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Suche nach Innovationen WHO: Europäer sind Corona-müde

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Die Deutschen sind mit ihrer Corona-Müdigkeit nicht allein.

(Foto: dpa)

Die Sehnsucht nach einer normalen Welt ohne das Coronavirus wird immer größer. Das ist nicht nur das Gefühl Einzelner, bestätigt der WHO-Europa-Chef Kluge. Die Corona-Maßnahmen hätten die Europäer erschöpft, meint er und wirbt dennoch um kreative Ideen, wie es weitergehen könnte.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in Europa eine wachsende Corona-"Müdigkeit" in der Bevölkerung. In einigen Ländern seien 60 Prozent der Bürger der wegen des Virus ergriffenen Schutzmaßnahmen "müde", erklärte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge.

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In den acht Monaten seit der Ankunft des Virus in der Region hätten die Bürger riesige Opfer zur Eindämmung von Corona gebracht. Das gehe einher mit außergewöhnlichen Umständen, "die uns alle erschöpft haben, unabhängig davon, wo wir leben und was wir tun", erklärte Kluge. Unter solchen Bedingungen sei es ganz natürlich, dass man sich demotiviert fühle und eine gewisse Müdigkeit verspüre. Dennoch glaube er, dass es möglich sei, die Bemühungen gegen die Herausforderungen wiederzubeleben, die Covid-19 mit sich bringe.

Unter anderem müssten neue, sicherere und innovative Wege gefunden werden, wie man die Bedürfnisse der Bürger insbesondere in der Festtagszeit stillen könne. Dies habe man etwa während des Ramadans gesehen, als gemeindenahe Gruppen sichere Lösungen für das Fastenbrechen gefunden hätten. "Indem wir eine Balance zwischen Wissenschaft, sozialen und politischen Bedürfnissen finden, können wir Vorsichtsmaßnahmen entwickeln, die kulturell akzeptiert sind", so Kluge.

Pandemie als Ideenküche

Als Beispiel für eine stärkere Einbeziehung der Öffentlichkeit in die Corona-Beratungen nannte Kluge eine dänische Gemeinde, die gemeinsam mit Studenten über Beschränkungen beraten habe, die ihnen trotzdem eine Rückkehr an die Universität ermöglichten. Ankara nutze die Online-Medien, um mehr über die Stimmung der Menschen zu erfahren, während Berlin "Philosophen, Historiker, Theologen sowie Verhaltens- und Sozialwissenschaftler konsultiert" habe.

Der WHO zufolge könnte sich bereits jeder zehnte Mensch auf der Welt mit dem Coronavirus angesteckt haben. Das würde einer Dunkelziffer von mehr als 700 Millionen unerkannten Infektionen zusätzlich zu den bislang rund 35 Millionen nachgewiesenen Fällen entsprechen. Die 53 Länder der WHO-Europaregion verzeichnet über 6,2 Millionen Corona-Infektions- und knapp 241.000 Todesfälle. Viele Länder kämpfen inzwischen gegen eine zweite Infektionswelle.

Quelle: ntv.de, sba/dpa