Panorama
Video
Samstag, 30. Dezember 2017

Tödlicher Telefonstreich: US-Polizei erschießt ahnungslosen Mann

Es sollte nur ein Spaß sein: Nach einem Streit über eine Online-Wette schickt ein Mann mit falschem Notruf eine Sondereinheit zu der vermeintlichen Adresse seines Rivalen. Doch die Polizei umstellt das Haus eines Unbeteiligten - für diesen endet der Streich tödlich.

In Los Angeles ist ein 25-Jähriger festgenommen worden, der im Verdacht steht, eine Gewalttat erfunden und einen falschen Notruf an die Polizei in Kansas abgesetzt zu haben. Daraufhin war in der Stadt Wichita in dem US-Staat ein unschuldiger Mann von der Polizei erschossen worden.

Auf der Website der Lokalzeitung "The Wichita Eagle" wurde die Aufzeichnung dieses Anrufs veröffentlicht. Zu hören ist ein junger Mann, der in ruhigem Ton der Polizeibeamtin schildert, dass er seinen Vater erschossen habe, seine Mutter, sowie seinen kleinen Bruder mit einer Waffe bedrohe und in Erwägung ziehe, das Haus anzuzünden. "Haben sie meine Adresse gut verstanden?", fragt er am Ende.

Der Vorfall habe sich zu spät als erfunden herausgestellt, berichtete Livingston. Nach dem Notruf sei eine Spezialeinheit zu der angegebenen Adresse gefahren. Als die Polizisten das Haus umstellten, sei ein Mann vor die Tür getreten. Er habe Anweisungen erhalten, sich langsam zu bewegen, ein Polizist meinte jedoch, den Griff zu einer Waffe registriert zu haben. Daraufhin habe er auf den Mann geschossen, der kurz darauf im Krankenhaus verstarb. Laut Medienberichten handelt es sich bei dem Opfer um einen 28-jährigen Mann, Vater von zwei Kindern. Er führte keine Waffe bei sich.

Dem tödlichen Telefonstreich ging vermutlich ein Streit über eine Online-Wette bei dem Spiel "Call of Duty" voraus. Der 25-Jährige Verdächtige soll demnach in den Streit verwickelt gewesen sein. In dem Glauben, die Polizeieinheit zu dem Haus seines Kontrahenten zu schicken, setzte er den falschen Notruf hab. Das beabsichtigte Opfer des Fake-Anrufs hatte vermutlich statt seiner eigenen Adresse die des ahnungslosen Mannes angegeben, der mit dem Streit nach bisherigen Erkenntnissen nichts zu tun hatte.

"Wegen der Handlungen eines Spaßvogels haben wir ein unschuldiges Opfer", erklärt Livingston. Wenn der Anruf mit dem falschen Notfall nicht getätigt worden wäre, wäre die Polizei auch nicht dort gewesen. "Der Vorfall ist ein Alptraum für alle Beteiligten", sagte er.

Der Tod des 28-Jährigen ist ein tragisches Beispiel für eine spezielle Form des Telefonstreichs, die in der Netzcommunity "Swatting" genannt wird. Aus Rachemotiven, oder auch nur, um sich einen Spaß zu erlauben, wird ein Notfall in einem solchen Ausmaß erfunden, dass die Polizei oder sogar eine Spezialeinheit zu einem anderen Menschen nach Hause geschickt wird. Die Täter setzen die Notrufe meistens übers Internet ab, um anonym zu bleiben. "Swatting" ist ein Wortspiel mit der Abkürzung SWAT (Special Weapons And Tactics), der Bezeichnung für Spezialeinheiten innerhalb der Polizei.

Der Tod des 28-Jährigen ist vermutlich der erste tödliche Ausgang eines solchen Anrufs. In der Vergangenheit gab es allerdings bereits Fälle, bei denen Swatting-Opfer schwer verletzt wurden.

Quelle: n-tv.de