Politik

Seine nächste Mission Die Zerstörung der EU bleibt Farages Ziel

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Farage, der alte Zerstörer.

(Foto: dpa)

Sein eigentliches Lebenswerk hat er vollendet, am Freitag verlässt Großbritannien die EU. Doch nun beginnt für Nigel Farage ein neuer Kampf. Sein Ziel: Der Abriss der Europäischen Union.

Der Kampf für den Brexit war für Nigel Farage eine Lebensaufgabe. Diese Mission sieht der 55-Jährige mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU am kommenden Freitag als erfüllt an. Ruhe geben will der selbsterklärte Störenfried aber nicht. Er werde weiter an der Zerstörung der "anti-demokratischen" EU arbeiten, kündigte er an.

"Ich bin vollständig gegen die Europäische Union in ihrer jetzigen Form, ich will sehen, wie sie abgerissen wird", sagte der Politiker gut gelaunt bei seiner letzten Brüsseler Pressekonferenz als EU-Abgeordneter. Sein Ziel sei nun, "dass Europa die EU verlässt." Entsprechende Bestrebungen etwa in Dänemark, Polen und Italien werde er unterstützen.

Die rastlose Energie, mit der Farage Politik betrieb, rührt womöglich auch aus der Erkenntnis, dass das Leben jederzeit vorbei sein kann: Drei Mal entging er nur knapp dem Tod. Mit 20 Jahren wurde er beim Verlassen eines Pubs von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Wenige Monate später wurde bei ihm Hodenkrebs diagnostiziert. Vom Krebs geheilt, heiratete Farage eine Krankenschwester und wurde Vater zweier Söhne. Später ehelichte er eine Deutsche, Kirsten Mehr, mit der er zwei Töchter hat. 2010, am Tag der Unterhauswahl, stürzte sein Flugzeug ab, weil ein Werbebanner in den Propeller geraten war. Farage überlebte mit mehreren gebrochenen Rippen und einer perforierten Lunge.

Politisch habe sich in seinem Leben "absolut alles" um den Brexit gedreht, sagt er. Seit der Gründung der rechtspopulistischen United Kingdom Independence Party (Ukip) 1993 kämpfe er dafür. Gemäßigten Konservativen galt der starke Raucher und Trinker, der gern mit einem Bier in der Hand und einer Zigarette zwischen den Lippen seine Volkstümlichkeit demonstriert, stets als zu radikal und kontrovers. Sein Image und das britische Mehrheitswahlrecht verhinderten acht Mal seinen Einzug ins Londoner Unterhaus.

EU bietet ihm die erhoffte Bühne

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Ironischerweise war es die verhasste EU, die ihm zunächst die erhoffte Bühne bot. Das Verhältniswahlrecht der EU-Wahl ermöglichte Farage 1999 erstmals den Einzug ins Europaparlament. Bis zum Brexit blieb er ohne Unterbrechung EU-Parlamentsabgeordneter. Wie andere Rechtspopulisten auch sah er keinen Widerspruch darin, in Brüssel und Straßburg gut bezahlt gegen die EU-Institutionen zu hetzen.

2010 ergriff Farage die Ukip-Parteiführung und wurde bald zum Gesicht der Partei. Bei der Europawahl 2014 wurden die Nationalisten erstmals stärkste Kraft, was Farage die Ausrufung zum "Briten des Jahres 2014" durch die "Times" einbrachte.

Dass sein EU-Mandat ihm anfangs enorm half, seine Botschaft unters Volk zu bringen, bestreitet Farage nicht. "Aber dann wurde YouTube erfunden", sagt er freimütig. Das Aufkommen der sozialen Medien habe vieles verändert.

Brexit-Referendum war sein Sieg

Bei der Bekanntgabe des Ergebnisses des Brexit-Referendums von 2016 hatte Farage Freudentränen in den Augen. Es war sein Sieg. Parteipolitisch trat er anschließend zunächst kürzer, reiste in die USA, um dort Präsidentschaftskandidat Donald Trump in seinem Wahlkampf zu unterstützen.

Die feststeckenden Verhandlungen über ein Austrittsabkommen Großbritanniens mit der EU riefen ihn erneut in Europa auf den Plan. Der Brexit wurde mehrmals verschoben. Die Opposition in Westminster liebäugelte mit einem weiteren Referendum - eine Aussicht, vor der er sich gefürchtet habe, gestand Farage nun ein. Im Frühjahr 2019 gründete er die Brexit-Partei, die bei der EU-Wahl im Mai stärkste Kraft wurde.

Bei der Unterhauswahl im vergangenen Dezember unterstützte Farage offen den harten Brexit-Kurs von Premierminister Boris Johnson. Am liebsten hätte er zwar einen "klaren Schnitt", einen harten Brexit ohne Abkommen gehabt, sagt er. Aber Johnson sei auf dem richtigen Weg. Doch er kündigt auch an: "Wir werden die Regierung weiterhin überwachen."

Quelle: ntv.de, Peter Eßer, AFP