Politik

Antisemitischer Angriff Kippa-Träger in Potsdam bespuckt

106679445.jpg

"Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen, warnte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung vor Kurzem.

(Foto: picture alliance/dpa)

Erst kürzlich warnt der Antisemitismus-Beauftragte der Regierung, als Jude in Deutschland eine Kippa zu tragen. Nun kommt es in Potsdam wieder zu einem antisemitischen Vorfall gegen einen 25-jährigen. Die Polizei ermittelt nun gegen einen Syrer wegen Volksverhetzung.

Am Potsdamer Hauptbahnhof hat ein 19-jähriger Syrer einen 25-Jährigen mit antisemitischen Äußerungen beleidigt und angespuckt. Der Deutsche, der eine Kippa trug, alarmierte nach dem Zwischenfall vom Samstagnachmittag unverzüglich über den Notruf die Polizei. Dies teilten die Beamten nun mit. Die Landespolizei informierte die Bundespolizei, die den mutmaßlichen Täter noch vor dem Bahnhof antraf.

Gegen den 19-Jährigen wurde eine Anzeige wegen Volksverhetzung aufgenommen. In seiner Begleitung befand sich ein 17-Jähriger, der nach ersten Erkenntnissen aber nicht an dem antisemitischen Übergriff beteiligt war. Er wird nun als Zeuge in dem Strafverfahren geführt. Die Beamten entließen den Tatverdächtigen, nachdem sie seine Personalien und seine Anschrift aufgenommen hatten.

Der 25-jährige Student sagte, er trage die Kippa täglich aus Familientradition. "Als ich am Hauptbahnhof aus der Straßenbahn ausgestiegen bin, habe ich hinter mir Schatten wahrgenommen", berichtete er. Im nächsten Moment sei er schon angespuckt, antisemitisch beleidigt und mit Gebärden bedroht worden. Anschließend habe er die Bundespolizei alarmiert, die die beiden Männer nach kurzer Zeit gefasst hätten.

Im Mai hatte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, Juden davor gewarnt, die Kippa aufzusetzen. "Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen", sagte Klein den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Seine Meinung habe sich "im Vergleich zu früher leider geändert", fügte er hinzu.

Der Regierungsbeauftragte begründete die Entwicklung mit einer "zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung". "Hierzu haben das Internet und die sozialen Medien stark beigetragen, aber auch die fortgesetzten Angriffe auf unsere Erinnerungskultur", sagte Klein. Etwa 90 Prozent der Straftaten seien dem rechtsradikalen Umfeld zuzurechnen. Muslimische Täter guckten oft arabische Sender, "in denen ein fatales Bild von Israel und Juden vermittelt wird".

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der antisemitisch motivierten Straftaten um knapp ein Fünftel auf 1800. Klein forderte angesichts des starken Anstiegs antisemitischer Straftaten in Deutschland Schulungen für Polizisten und andere Beamte. Es gebe "viel Unsicherheit bei Polizisten und bei Behördenmitarbeitern im Umgang mit Antisemitismus", erklärte er. Viele wüssten nicht, "was erlaubt ist und was nicht".

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa/AFP

Mehr zum Thema