Politik

"Es gab einen riesigen Knall" Augenzeugen schildern Attacke von Halle

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Ein Augenzeuge machte in dem angegriffenen Imbiss in Halle ein Foto von der Waffe, die der Angreifer dort offenbar ablegte.

(Foto: Privat)

Während die Polizei weiter nach dem oder den flüchtigen Angreifern der tödlichen Schießerei in Halle fahndet, werden immer mehr Details zu den Attacken bekannt. Anwohner filmen die Schüsse auf offener Straße, andere flüchten vor den Angreifern in Sicherheit.

Nach den tödlichen Schüssen in Halle (Saale) werden mehr und mehr Details zum Ablauf der Attacken bekannt. Ein Augenzeuge berichtet dem Mitteldeutschen Rundfunk, wie einer der Angreifer eine Frau in unmittelbarer Nähe des jüdischen Friedhofs erschoss. "Erstmal gab es einen riesigen Knall. Jemand hat versucht in den jüdischen Friedhof einzudringen und hat mehrfach auf die Tür eingeschossen", sagt er. "Dann kam die Frau zufällig von der Straßenbahnhaltestelle. Die hat er mit einem Maschinengewehr erschossen." Der Angreifer - der wie ein schwer bewaffneter Polizist in Kampfausrüstung gekleidet gewesen sei - habe danach noch mehrfach versucht, sich Zutritt zum Friedhof zu verschaffen, sei anschließend aber mit einem Auto geflüchtet.

Zudem starb ein Mann bei einem Angriff auf einen einige hundert Meter entfernten Döner-Imbiss. Ein Augenzeuge berichtet gegenüber n-tv, wie er gerade auf sein Mittagessen in dem Imbiss wartete, als er auf der Straße einen maskierten und bewaffneten Mann auf den Laden zukommen sah. "Auf einmal warf er etwas, das aussah wie eine Granate", beschreibt der Mann die Situation. Diese sei aber am Türrahmen abgeprallt und vor dem Laden explodiert. "Dann hat er das Gewehr erhoben und mindestens einmal in den Laden geschossen." Während viele Gäste versucht hätten, über einen Hinterausgang in den Hinterhof zu gelangen, habe er sich auf der Toilette versteckt, bis die Polizei vor Ort war und den Tatort sicherte. Der Mann, der zum Zeitpunkt des Angriffs hinter ihm im Imbiss stand, sei erschossen worden.

"Er hat ruhig gewirkt, wie ein Profi"

"Der Täter hat ganz ruhig gewirkt, wie ein Profi", schildert ein Mitarbeiter des Dönerladens n-tv. Er bereitete gerade einen Döner zu und konnte sich hinter der Salattheke verstecken, als der Angreifer in den Imbiss kam. "Er hat nicht geschrien, nichts gesagt. Er hat einfach weitergeschossen", berichtet der Mann. Offenbar ließ der Täter eine der mutmaßlichen Tatwaffen im Imbiss zurück. Fotos eines Augenzeugen zeigen ein Gewehr auf dem Boden des Dönerladens.

Videos gibt es auch aus der angegriffenen Synagoge am Rande des Paulusviertels. "Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen", sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Der Täter habe zudem mehrere Molotowcocktails, Böller oder Granaten geworfen, um einzudringen, sagte er dem "Spiegel". "Aber die Tür blieb zu, Gott hat uns geschützt. Das Ganze dauerte vielleicht fünf bis zehn Minuten. Wegen des jüdischen Feiertags Jom Kippur war die Synagoge voll besetzt - etwa 70 bis 80 Personen hielten sich dort auf.

Ein weiteres Video zeigt einen mutmaßlichen Schützen, der sich hinter einem Auto verschanzt und mehrere Schüsse abfeuert. Auch auf Fotos von Anwohnern in der Nähe des Friedhofs und des Döner-Imbisses ist ein Angreifer mit militärischer Kleidung, Stahlhelm und Gewehren zu sehen. Neben den zwei Todesopfern gibt es auch zwei Verletzte. Das Universitätsklinikum Halle bestätigte, dass zwei Menschen mit Schusswunden eingeliefert wurden. Eine Person wird demnach derzeit operiert.

Quelle: n-tv.de, ftü

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