Politik

Getreideeinigung mit Russland Händler bezweifelt, dass Schiffe Ukraine anlaufen

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Der Hafen von Odessa steht neben den Häfen in Tschornomorsk und Juschnyj im Zentrum der Abmachung.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Die seit Wochen ersehnte Einigung zwischen Russland und der Ukraine zur Ausfuhr von Getreide ist da. Doch was wird sie bringen? Fachleute des Agrarhändlers Baywa gehen davon aus, dass die Situation schwierig bleibt.

Die Wiederaufnahme der Getreideexporte aus der Ukraine über das Schwarze Meer bleibt nach Einschätzung der Münchner Baywa auch nach einer Einigung mit Russland schwierig. Dauerhaft sinkende Weizenpreise erwarten die Fachleute des größten deutschen Agrarhändlers ohnehin nicht. "Wie stark und vor allem wie schnell eine mögliche Einigung die weltweite Versorgungslage verbessert, bleibt abzuwarten", erklärte das Unternehmen auf Anfrage. Die Baywa bezweifelt auch bei einer Vereinbarung, dass Reedereien ihre Handelsschiffe wieder fahren lassen.

Die Ukraine und Russland haben sich unter Vermittlung von UN-Generalsekretär António Guterres und des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf eine Vereinbarung zur Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus dem Kriegsland geeinigt. Das Schwarze Meer war bis zum russischen Angriff auf die Ukraine einer der wichtigesten Handelswege für Weizen auf der Welt, da beide Länder in Friedenszeiten große Getreideexporteure waren. Die Ukraine warf Russland vor, ihre Häfen zu blockieren. Russland stritt das ab.

Es brauche entsprechende Vorbereitungen, bis wieder die ersten Schiffe fahren könnten, hieß es bei der Baywa. "So müssen zum Beispiel die Regionen um die Beladehäfen entmint und ein Waffenstillstand vereinbart werden, die Schiffe samt Besatzung und Beladung benötigen entsprechenden Versicherungsschutz", erklärte eine Sprecherin. "Auch ist davon auszugehen, dass Reedereien trotz Vereinbarung keine ukrainischen Seehäfen anlaufen werden, um ihre Mitarbeiter zu schützen."

Niveau des Weizen-Preises "fundamental begründet"

Aktuell sei der Weizen-Preis in etwa so hoch wie vor dem Krieg - "was dafür spricht, dass das Niveau vor allem fundamental begründet ist", so die Baywa.

Großen Einfluss auf die Weizenversorgung in Westeuropa hat der Krieg nicht, da die EU selbst Getreide in großem Umfang exportiert. Ein beträchtlicher Teil der Exporte aus Russland und der Ukraine über das Schwarze Meer ging nach Afrika und in den Nahen Osten. Hungersnöte drohen nach Warnungen von Hilfsorganisationen in Somalia, Äthiopien und Kenia, da der Osten Afrikas gleichzeitig unter Dürre leidet.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

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