Politik

Ghani: "Ich war der Letzte" Afghanistans Ex-Präsident rechtfertigt seine Flucht

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Aschraf Ghani sieht sich immer noch als rechtmäßiger Präsident Afghanistans.

(Foto: dpa)

Als vor einem Jahr die Taliban in Afghanistan die Macht übernehmen, flieht der damalige Präsident Ghani ins Ausland. Dabei hatte er zuvor betont, für die Verteidigung seines Landes sogar sterben zu wollen. In einem Interview begründet er nun seine Flucht.

Ein Jahr nach der Rückkehr der militant-islamistischen Taliban an die Macht hat der ehemalige afghanische Präsident Aschraf Ghani seine Flucht aus dem Land verteidigt. "Ich bin gegangen, weil ich den Taliban und ihren Anhängern nicht das Vergnügen bereiten wollte, einen afghanischen Präsidenten erneut zu demütigen", sagte er dem US-Sender CNN in einem Interview.

Die Flucht Ghanis kam für viele überraschend. In einem Interview mit dem "Spiegel" hatte Ghani nur drei Monate zuvor verkündet: "Keine Macht der Welt wird mich jetzt überreden, in ein Flugzeug zu steigen und dieses Land zu verlassen, das ich liebe und bei dessen Verteidigung ich sterben werde." Doch es kam anders - nach dem raschen Vorrücken der Taliban floh Ghani am 15. August 2021 ins Ausland.

Dies habe er getan, weil es unmöglich geworden sei, das Land zu verteidigen, begründet der Ex-Präsident sein Verhalten. Die gesamte Schutztruppe des Präsidenten habe sich damals aufgelöst und Zivilkleidung angezogen. Auch der Verteidigungsminister sei geflüchtet, so Ghani. "Ich war der Letzte, der ging."

"Wir hatten 800 Dollar bei uns"

Auch ein Jahr nach seiner Flucht sieht sich Ghani immer noch als afghanischer Präsident, wie er in einem anderen Interview der "Bild"-Zeitung sagte: "Rechtlich gesehen vertrete ich immer noch die Islamische Republik Afghanistan. Die Regierung wurde am 15. August durch einen Staatsstreich gestürzt."

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Ghani dementierte gegenüber der "Bild"-Zeitung zudem Berichte, wonach er bei seiner Flucht aus Kabul Millionen US-Dollar mitgenommen habe. "Meine Frau ist mit zwei kleinen Handtaschen geflohen, wir hatten 800 Dollar bei uns. Bereits in den Wochen nach seiner Flucht hatte Ghani Vorwürfe zurückgewiesen, er habe Millionen Dollar an staatlichen Geldern mitgenommen. In Berichten war von 169 Millionen Dollar (rund 164 Millionen Euro) die Rede gewesen.

Ein im vergangenen Juni veröffentlichter Bericht des US-Sondergeneralinspekteurs für den Wiederaufbau Afghanistans kommt zu dem Schluss, dass eine solche Summe unwahrscheinlich sei. Zwar sei bei der Flucht Bargeld vom Präsidentenpalast in Hubschrauber verladen worden - es dürften aber nicht mehr als eine Million Dollar und vermutlich eher weniger, Richtung 500.000 Dollar gewesen sein, heißt es in dem Bericht.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP

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