Panorama

Schreibt Ankara Chloroquin vor? Türkei-Urlaubern droht Corona-Zwangskur

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Muss derzeit ohne deutsche Urlauber auskommen: Der Kleopatra-Strand in Alanya, Provinz Antalya.

(Foto: imago images/Shotshop)

Zwischen der Türkei und Deutschland sorgt das Thema Touristen für Ärger. Die Bundesregierung hält an ihrer Reisewarnung fest. Nach einem Medienbericht fürchtet sie nicht nur die hohen Infektionszahlen, sondern auch eine Vorschrift Ankaras: Danach drohen infizierten Urlaubern Zwangskuren mit Chloroquin.

Deutsche Urlauber, die sich in der Türkei mit dem Coronavirus infizieren, müssen dort nach Informationen des "Spiegels" eine Zwangsbehandlung mit dem umstrittenen Medikament Hydroxychloroquin befürchten. Diese Corona-Vorschrift soll dem Bericht zufolge ein Grund dafür sein, warum das Auswärtige Amt seine Reisewarnung für deutsche Urlauber nicht zurücknimmt. Das Blatt berief sich auf mit den Vorgängen Vertraute: Danach bestehe die Bundesregierung darauf, dass Ankara die Vorschrift zuerst zurückziehe. Jeder Infizierte müsse sich in der Türkei umgehend in das nächste Krankenhaus begeben, um sich der Chloroquin-Kur zu unterziehen, hieß es in dem Bericht.

Das Malaria-Medikament ist in Deutschland nicht zur Therapie von Covid-19-Patienten zugelassen, zudem sind die Wirkung der Behandlung und die Risiken für die Patienten unklar. US-Behörden hatten bei dem Mittel, das US-Präsident Donald Trump vorbeugend eingenommen haben will, vorübergehend eine Sonderzulassung für Covid-19-Erkrankte erteilt.

Allerdings dürfte die strittige Verordnung nicht der einzige Grund für die deutsche Reisewarnung sein. Unabhängig davon stuft derzeit das Robert-Koch-Institut die Türkei als Risikogebiet ein, weil die Infektionszahlen über der Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegen. Regierungsvertreter in Ankara hatten sich mehrfach enttäuscht gezeigt, dass Berlin deutschen Urlaubern keine Entwarnung geben wollte.

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Durch die Corona-Pandemie sind die Tourismuszahlen in der Türkei stark eingebrochen. Im Mai kamen rund 30.000 Besucher in das Land und damit 99,26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, teilte das türkische Tourismusministerium Anfang der Woche mit. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Türkei. Vergangenes Jahr machten nach offiziellen Angaben mehr als fünf Millionen Deutsche dort Urlaub. Für die jetzt startende Saison sieht es nicht gut aus: Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt bis zum 31. August.

Quelle: ntv.de, mau