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Millennials sind "schwuler" Wie homosexuell ist Europa?

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Tausende Menschen feiern jährlich beim Christopher Street Day in Berlin.

Reuters

Wie viele Schwule gibt es eigentlich? Bislang wurde die Zahl homo-, bi- und transsexueller Menschen lediglich geschätzt und mit einer ominösen Dunkelziffer abgerundet. Berliner Marktforscher wollten Klarheit schaffen.

Die Fragen sind echte Dauerbrenner: Wie viele Schwule gibt es eigentlich? Und wie viele Menschen sind lesbisch, bisexuell oder transgeschlechtlich? Seit vielen Jahrzehnten versuchen Statistiker diese Fragen zu beantworten. Doch Umfrageinstitute tun sich schwer damit.

Genaue Zahlen sind nicht verfügbar. In Deutschland haben es Homosexuelle vergleichsweise gut. Doch in vielen anderen Ländern erfahren sie gesellschaftliche Ächtung, wenn sie ihre Sexualität offen ausleben. Zudem ist Sexualität etwas sehr Privates, über das viele Menschen nicht sprechen wollen. Und die Selbstzuordnung als schwul, lesbisch, bi, trans oder intersex ist nicht immer einfach, manche Menschen fühlen sich von keiner dieser Kategorien richtig erfasst.

All das führt dazu, dass der LGBT-Anteil der Bevölkerung bisher meistens geschätzt und mit einer ominösen Dunkelziffer abgerundet wurde. Je nach Schätzung sollen weltweit zwischen fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung homosexuell sein - in Deutschland wären das also mindestens vier Millionen Menschen.

Das Berliner Marktforschungsinstitut Dalia wollte mit einer Studie Klarheit über den tatsächlichen LGBT-Anteil schaffen und hat jüngst die Ergebnisse der europaweiten Umfrage veröffentlicht.

In einer ersten Frage sollten die Teilnehmer angeben, ob sie sich selbst als "lesbisch, schwul, bisexuell oder transgeschlechtlich" bezeichnen würden. Im zweiten Schritt sollten die knapp 12.000 Befragten ihre aktuelle sexuelle Orientierung mit den Worten "ausschließlich heterosexuell", "hauptsächlich heterosexuell, manchmal homosexuell", "gleichermaßen heterosexuell und homosexuell", "hauptsächlich homosexuell, manchmal heterosexuell", "ausschließlich homosexuell", "asexuell", "keine Angabe" beschreiben.

Deutschland ist am schwulsten

Auch wenn die Statistiker von Dalia auf Lücken in ihrer Umfrage hinweisen, so lassen sich zumindest neun Länder der EU vergleichen. Zehn Prozent der Europäer aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Österreich, Polen, Ungarn und den Niederlanden bezeichnen sich als etwas anderes als "ausschließlich heterosexuell". Fast sechs Prozent der Teilnehmer beantworteten die Frage danach, ob sie sich als lesbisch, schwul, bisexuell oder transgeschlechtlich (LGBT) bezeichnen würden, mit Ja.

Mit 7,4 Prozent LGBT-Anteil ist Deutschland Spitzenreiter, gefolgt von Spanien (6,9 Prozent) und England (6,5 Prozent). In Ungarn ordneten sich mit nur 1,5 Prozent die wenigsten Menschen der LGBT-Community zu.

Frauen bezeichneten sich häufiger als lesbisch, bisexuell oder transgeschlechtlich, als es Männer taten. Insbesondere die Niederländerinnen zeigten sich sehr offen. Nur in Polen und Großbritannien gaben mehr männliche als weibliche Teilnehmer an, sich zur LGBT-Kategorie gehörig zu fühlen.

Online größere Offenheit

Noch etwas anderes stellten die Berliner Marktforscher fest: Je jünger die Befragten, umso häufiger gaben sie an, nicht ausschließlich heterosexuell zu sein. Die LGBT-Millennials liegen in Spanien mit 14 Prozent auf Platz eins, gefolgt von Großbritannien mit mehr als 12 Prozent. In Deutschland sehen sich mehr als 11 Prozent der 14- bis 29-Jährigen als lesbisch, schwul, bisexuell oder transgeschlechtlich.

Befragt wurde ausschließlich online. Aus Sicht der Marktforscher hat das den Vorteil, dass die Leute ehrlicher auf persönliche Fragen antworten, als wenn ihnen ein Interviewer gegenübersitzt. Dennoch seien die Daten weit davon entfernt, ein definitives Bild zu zeigen. Trotz anonymer Befragung bleibe die sexuelle Identität ein sehr persönliches Thema.

Quelle: n-tv.de, dsi

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