Politik

Kritik im britischen Parlament Bericht nennt Afghanistan-Abzug "Desaster und Verrat"

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In Erinnerung bleibt, dass der britische Premier Johnson Hunde und Katzen aus Afghanistan fliegen ließ. Doch das ist nur ein Kritikpunkt in einem Bericht des britischen Parlaments zum Abzug vom Hindukusch. Er wirft der Regierung "Mangel an Führung" und "Mangel an Verantwortung" vor.

Ein britischer Parlamentsbericht hat schwere Kritik am Abzug der NATO-Streitkräfte aus Afghanistan vergangenen Sommer geübt. Die Abgeordneten schrieben in dem Bericht: "Die Durchführung unseres Abzugs aus Afghanistan hat sich als Desaster und Verrat an unseren Verbündeten erwiesen, der die Interessen des Vereinigten Königreichs für die kommenden Jahre schädigen wird."

Nach der Entscheidung der USA zum Abzug ihrer Truppen hatten sich auch die Streitkräfte der übrigen Verbündeten - darunter auch die Bundeswehr - zur Evakuierung entschlossen. Allerdings überrumpelte der rasche Vormarsch der radikalislamischen Taliban die westlichen Mächte, die am Ende trotz einer dramatischen Luftbrücke aus Kabul Zehntausende Menschen, darunter etwa Ortskräfte, in dem Land zurückließen.

"Traurigerweise hat das viele Menschen die Chance gekostet, Afghanistan zu verlassen, und Leben in Gefahr gebracht", sagte der Ausschussvorsitzende Tom Tugendhat aus der konservativen Tory-Partei. Der Ausschuss forderte einen verantwortlichen Spitzenbeamten aus dem Außenministerium, Philip Barton, zum Rücktritt auf.

"Die britische Seite in dieser Tragödie offenbart einen Mangel an ernsthafter Koordination, einen Mangel an klaren Entscheidungen, einen Mangel an Führung und einen Mangel an Verantwortung", erklärte Tugendhat weiter. Er prangerte "schweres Systemversagen im Herzen der britischen Außenpolitik" an und griff damit seinen Parteifreund und damaligen Außenminister Dominic Raab direkt an.

Kritik an Evakuierung von Hunden und Katzen

Im vergangenen Jahr - kurz nach Abschluss der Evakuierungsmission - war bereits der damalige Außenminister Dominic Raab in die Kritik geraten, weil er seinen Urlaub während der entscheidenden Tage der Mission nicht abgebrochen hatte. Bei einer Kabinettsumbildung wurde Raab danach ins Justizministerium versetzt. Auch Premierminister Boris Johnson wird explizit in dem Ausschussbericht genannt: So sehen die Abgeordneten Anzeichen dafür, dass er bei der umstrittenen Evakuierung von Hunden und Katzen aus Kabul eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte. Der Ausschuss forderte eine Erklärung für die Vorgänge.

Die Regierung Johnsons habe zudem "bestenfalls absichtlich ausweichend und oft absichtlich irreführend" auf die Fragen des Parlamentsausschusses geantwortet. "Das Parlament kann die Regierung nur dann zur Verantwortung ziehen, wenn es darauf vertrauen kann, dass es ehrliche Antworten auf seine Fragen erhält", betonten die Abgeordneten.

Der Bericht forderte die Regierung auf, so schnell wie möglich wieder diplomatische Beziehungen zu den in Afghanistan herrschenden Taliban aufzunehmen. "Versuche, das neue Regime vollständig zu isolieren, schaden dem afghanischen Volk nur und können ein Vakuum hinterlassen, das von China gefüllt werden wird", hieß es zur Begründung.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP

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