Politik

Tod von 22-jähriger Iranerin Eltern von Mahsa Amini verklagen Sittenpolizei

Seit elf Tagen halten die Proteste im Iran an: Auslöser ist der Tod der 22 Jahre alten Mahsa Amini.

Seit elf Tagen halten die Proteste im Iran an: Auslöser ist der Tod der 22 Jahre alten Mahsa Amini.

(Foto: picture alliance / abaca)

Weil sie ihr Kopftuch nicht nach den Regeln der islamischen Kleiderordnung getragen haben soll, wird eine 22-Jährige festgenommen. Drei Tage später ist sie tot. Der Anwalt der Familie fordert nun von den Behörden "alle Videos und Fotos", die auf der Polizeiwache gemacht worden, herauszugeben.

Nach dem Tod der Iranerin Mahsa Amini nach ihrer Festnahme wegen Verstoßes gegen die islamische Kleiderordnung haben die Eltern der 22-Jährigen eine Klage eingereicht. Aminis Eltern hätten eine "Klage gegen die Urheber der Festnahme ihrer Tochter" sowie gegen "die Polizisten, die nach ihrer Ankunft bei der Sittenpolizei mit ihr gesprochen haben", eingereicht, sagte Rechtsanwalt Saleh Nikbacht.

Die Staatsanwaltschaft und der Untersuchungsrichter seien aufgefordert worden, detailliert zu prüfen, was genau vom Moment der Festnahme bis zur Verlegung Aminis ins Krankenhaus passiert sei, erklärte der Anwalt. Nikbacht verlangte von den Behörden, "alle Videos und Fotos" zur Verfügung zu stellen, die während ihres des Aufenthalts auf der Polizeiwache gemacht wurden.

Der Leiter der Staatsanwaltschaft habe "versprochen, dass der Fall gründlich untersucht werde und alle unsere Anliegen berücksichtigt werden", sagte der Anwalt. Ein von Aminis Familie ernanntes medizinisches Team solle über den Verlauf der Ermittlungen informiert werden.

Whatsapp weiterhin gesperrt im Iran

Die junge Kurdin Mahsa Amini war am 13. September von der Sittenpolizei festgenommen worden, da sie ihr Kopftuch "unangemessen" trug. Sie brach nach ihrer Festnahme unter ungeklärten Umständen auf der Polizeiwache zusammen und wurde drei Tage später im Krankenhaus für tot erklärt. Seitdem gehen landesweit Menschen auf die Straße, um gegen ihren Tod zu protestieren. Um es ihnen zu erschweren sich zu versammeln sowie zu kommunizieren oder Videos und Bilder in den sozialen Medien zu teilen wurde im Land das Internet stark eingeschränkt. Zu den gesperrten Apps gehören auch Instagram und WhatsApp. Dies bleibe wegen der "Randale" weiterhin in Kraft, sagte Telekommunikationsminister Issa Sarepur. Er sei über die wirtschaftlichen Folgen der Internetlimitierungen für die Online-Dienstleistungen zwar informiert, "aber die Schuld liegt bei den Unruhestiftern", so der Minister laut Nachrichtenagentur Isna.

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Die Demonstranten sprechen von Polizeigewalt, die Behörden weisen dies entschieden zurück. Irans Präsident Ebrahim Raisi bezeichnete die Proteste unterdessen erneut als "Verschwörung" gegen sein Land. "Das sind Verschwörungen der Feinde gegen Irans Führung, weil sie sich von der Dominanz, dem Einfluss und Fortschritt des Systems bedroht fühlen", sagte der Präsident in einer Kabinettssitzung

Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 gelten im Iran strenge Kleidungsvorschriften. Insbesondere in den Metropolen sehen viele Frauen die Regeln inzwischen aber eher locker und tragen beispielsweise ihr Kopftuch nur auf dem Hinterkopf - zum Ärger erzkonservativer Politiker.

Quelle: ntv.de, ysc/AFP/dpa

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