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Bertelsmann-Studie schlägt Alarm Den Grundschulen gehen die Lehrer aus

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Mindestens 26.300 Grundschullehrer werden in sechs Jahren fehlen, stellt die Studie fest.

(Foto: picture alliance/dpa)

Den Grundschulen in Deutschland fehlen Lehrkräfte. Der Lehrerverband warnt deswegen vor einem historischen Mangel. Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung blickt auf die kommenden zehn Jahre und stellt jetzt fest: Alles wird noch viel schlimmer als erwartet.

Schon heute mangelt es an deutschen Schulen an Lehrkräften. Besonders an Grundschulen ist das Problem enorm. Mindestens 26.300 Lehrer werden dort 2025 fehlen. "Die Zahl der Schülerinnen und Schüler wächst dynamischer als angenommen", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Eine neue Studie im Auftrag der Stiftung stellt Zahlen der Kultusministerkonferenz (KMK) vom Mai 2018 infrage.

Die KMK hatte den zusätzlichen Bedarf an Lehrkräften auf rund 15.300 geschätzt. Die Autoren der Bertelsmann-Studie, Klaus Klemm und Dirk Zorn, gehen hingegen von noch weiteren 11.000 fehlenden Lehrern aus. Die beiden Bildungsforscher basieren ihre Berechnungen auf Zahlen aus der aktuellen Vorausschätzung der Bevölkerung durch das Statistische Bundesamt vom Juni.

Demnach steigen die Schülerzahlen viel stärker als von der KMK erwartet. Die ging im vergangenen Jahr noch davon aus, dass die Zahl der Grundschüler 2025 bei 3,064 Millionen liegen werde. Tatsächlich dürften es aber rund 168.000 mehr sein, also 3,232 Millionen Grundschulkinder. Im Vergleich zu der Grundschülerzahl im Schuljahr 2017/18 ist das ein Anstieg um 5,7 Prozent. Auch mit Blick auf 2030 rechnet die Studie mit mehr Schülern im Primarbereich: Statt der geschätzten 3,019 Millionen werden es demnach 3,181 Millionen sein.

Fast 11.000 Lehrer fehlen bis 2030

Die KMK hatte für die Jahre 2026 bis 2030 prognostiziert, dass 6750 neue Grundschullehrer ihr Studium beenden werden. Jetzt zeigt sich: Das reicht bei Weitem nicht. Nach den aktuellen Berechnungen bräuchte es nämlich zusätzlich 10.600 Lehrkräfte - wohlgemerkt ohne dafür den geplanten Ausbau von Ganztagsangeboten zu berücksichtigen. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, warnte, diese bildungspolitischen Ambitionen nicht aus den Augen zu verlieren: "Auch der Ganztagsschulausbau wird weitere Lehrkräfte erfordern. Gerade sozial benachteiligte Kinder profitieren von guten Ganztagsschulen, in denen Lehrkräfte auch außerhalb des Pflichtunterrichts zum Einsatz kommen."

Daher spricht Dräger von einer "Herkulesaufgabe". Bis zusätzliche Studienplätze zu mehr Absolventen auf dem Arbeitsmarkt führten, vergehe zu viel Zeit. Dräger schlägt daher vor, mehr Quereinsteiger als Lehrer an Grundschulen zu holen. Auch müssten Grundschullehrkräfte ermuntert werden, länger als bis zum vorgesehenen Ruhestand zu unterrichten. Die Vereinbarkeit des Lehrerjobs mit der Familie sollte zudem etwa durch noch mehr Teilzeit-Stellen verbessert werden.

Autoren sehen "Weckruf"

Kritischer hatte sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, erst kürzlich zu dem Thema Quereinsteiger geäußert. Zwar könnten sie eine Bereicherung für die Schulen sein. Doch in manchen Bundesländern seien drei von vier Neueinstellungen im Grundschulbereich Quereinsteiger. Häufig seien sie nicht oder nur unzureichend nachqualifiziert. In der "Passauer Neuen Presse" hatte er von einem historischen Lehrermangel an Grund- und Förderschulen gesprochen - und vor den Folgen gewarnt: "Die Schülerleistungen werden sinken."

Die Studienautoren werten ihre Analyse als einen "Weckruf". Schließlich könnten die Schülerzahlen relativ sicher vorausgesagt werden. So seien die Kinder, die 2025 eingeschult werden, bereits geboren. Sie fordern, dass die Länder dem Beispiel des bayerischen Kultusministeriums folgen und regelmäßig, bestenfalls jährlich, aktualisieren, mit wie vielen Schülern zu rechnen sei, und wie viele Lehrer entsprechend gebraucht würden. Dräger erklärte, nur so könnte man solche Überraschungen vermeiden und mehr Zeit für politische Reaktionen gewinnen.

Quelle: n-tv.de

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