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Widerstand aus den USA? Arktischer Rat endet erstmals ohne Erklärung

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Das Eis in der Arktis schmilzt, in Sachen Klimawandel haben die Anrainerstaaten dennoch unterschiedliche Meinungen.

(Foto: dpa)

In der Arktis schreitet die Erderwärmung doppelt so schnell voran wie im Rest der Welt. Doch eine gemeinsame Erklärung der Anrainerstaaten scheitert am Streit um den Klimawandel. Die USA nutzen den Arktis-Gipfel lieber, um China und Russland vor Einflussnahme in der strategisch wichtigen Region zu warnen.

Erstmals seit Beginn der Ministertreffen des Arktischen Rats 1996 hat sich das Gremium ohne eine gemeinsame Abschlusserklärung getrennt - offenbar wegen Widerstands der USA gegen die Erwähnung des Klimawandels. Die traditionelle gemeinsame Abschlusserklärung wurde durch eine deutlich kürzere und eher symbolische Erklärung der Minister ersetzt. Der Vorsitzende des Treffens, der finnische Außenminister Timo Soini, sagte, bekanntlich gebe es unterschiedliche Ansichten über die Klimafrage.

"Ich möchte niemandem die Schuld geben", sagte Soini bei einer Pressekonferenz diplomatisch. Aber es sei "klar", dass Klimaangelegenheiten je nach Sichtweise und Hauptstadt unterschiedlich bewertet würden. In einer weiteren Erklärung Soinis hieß es, dass eine "Mehrheit von uns den Klimawandel als eine fundamentale Herausforderung für die Arktis betrachtet". Dieselbe Mehrheit habe zudem das Arbeitsprogramm für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens begrüßt, aus dem sich die USA zurückziehen. Wie sich diese Mehrheit zusammensetzt, ließ Soini offen. Zuvor war bereits aus Delegationskreisen am Tagungsort in Rovaniemi verlautet, dass sich die USA als einzige weigerten, den Klimawandel in dem Abschlussdokument zu erwähnen.

Der Arktische Rat befasst sich unter anderem mit dem Umweltschutz am Nordpol und dem Klimaschutz. Dem Gremium gehören neben indigenen Völkern die acht Anrainerstaaten der Arktis an, darunter neben Finnland auch die USA und Russland. Die Ministertreffen finden alle zwei Jahre statt - bislang funktionierte die Zusammenarbeit reibungslos.

Vor allem Vertreter der indigenen Bevölkerungen in den betroffenen Regionen reagierten nun jedoch mit Sorge auf das Scheitern der Erklärung. "Unsere Kultur und unsere Lebensweise werden angegriffen. Die Tiere, die Vögel und Fische, von denen unser kulturelles Leben abhängig ist, stehen zunehmend unter Druck. Wir fürchten um unsere Ernährungssicherheit", sagte James Scotts, ein Vertreter der Inuit. Er forderte ein Umdenken angesichts des von Menschen gemachten Klimawandels. Wissenschaftlern zufolge schreitet die Erderwärmung in der Arktis doppelt so schnell voran wie im Rest der Welt.

Arktis wird strategisch immer wichtiger

US-Außenminister Mike Pompeo ließ die Bedrohung durch den Klimawandel dennoch weitgehend unerwähnt und verwies lediglich auf Statistiken, wonach die USA ihren CO2-Ausstoß im Energiesektor um 14 Prozent verringert hätten. Stattdessen nutzte Pompeo seine Ansprache, um China und Russland vor unbegründeten Ansprüchen und einseitigem Vorgehen in der Region nördlich des Polarkreises zu warnen. "Die Trump-Regierung sollte sich eher sorgen wegen der unmittelbaren Bedrohung, die sich die Amerikaner angesichts ihrer Tatenlosigkeit beim Klima ausgesetzt sehen, als wegen der chinesischen und russischen Ambitionen" in der Arktis, sagte Victoria Herrmann, Vorsitzende der US-Nichtregierungsorganisation Arktis-Institut.

China ist kein Anrainerstaat der Arktis und hat deshalb im Arktischen Rat nur Beobachterstatus. Peking versucht sich aber zum Ärger Washingtons als "Arktis-naher Staat" zu etablieren und Einfluss zu verschaffen. Die Vorwürfe Pompeos wies die chinesische Regierung zurück. "Wir stellen keinen geopolitischen Berechnungen an und streben nicht nach einer exklusiven Blockbildung", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Geng Shuang. Pompeos Äußerungen beruhten auf einer "Fehlinterpretation der Fakten, der weitergehende Motive zugrunde liegen". 

Die Arktis erlangt zunehmend strategische Bedeutung: Zum einen legt das schmelzende Polareis neue Routen für die Schifffahrt frei, zum anderen werden unter dem arktischen Eis Öl- und Gasreserven vermutet. Finnland hatte 2017 den Vorsitz des Arktisrats von den USA übernommen und gab ihn nun an Island weiter. Dessen Außenminister Gudlaugur Thór Thórdarson sagte, sein Land wolle auf der hervorragenden Arbeit Finnlands aufbauen. Die nachhaltige Entwicklung in der Region werde im Fokus des isländischen Vorsitzes stehen. Prioritäten seien die Meeresumwelt, das Klima, grüne Energien sowie die Völker, die in dem Gebiet lebten. Die Arktis müsse eine Region des Dialogs und der friedlichen Kooperation bleiben.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP/dpa

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