Panorama

Empört über Impfgegner-Einfluss Polens Corona-Expertenrat schmeißt hin

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Impfgegner demonstrieren in Warschau.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Der polnische Corona-Expertenrat tritt fast geschlossen zurück. Die Virologen werfen der Regierung in Warschau einen geheimen Pakt mit Impfgegnern vor. Die hohe Zahl an Sterbefällen und eine Planlosigkeit gegen die Omikron-Welle erzürnen die Wissenschaftler.

In Polen hat der Streit um die staatliche Corona-Politik zu einem offenen Eklat im medizinischen Beratergremium der Regierung in Warschau geführt. Aus Protest gegen den zunehmenden Einfluss von Impfgegnern verließen 13 von 17 Mitgliedern den Medizinischen Rat. Die Experten begründen dies in einem Schreiben an Ministerpräsident Mateusz Morawiecki mit einem "mangelnden Einfluss" ihrer Empfehlungen. "Gleichzeitig haben wir beobachtet, dass es eine wachsende Toleranz für Gruppen gibt, die die Bedrohung durch Covid-19 und die Bedeutung von Impfungen im Kampf gegen die Pandemie verneinen."

Das Schreiben wurde von führenden Virologen, Epidemiologen und Intensivmedizinern unterzeichnet. Ausdrücklich verwiesen sie dabei auf die Haltung von Regierungsmitgliedern und hohen Beamten. Nur vier Mitglieder des Rats schlossen sich nicht an. Die Regierung habe "nur sehr begrenzte Maßnahmen" ergriffen, um dem Anstieg der Fälle im Herbst entgegenzuwirken, kritisierten die Berater. Das Kabinett habe es versäumt, "sich der Bedrohung durch die Omikron-Variante zu stellen, obwohl die Zahl der vorhergesagten Todesfälle erschreckend hoch ist".

Mehr als 100.000 Corona-Tote

Die Opposition wirft der nationalkonservativen PiS-Regierung schon länger vor, angesichts einer vergleichsweise geringen Impfquote drastische Maßnahmen zu vermeiden, um Impfgegner in den eigenen Reihen nicht zu verprellen. So fehlt beispielsweise weiterhin eine rechtliche Grundlage dafür, dass Betreiber von Restaurants, Hotels und Geschäften den Impfstatus ihrer Kunden abfragen können. Regelungen wie 2G (also Zugang nur für Geimpfte und Genesene) oder 3G (also auch für Getestete) sind in Polen unbekannt. Derzeit sind 56,4 Prozent der Bevölkerung mindestens zweimal geimpft. Etwa 22 Prozent haben auch schon eine Auffrischungsimpfung.

Erst Anfang der Woche war die Zahl der Corona-Toten nach offiziellen Angaben über die Marke von 100.000 gestiegen. Am Freitag meldete das Gesundheitsministerium 423 neue Todesfälle binnen 24 Stunden. Damit sind in dem 38-Millionen-Einwohner-Land nunmehr 101.841 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Zum Vergleich: Deutschland verzeichnet mit mehr als doppelt so vielen Einwohnern 115.337 Covid-Tote.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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