Politik

Staatsmedien: Wegen Ölschmuggels Iran setzt wieder "ausländischen" Tanker fest

122543889.jpg

Die iranischen Revolutionsgarden setzten bereits die britische "Stena Impero" fest. Nun melden Medien in Teheran die nächste Tanker-Beschlagnahmung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Noch streiten die Europäer über eine gemeinsame Schutzmission für Öltanker im Persischen Golf. Ein Hilfeersuchen der USA lehnte die Bundesregierung ab. Nun melden iranische Staatsmedien die nächste Festsetzung eines ausländischen Tankers. Das Schiff habe Öl "geschmuggelt".

Die iranischen Revolutionsgarden haben einem Medienbericht zufolge erneut einen ausländischen Öltanker im Persischen Golf festgesetzt. Das Schiff soll Treibstoff zu einigen arabischen Staaten geschmuggelt haben, berichtete das staatliche iranische Fernsehen. Ein Sprecher der Garden-Marine bestätigte der Nachrichtenagentur Fars, der Öltanker habe illegal 700.000 Liter Öl in Golfstaaten bringen wollen. Die Beschlagnahme sei bereits am Abend des 31. Juli in der Nähe der Hafenstadt Buschehr erfolgt. Das geladene Öl sei sichergestellt worden. Sieben ausländische Besatzungsmitglieder seien verhaftet worden. Unter welcher Flagge das Schiff fuhr und für welche Reederei, wurde nicht mitgeteilt. Auch die Nationalitäten der Besatzung und das Zielland des angeblichen Ölschmuggels blieben unklar.

Die iranische Eliteeinheit hatte bereits am 19. Juli die unter britischer Flagge fahrende "Stena Impero" nahe der Straße von Hormus gestoppt, weil sie in einen Unfall mit einem Fischerboot verwickelt gewesen sein soll. Seither wird der Öltanker vom Iran festgehalten. Allerdings hatte die Führung in Teheran auch mehrfach mit Vergeltung für die Festsetzung eines iranischen Tankers durch die britische Marine gedroht.

Diese hatte Anfang Juli die "Grace 1" vor Gibraltar aufgebracht. Der Tanker wird mit der Begründung festgehalten, er habe iranisches Öl nach Syrien transportieren wollen und damit gegen EU-Auflagen verstoßen.

Mitte Juli hatte es einen weiteren Vorfall gegeben, der dem jüngsten ähnelt. Die Revolutionsgarden setzten nach eigenen Angaben einen Ölschmuggel-Tanker fest und verhafteten die sieben Mann Besatzung. Ein iranisches Video dazu zeigte den Öltanker "Riah", dessen Signal zuvor plötzlich verschwunden war. Doch bis heute ist unklar, wem der mit 68 Metern Länge relativ kleine Öltanker gehört. Die "Riah" fuhr unter der Flagge Panamas. Die als Eigner auf Websites geführte Firma aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte erklärt, das Schiff weiterverkauft zu haben. Der neue Eigner der "Riah" ist bis heute unbekannt.

USA: Gespräche für Schutzmission laufen

Der neuerliche Vorfall trifft die internationale Gemeinschaft unvorbereitet. Noch streiten die Europäer über eine gemeinsame Schutzmission für Öltanker im Persischen Golf. Ein Hilfeersuchen der USA zum Aufbau einer Militärmission hatte die Bundesregierung abgelehnt. Der Vorstoß Londons für eine eigene europäische Schutzmission liegt nach dem Regierungswechsel in Großbritannien auf Eis.

Nach einem Treffen von Militärvertretern in Bahrain hatten die USA am Mittwoch vier Einsatzorte für die mögliche Seeschutzmission in der Golfregion genannt. Die "internationale Initiative zur maritimen Sicherheit" solle den Persischen Golf, die Straße von Hormus, den Golf von Oman sowie die Meerenge Bab al-Mandab schützen. Das sagte ein Sprecher der 5. Flotte der US-Marine. Ziel sei, diese Seegebiete aufmerksamer zu beobachten und dort die sichere Durchfahrt und Schifffahrtsfreiheit zu gewährleisten.

Weitere Ergebnisse des Treffens oder konkrete Zusagen wurden nicht bekannt. Von der 5. Flotte hieß es lediglich, militärische Vertreter von Verbündeten der USA sowie deren Partnerländern hätten sich zu Gesprächen auf einem US-Stützpunkt in Bahrain getroffen, um über maritime Sicherheit zu beraten.

Maas verweigert deutsche Beteiligung

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf und den Golf von Oman. Tanker transportieren durch diese Meerenge, die den Iran vom Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) trennt, etwa ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs. An der Meerenge Bab al-Mandab treffen die Arabische Halbinsel und das Horn von Afrika aufeinander, sie liegt zwischen dem Jemen und Dschibuti sowie Eritrea. Der Bab al-Mandab ist wie die Straße von Hormus ein wichtiges strategisches Nadelöhr für den internationalen Seehandel und den Öltransport aus dem Persischen Golf über das Arabische- und das Rote Meer ins Mittelmeer.

Vor allem Großbritannien hatte sich zuletzt für die von den USA geführte Mission zum Schutz von Handelsschiffen stark gemacht. Einer deutschen Beteiligung erteilte Bundesaußenminister Heiko Maas eine klare Absage. Zuvor hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in Brüssel gesagt, über die mögliche Beteiligung Deutschlands sei noch nicht entschieden, und dass derzeit Absprachen mit Frankreich und Großbritannien liefen. 

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/rts/dpa

Mehr zum Thema