Panorama

Entwarnung am Abend Virus-Verdacht auf Kreuzfahrtschiff in Italien

Tausende Urlauber sitzen über Stunden auf dem Kreuzfahrtschiff "Costa Smeralda" fest - darunter wohl auch Deutsche. Grund ist der Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion bei einer Touristin. Erst am Abend folgt die Gewissheit.

Wegen des Verdachts auf das Coronavirus haben Tausende Passagiere an Bord eines Kreuzfahrtschiffes im Hafen der italienischen Stadt Civitavecchia festgesessen. Wie die Nachrichtenagentur Ansa schrieb, sollen insgesamt rund 7000 Menschen an Bord der "Costa Smeralda" sein. Laut Informationen von ntv halten sich auch Deutsche an Bord des Schiffes auf. Eine Touristin aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao habe Symptome wie Fieber und Atemprobleme gehabt, wie ein Sprecher der Reederei bestätigte.

Am Abend folgt dann nach stundenlangem Warten die Entwarnung. Keiner der Tests hat einen entsprechenden Nachweis erbracht. Niemand auf dem Schiff sei mit dem Corona-Virus infiziert, teilte das Gesundheitsministerium mit. Die Passagiere dürfen das Schiff nun verlassen.

Die Passagierin und ihr Mann waren laut Medien am 25. Januar am Flughafen in Mailand angekommen. Die Frau sei auf dem Schiff medizinisch versorgt und isoliert worden. Die Ergebnisse eines Virustests wurden für den Nachmittag erwartet, ihr Mann habe kein Fieber. Die örtlichen Behörden ordneten an, dass die Passagiere zunächst nicht an Land gehen durften.

Das Ehepaar hat die Kreuzfahrt den Berichten nach in der Hafenstadt Savona in Ligurien begonnen. Das Schiff habe auf der regulären Tour durchs westliche Mittelmeer in Marseille, Barcelona und Palma de Mallorca Station gemacht, bevor es Civitavecchia anlief. Von dort erkunden die Schiffsreisenden in der Regel die italienische Hauptstadt Rom. Italien ist ein bei Chinesen beliebtes Reiseland.

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Russland schließt seine Grenze zu China

Derweil schließt Russland wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus seine 4250 Kilometer lange Grenze zu China. Eine entsprechende Anordnung sei unterzeichnet und bereits in Kraft getreten, nun würden "alle über die beschlossenen Maßnahmen informiert", zitierten die russischen Nachrichtenagenturen Ministerpräsident Michail Mischustin. Details zur Dauer der Grenzschließung nannte er bislang nicht. Bereits am Montag hatte die Mongolei ihre knapp 4700 Kilometer lange Grenze zum chinesischen Nachbarn geschlossen.

Der neuartige Erreger einer Lungenkrankheit breitet sich seit Ende Dezember immer rascher aus. Stand jetzt meldeten die chinesischen Behörden mindestens 170 Tote und mehr als 7700 Infizierte. Außerhalb Chinas gibt es inzwischen rund 50 Infektionsfälle in mindestens 18 Ländern, davon vier in Deutschland. Russland und die Mongolei sind bisher nicht betroffen.

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"Bisher wurde in Russland kein einziger Fall dieser gefährlichen Krankheit registriert", sagte Mischustin bei einer Regierungssitzung. "Aber wir müssen alles tun, um unsere Bevölkerung zu schützen." Grenzübergänge im äußersten Osten des Landes waren bereits für Fußgänger und den Autoverkehr geschlossen worden. Einreisende wurden mit Temperaturmessungen kontrolliert und zusätzlich befragt.

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WHO berät über Gesundheitsnotstand

Das russische Außenministerium setzte unterdessen die Erteilung elektronischer Visa für chinesische Reisende für den Fernen Osten, die Enklave Kaliningrad und das bei Touristen besonders beliebte Sankt Petersburg aus. Russische Bürger wurden aufgerufen, auf nicht "dringend notwendige Reisen" nach China zu verzichten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will noch im Laufe des Tages erneut über die mögliche Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstands beraten. Forschungsinstitute suchen weltweit derweil mit Hochdruck nach einem Impfstoff. Es dauere mindestens drei Monate, bis sich ein Impfstoff als wirksam erwiesen haben könnte, sagte der renommierte chinesische Epidemiologe Li Lanjun in einem Interview der Nachrichtenagentur Xinhua. Es seien bisher fünf Erregerstämme isoliert worden. "Zwei eignen sich sehr gut für die Entwicklung eines Impfstoffes."

Quelle: ntv.de, kst/fzö/jwu/dpa/AFP