Politik

"Es wird Kämpfe geben" Kenia fürchtet Gewalt bei den Wahlen

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Wollen gemeinsam Korruption und Armut bekämpfen: Ein Wahlplakat des Präsidentschaftskandidaten Raila Odinga und seiner Vize-Kandidatin Martha Karua.

(Foto: dpa)

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Erst die Corona-Pandemie, dann eine schwere Dürre, nun die Folgen des Ukraine-Krieges: In sehr schwierigen Zeiten wählt Kenia einen neuen Präsidenten. Nicht nur deshalb wächst die Sorge, dass es rund um die Wahlen zu Ausschreitungen kommen könnte.

Die Klagen über die steigenden Preise hört man in Kenia fast an jeder Ecke. Vor allem die Kosten für Lebensmittel wie Weizen und Speiseöl, aber auch für Benzin und Gas sind im ostafrikanischen Land in den vergangenen Monaten explodiert. Die Entwicklung hängt vor allem mit dem Ukraine-Krieg zusammen. Der hat, in Kombination mit den Folgen der Corona-Pandemie und einer der schwersten Dürren der letzten Jahrzehnte, die wirtschaftliche Situation vieler Menschen in Kenia enorm verschlechtert. Nun erhoffen sie sich vom neuen Präsidenten eine Politik für die Armen.

Vor allem jedoch hoffen sie auf wenig Gewalt, denn bei Wahlen ist die Lage in Kenia traditionell angespannt. Im Gedächtnis geblieben sind die Wahlen des Jahres 2007, als mehr als 1000 Menschen zu Tode kamen. "In Kenia haben wir immer Angst vor Gewalt. Es gibt ein Problem mit Polizeigewalt, ungestrafte Morde und viel Brutalität", erzählt Christine Mary, die in einer Art Bürgerzentrum in Kenias Hauptstadt Nairobi arbeitet.

Klar ist schon jetzt, dass es Veränderungen geben wird. Der bisherige Präsident Uhuru Kenyatta tritt nicht mehr an. Bei der Wahl seines Nachfolgers zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Umfragen sehen den ehemaligen Premierminister Raila Odinga leicht vorne. Der 77-Jährige kandidiert bereits zum fünften Mal. Sein Trumpf: Mit Martha Karua hat Odinga erstmals eine Frau als Kandidatin für die Vizepräsidentin nominiert. Gemeinsam wollen sie die Korruption im Land unterbinden und monatlich 50 US-Dollar an zwei Millionen ärmere Familien zahlen.

Ergebnis womöglich erst in einer Woche

Railas Konkurrent ist der bisherige Vizepräsident William Ruto. Der 55-Jährige verspricht radikale Wirtschaftsreformen, die Kleinstunternehmer und Landwirte besserstellen sollen, sowie eine Krankenversicherung für alle Kenianer, für Ärmere sogar umsonst. Beide Kandidaten setzen sich für eine engere Anbindung Kenias an den Westen ein. Die beiden anderen Kandidaten, David Mwaure und George Wajackoya, gelten zwar als chancenlos auf den Sieg, könnten aber für eine Stichwahl sorgen. Für den Wahlsieg braucht es eine absolute Mehrheit für Raila Odinga oder William Ruto.

Nach Schließung der Wahllokale hat die Wahl-Kommission eine Woche Zeit, um das Ergebnis zu verkünden. Wie schnell Kenia dann wirklich einen neuen Präsidenten und die ersehnten Veränderungen bekommt, hängt auch davon ab, ob die Kandidaten und ihre Anhänger das Ergebnis gewaltlos anerkennen. "Es wird Kämpfe geben", fürchtet Joyce Wangari, die in Nairobi als Müll-Sammlerin arbeitet. "Keine der beiden Parteien wird die Wahrheit anerkennen. Sie wollen alle nur gewinnen. Keiner wird eine Niederlage eingestehen."

Quelle: ntv.de

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