Politik

"Shandong" in Dienst gestellt Chinas neuer Flugzeugträger ist klares Signal

Mit seinem neuen Flugzeugträger "Shandong" sendet China ein unmissverständliches Signal an seine Nachbarn und die USA. Die Ansprüche auf mindestens zwei Gebiete werden damit untermauert.

Bei einer Feier mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat die chinesische Marine ihren ersten selbstgebauten Flugzeugträger in Dienst gestellt. Die Zeremonie fand am Dienstag auf dem großen Marinestützpunkt Sanya auf der südchinesischen Insel Hainan statt - unweit der von China beanspruchten Seegebiete im Südchinesischen Meer. Zuvor war der Flugzeugträger schon durch die Meerenge von Taiwan gefahren, das China als Teil der Volksrepublik betrachtet. Beides wurde als Machtdemonstration gewertet.

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Der neue Flugzeugträger Chinas basiert auf der Admiral-Kusnezow-Klasse aus Sowjetzeiten.

(Foto: REUTERS)

Damit besitzt China zwei einsatzfähige Flugzeugträger. Der erste namens "Liaoning" ist ein modernisierter ehemaliger sowjetischer Flugzeugträger, den China aus der Ukraine gekauft, umgebaut und 2012 in Dienst gestellt hatte. Die Indienststellung des zweiten Flugzeugträgers war eigentlich im April 2019 erwartet worden, hatte sich laut Presseberichten aber wegen technischer Probleme verzögert. Er wurde ebenfalls nach einer chinesischen Provinz "Shandong" getauft und war im Mai 2018 erstmals in See gestochen.

Flugzeugträger haben große strategische Bedeutung und ermöglichen es einem Staat, fernab der Heimat militärisch zu operieren. Darauf stützt sich etwa die Übermacht der USA, die über elf solcher Kolosse verfügen und sie weltweit einsetzen können. Dass China nun einen weiteren Flugzeugträger in Dienst stellt, ist ein Signal an die Nachbarn. Peking zeigt ihnen, dass es zumindest in der Region bereit ist, seine Ansprüche militärisch zu untermauern. Das neue prestigeträchtige Schiff basiert auf der sowjetischen Admiral-Kusnezow-Klasse und kann bis zu 32 Flugzeuge und 12 Hubschrauber aufnehmen. Große US-Träger bieten dagegen bis zu 90 Flugzeugen Platz.

"Unsinkbare Flugzeugträger" im Südchinesischen Meer

"Peking hat Sanya (für die Indienststellung) ausgesucht, weil die Militärführung die geostrategische Bedeutung der Basis des zweiten Flugzeugträgers hervorheben wollte", sagte der Pekinger Marineexperte Li Jie der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post". Der Marinestützpunkt, wo auch chinesische Atom-U-Boote beheimatet sind, bietet leichten Zugang zum Südchinesischen Meer. In dem Seegebiet streitet China mit seinen Nachbarn um Inseln und Riffe und beansprucht große Seegebiete mit bedeutenden Fischgründen, Rohstoffvorkommen und Schifffahrtsstraßen.

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China hat im Südchinesischen Meer bereits einen "unsinkbaren Flugzeugträger" errichtet. Gemeint sind neuaufgeschüttete Landebahnen und Luftwaffenstützpunkte auf winzigen Inselgruppen namens Spratley und Paracel. China zählt diese zu seinem Territorium und verlangt von anderen Ländern, dies anzuerkennen. 2009 legte China bei den Vereinten Nationen eine Landkarte vor, die das Südchinesische Meer zeigte. Um das Gewässer herum war eine gestrichelte Linie eingezeichnet, die eine von Peking beanspruchte Einflusszone markierte. Diese "Neun-Striche-Line" sorgt seitdem für Streit.

Auch Taiwan Konfliktherd

Der internationale Schiedsgerichtshof in Den Haag wies die Gebietsansprüche 2016 zurück, nachdem die Philippinen geklagt hatten. China ignoriert das Urteil. Immer wieder kommt es im Südchinesischen Meer auch zu Zwischenfällen zwischen chinesischen und amerikanischen Marineschiffen. Die USA wollen nach eigenen Angaben mit Einsätzen nahe der umstrittenen Inseln demonstrativ für die Freiheit der Navigation auf den Meeren eintreten.

Auch Taiwan ist ein Konfliktherd, da China mit einer Eroberung der Insel droht. Die USA haben sich 1979 gesetzlich verpflichtet, die Verteidigungsfähigkeit Taiwans zu sichern und zu verhindern, dass die Zukunft Taiwans anders als mit friedlichen Mitteln bestimmt wird. Im Mai dieses Jahres etwa hatten zwei US-Kriegsschiffe die Meerenge zwischen Taiwan und dem Festland durchquert. Der Zerstörer "USS Preble" und der Flottenöltanker "USNS Walter S. Diehl" passierten das Seegebiet.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa