Politik
Bislang hat Höcke in der AfD viele Unterstützer.
Bislang hat Höcke in der AfD viele Unterstützer.(Foto: dpa)
Mittwoch, 12. April 2017

"Zweifel nicht mehr möglich": AfD-Spitze: Höcke lobte als "Ladig" NPD

Zahlreiche Indizien sprechen dafür, dass der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke unter einem Pseudonym Neonazi-Artikel verfasst hat. Einen endgültigen Beweis gibt es nicht, doch die AfD-Spitze ist sich offenbar sicher: Höcke ist "Landolf Ladig".

Der Verdacht ist nicht neu: Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke habe unter dem Pseudonym "Landolf Ladig" für Zeitschriften der NPD geschrieben, so der Soziologe Andreas Kemper schon 2015. Bislang gibt es zwar zahlreiche Indizien, die den Verdacht untermauern, aber keine handfesten Beweise - und schon gar kein Bekenntnis.

Umso bemerkenswerter ist es, dass der Bundesvorstand der AfD unter Parteichefin Frauke Petry den Verdacht zur Gewissheit erklärt. Der "Tagesspiegel" berichtet, in dem Parteiausschlussantrag gegen Höcke heiße es, dieser habe "unter dem Namen 'Landolf Ladig' in den NPD-Veröffentlichungen 'Volk in Bewegung' und 'Eichsfeld-Stimme' Artikel verfasst".

Dass Petry diesen Machtkampf gewinnt, ist keineswegs sicher.
Dass Petry diesen Machtkampf gewinnt, ist keineswegs sicher.(Foto: imago/Rupert Oberhäuser)

In seinem Blog weist Kemper darauf hin, dass "Ladig" in seinen Artikeln nicht einfach nur dazu aufgerufen habe, die NPD zu wählen, sondern auch die NS-Ideologie verherrlicht habe. So schrieb "Ladig", beide Weltkriege - von denen der zweite nach Auffassung aller seriösen Historiker ohne jeden Zweifel vom damaligen Deutschen Reich begonnen wurde - seien von den "etablierten Machtzentren" aus wirtschaftlichen Gründen gegen Deutschland geführt worden. "Der zweite Krieg war allerdings nicht nur ökonomisch motiviert, sondern darf auch als ideologischer Präventivkrieg angesprochen werden, hatte sich im nationalsozialistischen Deutschland doch eine erste Antiglobalisierungsbewegung staatlich etabliert, die, wären ihr mehr Friedensjahre zur Erprobung vergönnt gewesen, wahrscheinlich allerorten Nachahmer gefunden hätte."

Machtkampf ist auch für Petry riskant

Der Vorwurf ist nicht nur für Höcke riskant, sondern auch für AfD-Chefin Frauke Petry: An dem völkischen AfD-Rechtsaußen scheiterte bereits Parteigründer Bernd Lucke. Er hatte 2015 von Höcke gefordert, eine eidesstattliche Erklärung zu unterzeichnen, dass er nicht "Ladig" sei. Höcke lehnte dies ab. Den Machtkampf mit Lucke gewann er dennoch - im Sommer 2015 verließen Lucke und der gemäßigte Flügel die AfD.

Als Beleg für ihre Gewissheit verweist die vom Bundesvorstand beauftragte Kanzlei laut "Tagesspiegel" auf die Arbeit von Andreas Kemper. Anhand der Indizien, so schreibt sie der Zeitung zufolge, seien "vernünftige Zweifel daran, dass der Antragsgegner (also Höcke) unter der Bezeichnung 'Landolf Ladig' veröffentlicht hat, nicht mehr möglich".  Empfohlen werden sogar zwei Videos des Soziologen (und zwar dieses und dieses). Darin führt Kemper unter anderem aus, dass Höcke und "Ladig" gegenseitig voneinander abgeschrieben haben, gemeinsame Bekannte haben und "Ladig" in einem Text das Wohnhaus von Höcke beschrieben habe.

Zu den inhaltlichen Auffälligkeiten gehören Begriffe, die beide verwendet haben, die aber sonst niemand zu benutzen scheint - etwa der Begriff "aufpotenzierte Krisendynamik". Zudem ist "Ladig" seit 2013 von der Bildfläche verschwunden - in diesem Jahr tauchte Höcke als Politiker auf. (Eine Übersicht der von Andreas Kemper zusammengetragenen Indizien finden Sie hier.)

Kemper sieht den erhobenen Vorwurf als "letzten Joker" der Parteichefin Petry an. "Ich habe immer gesagt: Diese Karte werde sie dann spielen, wenn sie keine andere Möglichkeit mehr hat", sagte er dem "Tagesspiegel".

Der Bundesvorstand der AfD hatte sich im Februar für ein Parteiausschlussverfahren ausgesprochen. Ob es zum Ausschluss kommt, entscheidet allerdings das Thüringer Landesschiedsgericht und in zweiter Instanz das Bundesschiedsgericht der Partei. Dass sich dort Mehrheiten gegen Höcke finden, gilt als unwahrscheinlich.

Zuvor hatte bereits die "Bild am Sonntag" berichtet, dass die AfD-Spitze Höcke in ihrem Parteiausschlussverfahren mit Hitler vergleicht. Höcke habe "eine übergroße Nähe zum Nationalsozialismus" und diskreditiere die Gesamtpartei, zitierte die Zeitung aus dem Antrag. Formulierungen von Höcke fänden sich "auch wieder in Wahlkampfreden von Adolf Hitler im Jahr 1932". Dies sei kein Zufall; vielmehr sei Höcke der Meinung, dass bei Hitler "nicht alles schlecht war".

Nach Erscheinen dieses Artikels schrieb Kemper auf Twitter: "Liebe #AfD, könntet ihr bitte euer 60seitiges Papier zum PAV (Parteiausschlussverfahren) #Höcke auch anderen Medien zuspielen und nicht nur der BILD? Danke." Wie es scheint, wurde die Bitte gehört.

Quelle: n-tv.de