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Schweigegeld und Moskau-Affäre Cohen rechnet mit Trump ab

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Michael Cohen sagt im Repräsentantenhaus gegen US-Präsident Trump aus.

(Foto: www.imago-images.de)

Mehr als zehn Jahre lang hat Michael Cohen als Anwalt für Donald Trump gearbeitet - und weiß somit viel über die Vergangenheit des heutigen US-Präsidenten. Vor Kongressabgeordneten bekräftigt er seine Vorwürfe gegen seinen Ex-Chef.

Donald Trumps langjähriger Anwalt Michael Cohen hat dem US-Präsidenten in einer Anhörung vor dem Repräsentantenhaus Rechtsverstöße und Lügen vorgeworfen. Zu Beginn der Anhörung in Washington fällte Cohen ein vernichtendes Urteil über den Charakter des Präsidenten: "Er ist ein Rassist. Er ist ein Betrüger. Er ist ein Schwindler", sagte Cohen. "Ich schäme mich, dass ich dazu beigetragen habe, Herrn Trumps unerlaubte Handlungen zu verschleiern, statt auf mein eigenes Gewissen zu hören."

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Trump selbst weilt zurzeit in Hanoi zu Gesprächen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Bei Twitter wetterte er über seinen ehemaligen Anwalt: "Er lügt, um seine Zeit im Gefängnis zu verringern."

Cohen hat sich die dreijährige Gefängnisstrafe, die er im Mai antritt, allerdings großteils mit Delikten eingehandelt, die er im Dienste Trumps begangen hat. Seine vom New Yorker Gericht als illegale Wahlkampffinanzierung eingestufte Schweigegeldzahlung von 130.000 Dollar an Trumps angebliche frühere Sexpartnerin Stormy Daniels gehört ebenso dazu wie seine einstigen Lügen gegenüber dem Kongress über ein vom Trump-Konzern während des Wahlkampfs 2016 verfolgtes Hochhausprojekt in Moskau.

Kopie von Schweigegeldscheck

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Cohen, der mehr als ein Jahrzehnt für Trump gearbeitet hat, legte dem Ausschuss Dokumente vor, mit denen er seine Anschuldigungen gegen den Präsidenten nach eigenen Angaben "unwiderlegbar" beweisen könne. Darunter war die Kopie eines von Trump nach Amtsantritt unterzeichneten 35.000-Dollar-Schecks, der eine Teilerstattung für die Stormy-Daniels-Zahlung gewesen sei.

Daniels hatte vor der Wahl 2016 behauptet, eine Affäre mit Trump gehabt zu haben. Da dieses Geld kurz vor der Wahl geflossen war, geht es womöglich um strafbare Versuche, die Umstände der Zahlung im Nachhinein zu verschleiern.

Deutsche Bank getäuscht?

Cohen beschuldigte Trump darüber hinaus, gelegentlich sein persönliches Vermögen zu hoch angegeben zu haben. Dies treffe auch auf mehrere Finanzauskünfte zu, die Trump der Deutschen Bank gegeben habe, um eine Finanzierung zu erhalten.

Trump habe der Bank Auskünfte über sein Vermögen in den Jahren 2011, 2012 und 2013 gegeben, um ein Darlehen für den Kauf des American-Football-Teams Buffalo Bills zu bekommen. Trump kam mit seiner Offerte für die Profi-Mannschaft der National Football League (NFL) im Jahr 2014 nicht zum Zuge. Wie die Deutsche Bank auf seinen Finanzierungsantrag reagierte, ist unklar.

Vorabwissen von Wikileaks-Veröffentlichung?

Zudem beschuldigte Cohen seinen Ex-Mandanten Trump, vorab von der Veröffentlichung gehackter E-Mails der Demokraten durch Wikileaks im Wahlkampf 2016 gewusst zu haben. Trump habe gewusst, dass sein langjähriger Vertrauter Roger Stone mit Wikileaks-Gründer Julian Assange über die Veröffentlichung der E-Mails gesprochen habe, sagte Cohen. Er fügte hinzu, er sei bei einem Telefonat zwischen Trump und Stone anwesend gewesen, in dem Stone Trump darüber informiert habe, dass Wikileaks innerhalb weniger Tage E-Mails publik machen werde, die Hillary Clinton schaden werden.

Die veröffentlichten E-Mails rückten Clinton in ein schlechtes Licht und schadeten ihr tatsächlich. Trump selbst lobte Wikileaks im Wahlkampf, obwohl die Enthüllungsplattform für US-Sicherheitskreise als rotes Tuch gilt.

Keine Beweise für Russland-Zusammenarbeit

In der Anhörung gab Cohen unter anderem zu, in früheren Aussagen gegenüber dem Kongress über einen Trump Tower in Moskau gelogen zu haben. Trump verfolgte das Hochhausprojekt demnach deutlich länger als ursprünglich von Cohen angegeben - nämlich bis mindestens Juni 2016, als Trump bereits so gut wie sicher als republikanischer Präsidentschaftskandidat feststand.

Zugleich räumte Cohen ein, dass er keine Beweise für eine Zusammenarbeit von dessen Wahlkampfteam mit Russland habe. Er habe in dieser Frage aber "Verdächtigungen". Der Frage einer solchen Zusammenarbeit geht derzeit Sonderermittler Robert Mueller nach. Trump bestreitet die Vorwürfe vehement.

Mit Blick auf seinen Rassismus-Vorwurf sagte Cohen, Trump habe ihm etwa gesagt, dass Schwarze ihn nie wählen würden, weil sie "zu dumm" seien. Trump habe ihn außerdem gefragt, ob er ein Land kenne, das von einem Schwarzen regiert werde und das kein "Drecksloch" sei. Zu dem Zeitpunkt sei Barack Obama US-Präsident gewesen.

Abgeordnete von Trumps Republikanischer Partei hatten zu Beginn der Sitzung vergeblich versucht, mit Verweis auf Geschäftsordnungsfragen eine Verschiebung von Cohens Anhörung zu erwirken. Damit konnten sie sich aber nicht durchsetzen. Der demokratische Ausschussvorsitzende Elijah Cummings eröffnete die Anhörung mit den Worten: "Meine Damen und Herren, wir sind auf der Suche nach der Wahrheit."

Quelle: n-tv.de, cri/dpa/AFP/DJ

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