Politik

Ukraine erwartet Kämpfe im Osten Grauenhafte Szenen in befreiten Kiewer Vororten

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Dieses Fahrzeug in Butscha sieht aus wie von schwerem Militärgerät überrollt. Die Insassen hatten keine Chance.

(Foto: REUTERS)

Nach der Zurückdrängung der russischen Truppen um Kiew kommen die ersten Berichterstatter in die befreiten Vororte. Ihnen bieten sich Bilder des Grauens. In Butscha etwa liegen zahlreiche tote Zivilisten auf der Straße. Mitunter erwecken die Szenen den Eindruck von Hinrichtungen.

Nach dem Rückzug der russischen Truppen aus dem Kiewer Vorort Butscha sind dort mindestens 20 Leichen entdeckt worden. Die Todesopfer, die zivile Kleidung trugen, wurden in einer einzigen Straße gefunden, wie ein AFP-Journalist berichtete. Einem der Männer waren die Hände gefesselt. Eine andere Leiche wies offenbar eine große Kopfwunde auf.

Die leblosen Körper der Männer lagen über mehrere hundert Meter verstreut auf einer Straße in einem Wohngebiet in dem nordwestlich der Hauptstadt gelegenen Vorort. Zwei Leichen lagen neben Fahrrädern, eine andere neben einem verlassenen Auto.

Die russischen Truppen hatten sich in den vergangenen Tagen aus mehreren Städten in der Nähe von Kiew zurückgezogen, nachdem ihr Versuch, die Hauptstadt einzukesseln, gescheitert war. Die Ukraine erklärte, Butscha sei "befreit" worden. Die Kleinstadt wurde durch die russischen Angriffe verwüstet. Wohnhäuser wurden durch Granatenbeschuss beschädigt, auf den Straßen waren zerstörte Autos zu sehen, wie AFP-Journalisten berichteten.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, verbreitete dazu ein Video seines früheren Amstkollegen in Österreich, Olexander Scherba. Es soll eine Fahrt durch einen Kiewer Vorort zeigen. Auf der Straße liegen mehrere tote Zivilisten vor ihren Häusern.

Angriffe auf Wohngebiete im Osten

Unterdessen teilte Kiew mit, dass das russische Militär seine Angriffe auf die östlich gelegenen Gebiete der Ukraine konzentriere. Es gebe Luftangriffe auf die Städte Mariupol, Charkiw und Tschernihiw, sagte der Präsidentenberater Olexij Arestowytsch im ukrainischen Fernsehen. Neben der Rüstungsindustrie seien auch Wohngebiete betroffen. Das ließ sich nicht unabhängig überprüfen. Russland bestreitet, zivile Ziele anzugreifen.

Der "Feind" versuche, Tschernihiw in ein zweites Mariupol zu verwandeln, meinte Arestowytsch. Die Hafenstadt Mariupol ist in den vergangenen Wochen schwer zerstört worden. Tschernihiw sei aber noch über den Landweg zu erreichen. "Die Einwohner können die Stadt verlassen." Der Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet weiterhin schwere Kämpfe in der Ostukraine.

Dagegen seien im Norden und Nordosten russische Soldaten in Richtung Staatsgrenze gedrängt worden, sagte Arestowytsch weiter. Ukrainische Truppen hätten rund um Kiew mehr als 30 Dörfer zurückerobert. Nach Gesprächen mit der Ukraine hatte Russland am Dienstag zugesagt, seine Kampfhandlungen bei Kiew und Tschernihiw deutlich zurückzufahren. Der Chef der Gebietsverwaltung von Sumy im Nordosten der Ukraine, Dmytro Schywyzkyj, schrieb auf Telegram, dass russische Soldaten Militärtechnik nach Russland transportierten. Westliche Beobachter und Geheimdienste hatten darauf verwiesen, dass Russland seine Truppen zwar abziehe, sie aber neu organisiere, ausrüste und dann in den Osten des Landes schicke. Moskau hatte unlängst davon gesprochen, sich vermehrt auf die "Befreiung" des Donbass konzentrieren zu wollen.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP/dpa

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