Politik

Heimatschutz bei der Bundeswehr Jeder Fünfte bricht Freiwilligendienst ab

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Die Bundeswehr bekam 9000 Bewerbungen auf 1000 freie Plätze.

(Foto: imago images/Fotoagentur Nordlicht)

Seit April verpflichtet die Bundeswehr Zivilisten für ein Jahr im Freiwilligendienst. "Heimatschutz" nennt sich das Programm. Doch von rund 300 Erstabsolventen sind 60 bereits wieder ausgeschieden. Die Linke sieht darin ein Scheitern, das Verteidigungsministerium bewertet die Abbrecherquote als normal.

Den Anfang April gestarteten neuen Freiwilligendienst für den Heimatschutz hat ein erheblicher Teil der neuen Rekruten abgebrochen. Mit Stand 2. Juni haben 63 freiwillig Wehrdienstleistende im Heimatschutz den Dienst abgebrochen, 235 setzen ihren Dienst fort. Damit wäre gut ein Fünftel der Absolventen bereits acht Wochen nach dem Start des Programms nicht mehr dabei. Das geht aus der Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervor. "Zeit online" berichtete, dass sogar mehr als ein Viertel der Teilnehmer das Dienstjahr vorzeitig beendet habe.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Tobias Pflüger, schlug vor, das Programm zu beenden. Es habe falsche Erwartungen geweckt. Mit Slogans wie "Dein Jahr für Deutschland" und "Heimat" werde vor allem eine rechte Zielgruppe angesprochen. "Zudem wird der militärische Alltag in der Außendarstellung der Bundeswehr enorm romantisiert", sagte Pflüger dem Portal.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte zum Start des neuen Dienstes erklärt, der Name Heimatschutz sei bewusst gewählt und korrigiere frühere Fehler, diesen Begriff den Rechten zu überlassen. Nach Angaben der Bundeswehr gab es 9000 Bewerber für das Programm. Die Bundeswehr will zusätzliche Kräfte für Krisen- und Katastropheneinsätze im Inland bereithalten, wie sie derzeit auch in der Corona-Pandemie benötigt werden. Der Dienst steht unter dem Motto "Dein Jahr für Deutschland". Im ersten Jahr sollen 1000 Männer und Frauen ausgebildet werden. Das Angebot richte sich an junge Leute, die sich für die Bundeswehr interessieren, sich aber "nicht so fest" an sie binden wollen, sagte Kramp-Karrenbauer. Nach Bundeswehrangaben vom April ist ein Sechstel der neuen Dienstleistenden weiblich.

Verteidigungsministerium sieht keine erhöhte Abbrecherquote

Das Verteidigungsministerium teilte auf Anfrage von "Zeit online" mit, dass die meisten Abbrecher persönliche Gründe angegeben hätten. Ein Scheitern des Programms wollte das Ministerium nicht bestätigen. Die Quote liege in etwa auf dem Niveau der Wehrdienstleistenden, das werte man als positives Signal, hieß es. Zum Juli würden weitere 300 Freiwillige erwartet.

Die größten Unterschiede zum klassischen freiwilligen Wehrdienst sind nach Ministeriumsangaben die "heimatnahe Einplanung im Reservistendienst" nach der Ausbildung sowie der Verzicht auf Auslandseinsätze. Die Freiwilligen durchlaufen zunächst eine normale Grundausbildung, an die sich dann eine dreimonatige Spezialausbildung im Heimatschutz anschließt - Schwerpunkt ist dabei vor allem der Objektschutz. Die Ausbildung umfasst aber auch Bereiche wie Sanitätswesen und Brandschutz.

Der Freiwilligendienst Heimatschutz ist Teil einer Reservestrategie, die das Verteidigungsministerium bereits seit 2007 verfolgt. Damals wurden sogenannte Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanien ins Leben gerufen, in denen Soldaten nach ihrer Dienstzeit Mitglied werden können. Nach einem Pilotprojekt in Bayern werden nun mit dem Freiwilligendienst erstmals Zivilisten gezielt zu sogenannten Reserveoffizieren ausgebildet. Das Einstiegsgehalt betrage netto etwa 1400 Euro, ein Vielfaches der sonst üblichen Taschengelder im Bundesfreiwilligendienst, berichtete die Zeitung. Vor allem deshalb hatten Wohlfahrtsverbände das Programm kritisiert: Sie befürchteten, nicht mehr ausreichend Bewerbungen für soziale oder ökologische Freiwilligendienste zu bekommen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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