Politik

Grünen-Chef im "ntv Frühstart" Habeck: "Bin an der Seite der Kanzlerin"

Lockern oder streng bleiben? Der Grünen-Vorsitzende stellt sich hinter die öffnungsskeptische Kanzlerin und fordert mehr Schnelltests. "Die Testmöglichkeiten auszuweiten, das ist ja kein Voodoo."

Grünen-Chef Robert Habeck sieht Spielraum für Lockerungen im Moment allenfalls bei Schulen und Kitas, nicht aber im Einzelhandel. Er verstehe den Druck, den viele Ladenbesitzer machten, sagt Habeck im "Frühstart" von ntv. "Aber wenn wir uns entscheiden, etwas zu lockern, dann würde ich mit den Kindern anfangen. Das Ganze muss kombiniert werden mit massenweisen, günstigen, umsonst verfügbaren Tests." Die Testkapazitäten müssten so steigen, dass Lehrer und Schüler "zwei-, dreimal die Woche mindestens" getestet würden. "Dann kann man sicherlich auch weitere Öffnungsschritte machen."

Habeck warnte, darüber hinaus dürfe man wegen "einer oder zwei Wochen" Ungeduld keinen weiteren, wochenlangen Lockdown riskieren. Er stehe da eher an der Seite der Kanzlerin als an der vieler Ministerpräsidenten. "Wir sollten die einigermaßen stabile Situation, die wir haben, nicht verspielen, indem wir uns jetzt, weil wir zu ungeduldig werden, in diese dritte Welle reinkatapultieren."

Der Grünen-Vorsitzende sprach sich außerdem dafür aus, mit der Inzidenz von unter 70 nicht bereits wieder eine neue Zielzahl für Lockerungen zu definieren. "Wenn sich die Ministerpräsidentenkonferenz ernst nimmt, dann muss sie zumindest gut begründen, warum das, was vor vier Wochen galt, mit einmal nicht mehr gelten soll. Sonst verliert man das Vertrauen, dass die Beschlüsse von soliden Grundlagen gefällt werden."

"Tests sind ja kein Voodoo"

Habeck erneuerte seine Forderung nach mehr Schnelltests. Um die auch durchführen zu können, gebe es die Möglichkeit, die Testzentren auszuweiten. Medizinstudenten und Hilfskräfte könnten die zusätzlichen Tests übernehmen. Fehlendes Personal sei kein schlagendes Argument, es gebe Schulungen. "Die Testmöglichkeiten auszuweiten, das ist ja kein Voodoo."

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Natürlich gebe es bei den Schnelltests einen Unsicherheitsfaktor. Wenn die Virenlast nicht ausreichend sei, könne ein Test sie nicht entdecken. "Aber das halte ich für tolerabel. Das ist ein Risiko, das ich eingehen würde, wenn die Tests dann häufig durchgeführt werden." So ein Test reiche, um 24 oder 48 Stunden bestimmte Freiheiten zu bekommen. "Man kann nicht sagen: einmal die Woche getestet, 14 Tage lang kann ich damit rumlaufen."

Habeck sprach sich dagegen aus, den Impfstoff von Astrazeneca auch für Menschen über 65 Jahre freizugeben. Das hatte unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gefordert. "Ich würde immer bei Risikoclustern bleiben, sonst haben wir das totale Chaos." Astrazeneca sei aber ein sehr guter Impfstoff, der besser sei als sein Ruf. Es habe zu viele vorschnelle Warnungen gegeben. "Alle, die gesagt haben, das Zeug lasse ich mir nicht spritzen, die sollten sich schämen."

Quelle: ntv.de, psc