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Virus-Gefahr auf Schiffen Wie wehren Kreuzfahrtanbieter Corona ab?

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Die "Mein Schiff 3" liegt derzeit in Cuxhaven.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zu Beginn der Corona-Pandemie machten viele Kreuzfahrtschiffe in Asien mit Infektionsfällen Schlagzeilen. Und das zu einer Zeit, in der Kreuzfahrten eigentlich boomen. Ist das nun vorbei? Und was tun Reedereien, um sich gegen das Virus zu schützen?

Eine Virus-Infektionswelle auf einem Kreuzfahrtschiff ist für viele Reedereien und Passagiere der Worst Case - und er wurde in der Corona-Pandemie wahr. Vor allem in Asien kam es zu zahlreichen Fällen auf den großen Schiffen, sodass Tausende Passagiere unter Quarantäne standen und getestet werden mussten. Manche Schiffe unternahmen tagelange Irrfahrten, weil ihnen die Häfen immer wieder aus Angst vor dem Virus das Anlegen verweigerten. Die gesamte Kreuzfahrtbranche muss nun auf die Pandemie reagieren. Derzeit müssen die Schiffe vor Anker gehen, weil sie aufgrund der internationalen Reisewarnung keine Fahrten anbieten dürfen.

Denn Menschen, die sonst regelmäßig mit Kreuzfahrtschiffen reisen, sind nun verunsichert. Die Reedereien kämpfen darum, die Passagiere so bald wie möglich wieder an Bord zu bringen. Doch wie wollen Reedereien wie Aida und Tui Cruises das Vertrauen der Gäste gewinnen? Fest steht, dass es nicht ausreicht, noch mehr Desinfektionsspender aufzustellen. Denn es ist sowieso schon üblich, solche Spender an Bord zu platzieren. Neue Pläne müssen nun schnellstmöglich geschmiedet werden, damit Urlauber künftig überhaupt wieder Vertrauen fassen und einen Aufenthalt auf den Schiffen buchen.

Wie kann ein Virus an Bord verhindert werden?

Tui Cruises hat nach eigenen Angaben ein interdisziplinäres Expertengremium gegründet, um infektionspräventive Maßnahmen zu erarbeiten. Doch wie soll es künftig an Bord zugehen, wie soll Social Distancing und der Schutz der Massen an Bord klappen? "Das Passagier-Platz-Verhältnis ist an Bord der 'Mein Schiff'-Flotte sehr großzügig. Trotzdem werden wir, ähnlich wie Hotels an Land, nicht mit voller Auslastung starten. Aufgrund der aktuellen Einreisebeschränkungen scheint außerdem ein Start ab deutschen Häfen mit Seetagen möglich - vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Behörden", erklärt Tui Cruises auf Anfrage von ntv.de. "Darüber hinaus erarbeiten wir aktuell Anpassungen für Check-In-Prozesse sowie den Gästebetrieb an Bord, unter anderem für den Hotelbereich sowie das sonstige Programm an Bord", berichtet die Reederei weiter.

Auch Aida plant für einen möglichen Neustart und arbeitet an Anti-Corona-Maßnahmen: "Derzeit werden detaillierte Pläne erarbeitet, die wir gern zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen werden. Dabei richten wir uns nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der US-amerikanischen Zentren für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC), um entsprechende Vorsorge-, Präventions- und Kontrollmaßnahmen für unsere Schiffe umzusetzen", erklärt Hansjörg Kunze von Aida ntv.de.

Eine der wichtigsten Aufgaben sei es, dann alle ergriffenen Maßnahmen auch sehr genau den Gästen zu kommunizieren. Wie die Reiseplanungen genau ablaufen könnten, dazu hält sich das Unternehmen allerdings bedeckt: "Natürlich beobachten auch wir das aktuelle Geschehen rund um die Beschlüsse und Maßnahmen der Regierungen. Aida Cruises erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und beurteilt diese in Bezug auf die Reiseplanung. Es handelt sich weltweit um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation."

Alle Kreuzfahrtunternehmen sind direkt vom eingeschränkten Reiseverkehr betroffen. Tui Cruises lässt seine Schiffe derzeit vor Teneriffa, Cuxhaven, Bremerhaven, in der Deutschen Bucht und im östlichen Mittelmeer ankern, weil sie aufgrund der aktuellen Reisewarnungen nicht weiter fahren können. Und das Unternehmen ist sogar noch unmittelbarer betroffen: Auf der "Mein Schiff 3" wurden insgesamt neun Crewmitglieder positiv auf das Coronavirus getestet, alle Betroffenen sind an Land gebracht worden. Wann die Schiffe überhaupt wieder losfahren und Gäste aufnehmen können, ist derzeit unklar.

Wann können Fahrten wieder aufgenommen werden?

"Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Betriebs sind die Aufhebung der Reisewarnung des Auswärtigen Amts, verfügbare Häfen sowie die Lockerung der Einreisebestimmungen in den Fahrtgebieten", erklärt Tui Cruises ntv.de. Aida plant ebenfalls den Neustart, wie das Unternehmen gegenüber ntv.de berichtet: "Wir bereiten uns aktuell mit unseren Schiffen, unserer Crew und den Kollegen in der Landorganisation darauf vor, wieder zu starten."

Ist dies das Ende eines Kreuzfahrt-Booms?

Jahrelang boomte das Geschäft mit der Kreuzfahrt. Besonders die deutschen Reisenden buchten immer wieder Schiffsreisen und verhalfen der Branche zu immer höheren Rekordwerten. Inwiefern die Corona-Pandemie diesen Boom abschwächen könnte, ist derzeit noch ungewiss. Der Branchenverband Clia bleibt aber optimistisch: "Wir sind zuversichtlich, dass Kreuzfahrten auch in Zukunft eine hohe Anziehungskraft ausüben werden. Wir als Branche gehen konkret auf etwaige Sorgen und Fragen von Passagieren und Crew ein und werden sie umfassend über die zahlreichen zu ihrem Schutz getroffenen Maßnahmen aufklären", erklären die Vertreter ntv.de. Außerdem weist der Verband darauf hin, dass die Reedereien schon vor der Krise Infektionsschutz betrieben hätten: "Passagiere wurden zu möglichen Kontakten zu Risikogebieten unmittelbar vor der Kreuzfahrt befragt, bei Bedarf zusätzlich medizinische Begutachtungen durchgeführt und Personen bei Verdachtsdiagnosen nötigenfalls der Zutritt zum Schiff verwehrt. Dasselbe gilt für Crewmitglieder. Diese Maßnahmen werden nun noch weiter optimiert", berichtet Clia.

Sobald Kreuzfahrten wieder erlaubt sind, wird sich zeigen, wie loyal die bisherigen Kreuzfahrt-Stammurlauber wirklich sind. Werden sie wiederkommen oder wird sich die Virus-Angst in niedrigen Buchungsquoten niederschlagen? Die Reedereien hoffen, dass die Urlauber dabei bleiben. Doch die Boomjahre der Branche könnten nun - zwangsläufig - zu Ende gehen.

Quelle: ntv.de