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Wachstum seit 1970 halbiert Weltbevölkerung nimmt langsamer zu

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Seit 1970 ist das relative Bevölkerungswachstum rückläufig.

(Foto: picture alliance / imageBROKER)

Zwar wächst die Weltbevölkerung 2021 um etwa 82 Millionen Menschen. Insgesamt nimmt die Zahl in den letzten Jahrzehnten aber immer langsamer zu. Grund dafür ist die im Schnitt niedrigere Fertilitätsrate. In Ländern mit vielen ungewollten Teenagerschwangerschaften bleibt das Wachstum aber hoch.

Zum Jahreswechsel werden auf der Erde 7.920.278.000 Menschen leben. Das teilten die Experten der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) in Hannover mit. Die Organisation analysiert regelmäßig die Entwicklung der Weltbevölkerung. In der Silvesternacht werden demnach etwa 82 Millionen Menschen mehr auf Erde leben als vor einem Jahr. Generell schwächte sich das sogenannte relative Wachstum der Weltbevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten aber stark ab.

Die DSW verwies auf Daten der UN, wonach die Weltbevölkerung derzeit jedes Jahr um etwa 1,09 Prozent zunimmt. Damit ist die jährliche Zuwachsrate nur noch etwas mehr als halb so hoch wie zwischen 1965 und 1970, als sie mit 2,05 Prozent ihren höchsten Stand erreichte. Seitdem ist das relative Wachstum rückläufig.

Grund ist nach Angaben der Stiftung, dass Frauen im Schnitt weniger Kinder bekommen. Die sogenannte Fertilitätsrate pro Frau liegt bei globaler Betrachtung inzwischen bei 2,3. Bei einem Wert von 2,1 würde die Weltbevölkerung demnach nicht weiter wachsen, weil sich Geburten und Todesfälle die Waage halten.

Mangel an Sexualaufklärung und Verhütungsmitteln

Der DSW zufolge bleibt das Bevölkerungswachstum aber vor allem in Ländern mit vielen Teenagerschwangerschaften weiterhin sehr hoch. In Afrika südlich der Sahara etwa bekämen Frauen heute im Laufe ihres Lebens im Schnitt 4,7 Kinder. Viele Frauen würden dort bereits sehr früh erstmals schwanger und bekämen insgesamt mehr Kinder, als sie sich wünschten, erklärten die Fachleute.

Gründe dafür lägen unter anderem in mangelnder Sexualaufklärung, patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen mit traditionellen Rollenverteilungen zwischen den Geschlechtern sowie fehlendem Zugang zu Verhütungsmitteln. "Eine Teenagerschwangerschaft ist von Mädchen selbst eigentlich nie gewollt, aber mit extrem hohen gesundheitlichen Risiken verbunden und hat dazu noch gravierende Auswirkungen auf ihr weiteres Leben", erklärte der Geschäftsführer der DSW, Jan Kreutzberg. Viele Jugendliche gerieten durch frühe Schwangerschaften in eine "Armutsspirale".

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Die Stiftung forderte einen verstärkten internationalen Kampf gegen ungewollte Teenagerschwangerschaften. "Ich appelliere an die Entwicklungsministerin, Sexualaufklärung, Verhütung und Geschlechtergerechtigkeit ganz oben auf die Agenda zu setzen", erklärte Kreutzberg.

Die DSW ist eine Organisation aus dem Bereich der Entwicklungshilfe, die sich nach eigenen Angaben auf die Themen Gesundheit, Familienplanung und Gleichberechtigung konzentriert. Sie veröffentlicht regelmäßig Daten und Berichte.

Quelle: ntv.de, mbu/AFP

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