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Schwere Angriffe mit Bomben und Artillerie: Bei den Kämpfen in der Region Idlib kommen Berichten zufolge auch zahlreiche Anwohner ums Leben.
Schwere Angriffe mit Bomben und Artillerie: Bei den Kämpfen in der Region Idlib kommen Berichten zufolge auch zahlreiche Anwohner ums Leben.(Foto: imago/ZUMA Press)
Samstag, 11. August 2018

Letzte Bastion der Rebellen: Assads Truppen greifen Idlib an

Im Krieg in Syrien müssen sich die Gegner des Assad-Regimes auf eine weitere Offensive gefasst machen: Nach dem Fall von Daraa im Süden des Landes flammen in der Region Idlib im Nordwesten Syriens die Kämpfe neu auf. Die Zahl der Toten steigt.

Die syrische Regierung erhöht den militärischen Druck auf eine der letzten Hochburgen von Aufständischen in dem Bürgerkriegsland. Durch Luftangriffe und Beschuss in der Provinz Idlib unweit der türkischen Grenze sollen am Wochenende Aktivisten zufolge 53 Zivilisten getötet worden sein. 28 Kinder seien unter den Opfern der Angriffe, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

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Die Angriffe begannen demnach am Freitagabend. Inzwischen seien weitere Leichen gefunden worden und mehrere Menschen ihren Verletzungen erlegen, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, am Samstag. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Angaben von Helfern vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die Aktivisten berichteten von schwerem Artilleriefeuer, das im Süden Idlibs mindestens 50 Häuser zerstört hat. Allein bei Luftangriffen auf die Stadt Orum al-Kubra westlich von Aleppo seien 41 Zivilisten getötet worden, darunter 25 Kinder. Ob es sich um Angriffe der russischen oder der syrischen Streitkräfte handelte, konnte die Beobachtungsstelle nicht sagen. Die Bevölkerung vor Ort stellt sich auf anhaltende Kämpfe ein: Schulen in der Region wurden vorsorglich für drei Tage geschlossen.

2,5 Millionen Menschen umzingelt

Nach der Eroberung der meisten Rebellengebiete im Süden des Landes deuten die verstärkten militärischen Aktivitäten darauf hin, dass sich die syrische Armee auf eine großangelegte Offensive auf Idlib vorbereitet. Die Region im Nordwesten des Landes wird größtenteils vom radikal-islamischen Rebellenbündnis Haiat Tahrir al-Scham (HTS) kontrolliert, das von einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida geführt wird.

In der Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei leben rund 2,5 Millionen Menschen, darunter hunderttausende Flüchtlinge aus anderen Landesteilen. Zehntausende Rebellen wurden in den vergangenen drei Jahren im Zuge von Vereinbarungen mit der Regierung aus ehemaligen Rebellen-Hochburgen wie Aleppo oder Ost-Ghuta dorthin gebracht. Das von den Rebellen gehaltene Gebiet ist von drei Seiten umstellt. Im Norden befindet sich die Region Afrin, die zu Jahresbeginn Ziel einer türkischen Militäroffensive war.

"Zehntausende Terroristen"

Beobachter gehen davon aus, dass das Regime versuchen wird, das Rebellengebiet zu erobern. Vergangenen Monat hatte Syriens Präsident Baschar al-Assad erklärt, in Idlib befänden sich "Zehntausende Terroristen" - eine Formulierung, die sich im Sprachgebrauch des syrischen Militärs pauschal auf alle bewaffneten Regime-Gegner bezieht. Die Region habe für das syrische Militär Priorität, hieß es. In der Region Idlib unterhält auch das türkische Militär mehrere stark befestigte Beobachtungsposten. Beobachtern zufolge wurden diese Stellungen zuletzt weiter ausgebaut.

Militärische Hilfe erhält die syrische Armee vor allem durch das russische Militärkontingent in Syrien, das über Kampfhubschrauber und Jagdbomber verfügt. Die umkämpfte Region liegt weniger als 80 Kilometer vom wichtigsten russischen Militärstützpunkt in Syrien entfernt, der Luftwaffenbasis Hmeimim auf dem Gelände des einstigen internationalen Verkehrsflughafens "Märtyrer Basil al Assad" südöstlich von Latakia.

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Quelle: n-tv.de