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DRK sucht Weltkriegsvermisste Wie und wo starb Heinrich Evers?

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Heinrich Evers mit seiner Tochter Marita wahrscheinlich 1940.

(Foto: von privat / DRK)

Jedes Jahr bekommt das Deutsche Rote Kreuz Tausende Anfragen zum Schicksal von Menschen, die seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst sind. In etwa einem Viertel der Fälle lassen sich noch Antworten finden, so wie bei Heinrich Evers.

Auch mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden noch Vermisste aus Kriegstagen gesucht. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes gingen allein im ersten Halbjahr dieses Jahres 4778 Anfragen beim DRK-Suchdienst ein. DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt sagte bei der Vorstellung der Bilanz zum Internationalen Tag der Vermissten am 30. August: "Das Interesse in vielen deutschen Familien am Schicksal ihrer vermissten Angehörigen ist immer noch unglaublich groß."

"Viele aus der älteren Generation wollen am Ende ihres Lebens Klarheit darüber haben, was mit ihrem Vater oder den Geschwistern damals wirklich passiert ist", sagte Hasselfeld. "Aber auch die jüngere Generation zeigt großes Interesse an dem Thema." Für Jugendliche geht es dann bereits um das Schicksal ihrer Urgroßeltern. Exemplarisch ist nach DRK-Angaben der aktuelle Fall der 16-jährigen Schülerin Lara Rading aus Dresden, die das Schicksal ihres im Juni 1944 an der Ostfront vermissten Ur-Großvaters Heinrich Evers klären konnte.

Radings Großmutter hatte ein Armband, an dem alle Familienmitglieder verewigt sind. Auf dem Anhänger ihres Vaters stand: "Vermisst im Osten 1944". Die Schülerin des Dresdner Kreuzgymnasiums trieb die Frage um, ob man wirklich nie wieder etwas vom Urgroßvater gehört hat. Später habe sie eine Fernsehdokumentation über den Zweiten Weltkrieg gesehen und gespürt, dass das für ihre Großmutter noch immer sehr schmerzhaft ist. Anfang 2019 wählte sie dann die Suche nach Heinrich Evers zum Thema einer schulischen Arbeit. Frühere Anfragen der Familie an das DRK hatten lediglich ergeben, dass Evers im Juni 1944 an der Ostfront in sowjetische Gefangenschaft geriet und vermutlich kurz darauf starb.

"Dystrophie 3. Grades"

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Die Sucharbeit des DRK ist mühsam, unzählige Schicksale verbergen sich auf diesen Karteikarten.

(Foto: dpa)

Doch neue Nachforschungen bringen nun auch neue Informationen. Aus Unterlagen aus dem Russischen Staatlichen Militärarchiv (RGWA) geht hervor, "dass Heinrich Evers im Juni 1944 im Gebiet Witebsk, Weißrussland, in sowjetische Gefangenschaft geriet, und am 15.01.1945 im Lager Nr. 112 registriert wurde". Das DRK kann auch lokalisieren, wohin Evers gebracht wurde. "Unserer Kenntnis nach befand sich das Lager Nr. 112 mit Standort der Hauptverwaltung damals in Berditschew, Gebiet Shitomir, Ukraine." Heinrich Evers starb diesen Akten zufolge am 24.03.1945 an "Dystrophie 3. Grades", er verhungerte. Er wurde auf dem Lagerfriedhof in Berditschew bestattet."

Laras Großmutter, Marita Landwehr, geborene Evers, war bei Kriegsende 1945 fünf Jahre alt und kann sich an ihren Vater nicht erinnern. Drei Mal war er zu Hause im niedersächsischen Dissen "auf Fronturlaub". Bei einer dieser Gelegenheiten entstand ein Foto, das Landwehr als Kleinkind auf dem Arm ihres Vaters zeigt. Der Anhänger am Armband ihrer Großmutter soll neu graviert werden. Statt "vermisst im Osten 1944" wird dann dort zu lesen sein: "gestorben am 24.3.1945".

Bis Ende Dezember rechnet DRK-Präsidentin Hasselfeld mit insgesamt rund 9000 neuen Anfragen. 2018 hatte es beim DRK insgesamt 8939 Fragen nach Schicksalen im Zweiten Weltkrieg gegeben. In rund einem Viertel aller Fälle konnte der Suchdienst helfen und zum Beispiel Todestag und Todesort ermitteln.

Quelle: n-tv.de

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