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"Gräueltat" an Khashoggi Erdogan wirft USA Untätigkeit nach Mord vor

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Der saudische Journalist Jamal Khashoggi wurde in Istanbul ermordet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine internationale Untersuchung des Mordes am saudischen Dissidenten Khashoggi steht weiter aus. Der türkische Präsident Erdogan kritisiert die USA nun wegen ihrer Untätigkeit in dem Fall. Er beharrt auf einer vollständigen Aufklärung.

Drei Monate nach dem Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den USA Untätigkeit vorgeworfen. Er könne das "Stillschweigen" Amerikas angesichts dieser "Gräueltat" nicht verstehen, sagte Erdogan in einem Interview des Staatssenders TRT. Erdogan forderte erneut eine vollständige Aufklärung des Falls.

Zuvor hatte bereits Außenminister Mevlüt Cavusoglu die Vermutung geäußert, einige westliche Staaten versuchten, den Fall zu vertuschen. "Wir sehen, wie diejenigen, die von Pressefreiheit sprachen, nun zur Vertuschung greifen, nachdem sie Geld gesehen haben", hatte Anadolu den Minister vergangene Woche zitiert. Die türkische Regierung werde den Fall aber bis zum Ende verfolgen und habe Vorbereitungen für eine internationale Untersuchung getroffen, sagte Cavusoglu.

Ein saudisches Tötungskommando hatte den regierungskritischen Journalisten Khashoggi Anfang Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet. Der im US-Exil lebende Kolumnist der "Washington Post" wollte dort Dokumente für seine Hochzeit abholen. Die Regierung in Riad räumte die Tötung erst nach massivem internationalen Druck ein.

Bisher keine UN-Untersuchung

Die UN-Berichterstatterin Agnes Callamard war bis Sonntag eine Woche lang in der Türkei, um Informationen zu sammeln. Sie hat sich in diesem Rahmen auch mit der Verlobten des Opfers getroffen. Details wurden jedoch nicht bekannt. Callamard wird die Berichte über ihre Recherchen dem UN-Menschenrechtsrat vorlegen. Eine unabhängige Untersuchung zum Tod Khashoggis gibt es bisher nicht. UN-Generalsekretär António Guterres hatte Mitte Januar erklärt, kein Land habe bislang einen solchen Antrag gestellt.

Eine Reihe von Indizien rückte den saudischen Thronfolger Mohammed bin Salman in die Nähe der Tat. Medienberichten zufolge geht auch der US-Geheimdienst CIA davon aus, dass der Kronprinz als Drahtzieher hinter der Tötung steckt. Die saudische Regierung bestreitet das vehement.

US-Präsident Trump hatte auch wegen wirtschaftlicher Überlegungen Sanktionen gegen die saudische Führung gescheut. In Riad stehen seit Januar elf Verdächtige im Mordfall Khashoggi vor Gericht.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa/rts

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