Politik

Gedenken zum Volksaufstand 1956 Hunderte Demonstranten pfeifen Orban aus

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Hunderte Demonstranten nutzten die Gelegenheit, gegen Orban zu demonstrieren.

(Foto: REUTERS)

Vor 60 Jahren proben die Ungarn den Aufstand gegen die Sowjets - und zahlen einen hohen Blutzoll. Die Gedenkfeier an die Revolution von damals nutzen viele Ungarn zum Protest gegen die Regierung Orban.

Proteste der liberalen Opposition haben in Ungarn den Festakt zum Gedenken an die ungarische Revolution von 1956 begleitet. Der rechts-konservative Ministerpräsident Viktor Orban hob während seiner Ansprache vor dem Budapester Parlament mehrfach die Stimme an, um die Pfiffe und Sprechchöre von mehreren hundert Gegendemonstranten zu übertönen.

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Verhöhnt seine Politik das Andenken an die Helden von damals? Orban sieht das naturgemäß anders.

(Foto: AP)

Kritiker werfen Orban den Abbau der Demokratie vor und damit auch die Verhöhnung des Andenkens an den anti-sowjetischen ungarischen Volksaufstand vor 60 Jahren. Zuletzt hatte man auch hinter der mysteriösen Schließung der oppositionellen Tageszeitung "Nepszabadsag" vor zwei Wochen Orbans Hand vermutet.

Am 23. Oktober 1956 hatte in Ungarn eine Revolte gegen die stalinistische Herrschaft begonnen. Sie wurde knapp zwei Wochen später von sowjetischen Truppen blutig niedergeschlagen. Ihre Anführer und Sympathisanten wurden anschließend hingerichtet, eingekerkert, aus ihren Jobs entlassen oder in die Emigration getrieben.

Zum Festakt vor dem Parlament erschienen am Sonntag mehrere tausend Anhänger der rechts-nationalen Regierung. Die mehrheitlich jugendlichen Gegendemonstranten sammelten sich an den Rändern des Parlamentsvorplatzes, riefen "Diktator! Diktator!" und bliesen in Trillerpfeifen. Pfiffe gab es auch für Orbans Ehrengast, den polnischen Präsidenten Andrzej Duda.

Rangeleien und Schläge

Stellenweise kam es zu Rangeleien zwischen Regierungsanhängern und Protestierenden. Ein Unbekannter schlug dem auch im deutschen Sprachraum bekannten Historiker Krisztian Ungvary ("Die Schlacht um Budapest 1944/45") mit der Faust ins Gesicht, sodass er blutete. Ungvary setzte sein Trillerpfeifenkonzert unbeirrt fort.

Zu dem Protest aufgerufen hatte der Vize-Vorsitzende der kleinen liberalen Partei Együtt (Gemeinsam), Peter Juhasz. Der Ordnerdienst ließ den Politiker nicht durch die äußere Absperrung des Parlamentsvorplatzes. Dass mehrere hundert Oppositionelle zumindest den äußeren Publikumssektor erreichten, konnten sie allerdings nicht verhindern.

Tatsächlich übertönten sie in ihrem Umfeld die Reden Orbans und Dudas. Auf der fast 100 Meter entfernt gelegenen Tribüne dürften sie jedoch weniger deutlich zu hören gewesen sein. Aber immerhin noch deutlich genug, dass ein enervierter Orban in seiner Rede immer lauter wurde, um sie zu übertönen. Auch seine Mimik verriet starken Ärger.

In seiner Ansprache verteidigte Orban seine harsche Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen. Er geißelte das Europa der EU dafür, dass es stets den bequemeren Weg gehe: "Statt eigener Kinder wählt es Migranten, statt Arbeit die Spekulation", sagte er.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa

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