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Über einen Kampfjet gestolpert? Inspekteur der Luftwaffe muss gehen

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Das teuereste Kampfjet-Programm aller Zeiten: Die Entwicklung und Anschaffung der F-35 "Lightning II" kostet den US-Steuerzahler mindestens 400 Milliarden Dollar.

© U.S. Air Force photo by Samuel King Jr. / Released

Stühlerücken bei der Bundeswehr: Verteidigungsministerin von der Leyen wechselt überraschend auch den Chef der deutschen Luftstreitkräfte aus. Generalleutnant Müllner stürzt dem Vernehmen nach über seine Aussagen zum US-Kampfjet F-35.

In der Debatte um Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu Beginn ihrer neuen Amtszeit einen größeren Personalumbau im Ministerium und bei der Bundeswehr eingeleitet. Neben der Ablösung der bisherigen Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder, die auf eigenen Wunsch aus dem Amt scheidet, müssen unter anderem auch der bisherige Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, und der langjährige Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, abtreten.

Der Austausch der beiden ranghöchsten Soldaten der Bundeswehr löst nicht nur innerhalb der Truppe größeres Aufsehen aus. Aufgrund verschiedener Rüstungspannen und anderer Mängel im Beschaffungswesen steht die Ministerin mittlerweile seit Jahren in der Kritik. Dass der 62-jährige Luftwaffen-Chef Müllner vorzeitig in den Ruhestand versetzt wird, könnte dem Vernehmen nach jedoch noch ganz andere Hintergründe haben.

"Aus militärischen Gesichtspunkten ..."

Müllner, der seit 2012 als Inspekteur der Luftwaffe die fliegenden Kräfte der Bundeswehr leitet, hatte sich erst kürzlich in der Diskussion um einen Nachfolger für den alternden Tornado-Kampfjets für die Anschaffung des Hightech-Flugzeugs F-35 "Lightning II" aus US-amerikanischer Produktion ausgesprochen. "Aus militärischen Gesichtspunkten brauchen wir eine geringe Radar-Signatur und die Fähigkeit, aus großer Distanz Ziele zu erkennen und zu bekämpfen", hatte Müllner im vergangenen November erklärt - ohne den Stealth-Flieger des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin beim Namen zu nennen.

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Eurofighter als Tornado-Nachfolger? Luftwaffen-Chef Karl Müllner (l.), hier bei einem gemeinsamen Termin mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Diese Fähigkeiten eines Kampfjets der fünften Generation seien für eine glaubhafte Abschreckung im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung unerlässlich. Nach Einschätzung von Rüstungsexperten ließ der Luftwaffen-Chef damit wenig Spielraum für etwaige Alternativen. Derzeit verfügt eigentlich nur die neuentwickelte F-35 über die genannten Fähigkeiten. Ein Großauftrag aus Deutschland wäre der US-Rüstungsindustrie hoch willkommen.

Ministerium bevorzugt Eurofighter

Im Bundesverteidigungsministerium gilt dagegen der Mehrzweckkampfflugzeug "Eurofighter" als aussichtsreichster Tornado-Nachfolger. Der Militärjet aus europäischer Produktion verfügt allerdings nicht über die von der Luftwaffe gewünschten Stealth-Eigenschaften.

Durch seine angedeutete Präferenz für den US-Jet soll sich Müllner in einer zentralen Rüstungsfrage öffentlich gegen die Linie der Ministerin gestellt haben, heißt es aus dem Umfeld des Ministeriums. "Die Luftwaffe erwägt, die Fähigkeiten der F-35 als Richtschnur für den Auswahlprozess des Tornado-Nachfolgers zu verwenden", ließ sich Müllner im vergangenen Herbst im Fachmagazin "Jane's Defence Weekly" zitieren. "Ich denke, ich habe mich klar ausgedrückt, welches Flugzeug der Favorit der Luftwaffe wäre."

In der Mitteilung des Ministeriums zu den personellen Veränderungen wird die Versetzung Müllners in den vorzeitigen Ruhestand nicht begründet. Die "Personalmaßnahmen", zu denen sich von der Leyen entschieden habe, umfassen jedoch eine ganze Reihe weiterer Wechsel. Ausgetauscht werden etwa auch der bisherige Abteilungsleiter für Strategie und Einsatz, Generalleutnant Dieter Warnecke, der Abteilungsleiter Planung, Generalleutnant Erhard Bühler, und der Chef des für Rüstungsprojekte maßgeblichen Beschaffungsamts BAAINBw in Koblenz, Harald Stein. Seinen Sessel übernimmt die bisherige Direktorin im Luftfahrtamt der Bundeswehr, Gabriele Korb. Der bisherige Personalchef Eberhard Zorn, wird zum 1. Mai Nachfolger von Generalinspekteur Volker Wieker und damit zum obersten Soldaten der Bundeswehr.

Quelle: n-tv.de

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