Panorama

Cyber-Grooming über "Minecraft" Täter im Fall Paul droht lange Haft

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In diesem Haus wurde Paul schließlich gefunden.

(Foto: dpa)

Seine Liebe zu einem Onlinespiel führt einen 12-Jährigen in die Hände eines Verbrechers. Paul kann im Sommer aus einer Düsseldorfer Wohnung befreit werden, wo er mutmaßlich tagelang missbraucht wurde. Der Täter muss sich jetzt verantworten.

Was dem zwölfjährigen Paul aus dem Schweizer Kanton Solothurn im Sommer widerfuhr, ist der Alptraum vieler Eltern. Der Junge spielte online "Minecraft" und geriet so in die Hände eines mutmaßlichen Kinderschänders. Nachdem Paul bereits tagelang verschwunden war, fand ihn die Polizei schließlich in Düsseldorf. Von einem Spezialeinsatzkommando wurde der Junge am 26. Juni aus der Wohnung von Werner C. befreit.

Der 35-Jährige steht nun vor Gericht. Der Anklageschrift zufolge hatte der Mann als Administrator des Onlinespiels eine geschlossene Welt eröffnet. In diese nahm er neben anderen Mitspielern auch Paul auf. Mit dem 12-Jährigen verfolgte er jedoch einen perfiden Plan. Nach und nach gewährte er dem Jungen Vergünstigungen und erwarb sich so immer mehr dessen Vertrauen. Experten warnen seit Jahren vor Cyber-Grooming, dem gezielten Ansprechen von Minderjährigen im Internet, um Missbrauchstaten zu verüben.

Bei Paul hat die Masche Erfolg: Er teilte mit seinem vermeintlichen Onlinefreund immer mehr private Informationen. Diese nutzte der Mann, dem unter anderem schwerer sexueller Missbrauch, Besitz kinderpornografischer Schriften und Körperverletzung vorgeworfen wird, um Paul nach Deutschland zu locken. Zunächst wollte der 12-Jährige nicht, doch am 18. Juni sei Werner C. der Anklageschrift zufolge von Düsseldorf nach Zürich geflogen und habe sich in Härkingen mit Paul getroffen. Der "Bild"-Zeitung zufolge hatte der Hilfskoch seinen Nachbarn erzählt, er fliege in den Urlaub.

Psychoterror und Missbrauch

Gemeinsam reisten C. und Paul dann mit Bus und Zug nach Düsseldorf. Während in der Schweiz eine umfangreiche Suchaktion lief, wurde der Junge in Düsseldorf mehrfach missbraucht. Die Eltern hatten von dem Internetkontakt ihres Sohnes nichts mitbekommen, Freunde wussten jedoch, dass Paul weggehen wollte.

In Düsseldorf durchlebte Paul schreckliche Tage. C. schrie den Jungen immer wieder an, machte ihm Angst. Der Schweizer "Blick" berichtete außerdem, der 35-Jährige habe den Jungen nach seiner Ankunft in Düsseldorf eingeschlossen und ihm die Haare abrasiert. So sollte der 12-Jährige dem Foto, mit dem die Polizei nach ihm suchte, weniger ähnlich sehen. Immer wieder missbrauchte der Mann Paul, insgesamt 15 Mal.

Am Ende kamen die Ermittler über das Internet auf Werner C.s Spur. Die Schweizer Beamten arbeiteten dafür mit dem FBI und Deutschlands "Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität" zusammen. Nach acht Tagen befreite ein SEK den Jungen aus der Düsseldorfer Wohnung. Dort entdeckten die Beamten laut Staatsanwaltschaft auch mehrere Computer, Handys und andere Datenträger mit kinder- sowie jugendpornografischen Bildern und Videos.

Bei den Vernehmungen räumte Werner C. die Taten weitgehend ein. Für den Prozess setzte das Landgericht zunächst drei Verhandlungstage an, schon am 9. Dezember könnte das Urteil gesprochen werden. C. drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Quelle: ntv.de

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