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Gremium hat entschieden Waldorfschule lehnt Kind von AfD-Politiker ab

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Laut dem bildungspolitischen Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg gibt es einen deutlichen Elternwillen für mehr Waldorfschulen in der Stadt.

picture alliance / Peter Steffen

Eine Berliner Waldorfschule schließt das Kind eines AfD-Politikers aus. So soll verhindert werden, dass der Vater mit seiner Gesinnung Einfluss auf Schule und Schüler nimmt. Die Bildungssenatorin sieht die Entscheidung "äußerst kritisch".

Üblicherweise werden Kinder, die bereits den Waldorfkindergarten besucht haben, auch von der weiterführenden Schule übernommen. Nicht so im Falle des Kindes eines AfD-Politikers in Berlin. Nach monatelangen Diskussionen zwischen Lehrern, Eltern und Oberstufenschülern habe ein fünfköpfiges Gremium entschieden, das Kind nicht aufzunehmen. Das berichtet die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf den Trägerverein der privaten Schule.

Die Meinungsverschiedenheit innerhalb der Eltern- und Lehrerschaft seien in dieser Frage so groß, dass eine Aufnahme des Kindes für fortwährendes Konfliktpotenzial an der Schule gesorgt hätte, heißt es weiter. Als Grund für die nun gefallene Entscheidung wird die Befürchtung geäußert, dass der Vater des Kindes mit seiner rechtsnationalen Gesinnung Einfluss auf Schule und Schüler nehmen könnte.

"Keine angemessene Förderung möglich"

"Angesichts des Konflikts sieht die Schule keine Möglichkeit, das Kind mit der nötigen Unvoreingenommenheit und Unbefangenheit aufzunehmen", zitiert die Zeitung den Geschäftsführer des Trägers. Beides seien jedoch "Grundvoraussetzungen, um die Entwicklung des Kindes angemessen zu fördern".

Bildungssenatorin Sandra Scheeres von der SPD sieht das "äußerst kritisch", sie hat die Privatschulaufsicht eingeschaltet. Dort gab es zwei unterschiedliche rechtliche Bewertungen. Einerseits legt Paragraf 100 des Schulgesetzes fest, dass die Aufnahme von Schülern an Privatschulen nach den Regelungen erfolgen sollte, die auch an staatlichen Schulen gelten. Andererseits hätten Privatschulen durchaus ein bestimmtes Recht, sich die Schüler aufgrund ihres Schulprofils auszusuchen. Womöglich verstoße die Entscheidung aber auch gegen das Antidiskriminierungsgesetz, hieß es weiter.

110 Absagen insgesamt

Auch Detlef Hardorp, bildungspolitischer Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg, hat die Entscheidung des Gremiums kritisiert. "Menschen aller politischen Einstellungen sollten ihre Kinder auf Waldorfschulen schicken können", sagte er. In der Stuttgarter Erklärung gegen Diskriminierung hätten die Waldorfschulen im Jahr 2007 ausdrücklich festgestellt, dass sie alle Menschen als frei und gleich an Würde und Rechten ansehen, "unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, nationaler oder sozialer Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung".

Allerdings ist das Kind des AfD-Politikers nicht das einzige, das abgelehnt wurde. Insgesamt gab es 140 Anmeldungen, aber nur 30 verfügbare Plätze, so dass 110 Kinder nicht zugelassen wurden.

Quelle: n-tv.de, nan

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