Entwarnung für die Nordsee

An der Nordseeküste zeichnet sich unterdessen eine Entspannung der Lage ab. "Die höchsten Wasserstände gibt es heute noch im Weser- und Elbegebiet", erklärt Björn Alexander. "Hier besteht zwar keine Sturmflutgefahr mehr, aber die Hochwasser werden noch 1,0 bis 1,5 Meter höher ausfallen als normal." Die Schwelle zur leichten Sturmflut (Stufe 1) liegt bei 1,5 Meter. Bei Wasserständen über diesem Niveau wird zum Beispiel auch der Hamburger Fischmarkt überflutet.

Auf der Hochseeinsel Helgoland in der Nordsee hatte das Hochwasser am Vortag seinen Scheitelpunkt mit 1,55 Meter über dem normalen Hochwasserstand erreicht. Der Verkehr zwischen Cuxhaven und Helgoland wurde eingestellt. Die ost- und nordfriesischen Inseln sowie die Halligen waren den Tag über teilweise auf sich allein gestellt, da die Fähren in den Häfen blieben.

Die erste größere Sturmflut des Jahres hatte mit dem Tief "Benjamin" auch die niedersächsische Küste erreicht. Schäden wurden zunächst keine bekannt. Das ganze Ausmaß werde voraussichtlich erst später abzusehen sein, hieß es. Viele Fähren zu den Nordseeinseln stellten ihren Betrieb ein. Am Skandinavienkai im Hafen Lübeck-Travemünde drückte eine Sturmböe ein 218 Meter langes Fährschiff beim Anlegemanöver gegen den Anleger. Dabei wurden sowohl der Anleger als auch das unter schwedischer Flagge fahrende Schiff beschädigt. Verletzt wurde niemand. Gefahrstoffe seien nicht ausgetreten, wie die Polizei Lübeck mitteilte.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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