Politik

Passt gut in Putins Erzählung Experten zweifeln an russischer Version des Dugina-Mordes

Keine zwei Tage nach dem Mord an Darja Dugina will der russische Geheimdienst bereits die Täterin ermittelt haben. Ihre Vita sowie ihr Fluchtziel passen perfekt in die Feindbild-Darstellung Russlands. Experten haben jedoch Zweifel an der offiziellen Version.

Westliche Experten zweifeln die Kreml-Version der Ermordung von Darja Dugina an. Die durch den russischen Inlandsgeheimdienst FSB vorgelegten Beweise halten bei genauer Betrachtung kaum Stand, passen dem Kreml aber gut in seine Argumentation.

So sagte etwa der Politikwissenschaftler Thomas Jäger im ntv-Interview, dass es nicht überraschend sei, dass bei der Untersuchung Ermittlungsergebnisse herauskämen, die dem russischen Präsidenten gefielen. Aus seiner Sicht musste schnell eine eigene Sichtweise des Kreml her, da zunächst eine "angebliche Partisanengruppe Russlands" den Anschlag für sich reklamiert hatte, die sich den Sturz Putins zum Ziel gemacht hat. Dies dürfe aus Sicht der russischen Führung jedoch nicht sein, sodass eine andere Erzählung der Geschehnisse nötig wurde, so Jäger.

So präsentiere Russland nun eine Verdächtige, die nach der Tat nach Estland geflohen sein soll. Das gäbe Putin die Möglichkeit für weitere Provokationen, wenngleich Estland die Anschuldigungen zurückgewiesen hat. Am auffälligsten sei, so Jäger, wie gut das Ermittlungsergebnis Präsident Putin in die Karten spiele.

Ganz ähnlich argumentiert auch der Politikwissenschaftler Gerhard Mangott im ZDF. Zunächst sei es erstaunlich, dass der FSB keine 48 Stunden nach dem Attentat bereits die Schuldigen präsentiere. Dann berichtete der russische Geheimdienst zwar von einem Bekennerschreiben einer bisher unbekannten Gruppen namens "Nationale Republikanische Armee". Deren Reklamation des Attentats wies der FSB jedoch zurück und präsentierte stattdessen seine eigenen Ergebnisse. Und die passen perfekt in die Argumentationsmuster des Kreml: Täterin war eine 43-jährige angebliche Ukrainerin, die sogar Mitglied des besonders verhassten Asow-Regiments sein soll, die von Estland nach Russland einreiste und nach dem Attentat wieder dorthin zurück floh.

Es wurden zahlreiche Fotos, Videos sowie ihr Ausweis präsentiert, um die Ergebnisse zu untermauern. Mangott sagte, dass das Arrangement perfekt passen würde, da so nicht nur eine ukrainische Agentin präsentiert würde, sondern zudem mit Estland auch noch ein Land in den Fokus gerät, das besonders scharf auf Sanktionen gegen Russland gedrängt hatte. Es komme nicht von ungefähr, dass Estland aus Moskau bereits offen gedroht werde.

"Hintergründe der FSB-Ermittlungen dubios"

Ntv-Korrespondent Rainer Munz erklärte, dass Russland den Vorwurf der Ukraine, es sei ein Terrorstaat, nun umdrehen könnte. Seiner Meinung nach befürchten Oppositionelle in Russland vor dem Hintergrund des Attentats, dass sie künftig noch härter verfolgt werden. Munz erklärt zudem, dass die Hintergründe der FSB-Ermittlungen dubios bleiben, es zwar Indizien, aber keine Beweise gäbe. So soll es zwar stimmen, dass die Verdächtige mit einem gefälschten Kennzeichen nach Russland einreiste, ansonsten bleiben nach dem Bericht des russischen Geheimdienstes jedoch mehr Fragen als Antworten. Etwa, woher sie die Materialien beziehungsweise den Sprengsatz hatte, wie die Bombe letztlich unter das Auto kam, warum die Kameras, die den Vorgang hätten filmen können, ausfielen.

Zudem verweist Munz auf Berichte, dass der Ex-Ehemann der Verdächtigen 2014 am Referendum prorussischer Separatisten in der Region Donezk beteiligt gewesen sein soll. Bemerkenswert sei auch, dass der FSB die Urheberschaft der Tat zwar schnell aufklären konnte, Alexander Dugin, den Vater der Ermordeten, dagegen nicht besser geschützt hat. Der Ultranationalist behauptet schon seit langem, von ukrainischen Nationalisten bedroht zu werden. Dennoch fiel seine Tochter einem Attentat zum Opfer. Dugin sollte ursprünglich im gleichen Auto wie seine Tochter fahren, entschied sich aber kurzfristig anders.

Quelle: ntv.de

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