Politik

Flucht aus Afghanistan Faeser verspricht Ortskräften Ausreise nach Deutschland

Afghanische Flüchtlinge kommen mit einem Flugzeug aus Islamabad auf dem Luftwaffenstützpunkt Torrejón de Ardoz an.

Afghanische Flüchtlinge kommen mit einem Flugzeug aus Islamabad auf dem Luftwaffenstützpunkt Torrejón de Ardoz an.

(Foto: Alejandro Martínez Vélez/EUROP)

Noch immer harren ehemalige Hilfskräfte der Bundeswehr in Afghanistan aus. Innenministerin Faeser verspricht den Zurückgebliebenen die Ausreise nach Deutschland. Der afghanische Ex-Präsident Ghani befürchtet derweil eine große Flüchtlingsbewegung aus seinem Land.

Zum Jahrestag der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser allen noch in Afghanistan befindlichen ehemaligen Ortskräften der Bundeswehr eine Möglichkeit zur Ausreise nach Deutschland versprochen. "Wir lassen sie nicht zurück", sagte Faeser der "Bild am Sonntag". Sie arbeite mit Außenministerin Annalena Baerbock an einem neuen "Bundesaufnahmeprogramm für afghanische Ortskräfte", mit klaren Kriterien. Das größte Problem sei, "besonders bedrohte Menschen aus Afghanistan rauszubekommen".

Inzwischen habe man 15.759 afghanische Ortskräfte und Familienangehörige nach Deutschland geholt. Faeser sagte der "Bild am Sonntag", Rückführungen nach Afghanistan werde es auf absehbare Zeit nicht geben. "Die Abschiebungen nach Afghanistan sind derzeit auf Eis gelegt", sagte Faeser. Das werde "angesichts der aktuellen Situation dort sicher auch so bleiben müssen".

Der frühere afghanische Präsident Aschraf Ghani erwartet unterdessen eine große Flüchtlingsbewegung aus seinem Land. "Millionen werden versuchen, aus Afghanistan zu flüchten", sagte Ghani der "Bild am Sonntag". Die meisten der Flüchtlinge würden demnach versuchen, nach Deutschland zu kommen.

Ghani äußerte sich überzeugt davon, dass die Mehrheit der Flüchtlinge Deutschland zum Ziel habe. Ob sie es bis nach Deutschland schaffen, hänge "auch von den Schleppern ab". Diese seien "Teil eines kriminellen Netzwerks". Die Möglichkeit, nach Deutschland zu kommen, sei "eine Frage der Erschwinglichkeit".

Die aus seiner Sicht wahrscheinliche massive Fluchtbewegung begründete Ghani damit, dass viele Menschen in Afghanistan "das Gefühl der Zugehörigkeit" und die Hoffnung verlören. Nach 44 Jahren ununterbrochener Gewalt hätten die Menschen in Afghanistan genug davon, "ein Schlachtfeld zu sein", sagte Ghani. Außerdem breche das Gesundheitssystem in seiner Heimat unter der Pandemie gerade zusammen.

Der laut der Zeitung im Exil in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebende Ghani sagte zudem, dass er sich weiterhin als rechtmäßiges Staatsoberhaupt Afghanistans betrachte - und es daher begrüßen würde, von der deutschen Bundesregierung empfangen zu werden. "Wenn sie an Lösungen interessiert sind, habe ich eine Menge Ideen", sagte Ghani.

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 14. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, jpe/AFP

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