Politik

Teilnehmer loben Fortschritte Klimakonferenz geht in Verlängerung

Weil sich die Delegierten in Glasgow bis zum Abend nicht einigen können, verlängern sie die Verhandlungen bis mindestens Samstag. Indes lobt Umweltministerin Schulze den Gipfel als "Paradigmenwechsel". Auch die Umweltorganisation Germanwatch sieht erfreuliche Signale.

Die Verhandlungen auf der Weltklimakonferenz ziehen sich bis mindestens Samstag hin. Erst am Morgen soll ein neuer Entwurf für die Abschlusserklärung vorgelegt werden, wie es am Abend aus Verhandlungskreisen in Glasgow hieß. Stundenlange Debatten über ein weltweites Stoppsignal für die Kohle und über mehr Hilfszahlungen an arme Länder hatten die Verhandlungen in der Endphase ausgebremst. Während einigen Staaten die angepeilten Beschlüsse zu weit gehen, sind sie anderen nicht ehrgeizig genug. Am Ende des Mammutreffens mit rund 40.000 Delegierten müssen die rund 200 Staaten den Abschlusstext einstimmig beschließen. Erklärtes Ziel der UN-Konferenz ist es, die Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit im Rahmen des Möglichen zu halten.

Indes äußerte sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze zufrieden über den Verlauf der Verhandlungen bei der UN-Klimakonferenz. "Früher ging es um Ziele, um Verfahren, aber jetzt öffnet sich auch die Tür, um über ganz konkrete Maßnahmen zu verhandeln", sagte Schulze bei der Klimakonferenz in Glasgow. Der "Paradigmenwechsel" hin zu einem stärkeren Schwerpunkt auf konkreten Klimaschutzmaßnahmen zeige sich auch darin, dass im Entwurf der COP26-Rahmenentscheidung zum Kohleausstieg aufgerufen werde.

Es sei "wichtig, dass der Umbau der Energiesysteme hier direkt angesprochen wird, auch in der Abschlusserklärung, hin zu Erneuerbaren, weg von der Kohle, weg von den Subventionen für fossile Energieträger", sagte die Ministerin.

"Kommt Ächtung der Kohle gleich"

Auch der Chef der Umweltorganisation Germanwatch, Christoph Bals, hat die Erwähnung des Kohleausstiegs im aktuellen Entwurf für die Abschlusserklärung positiv hervorgehoben. "Das kommt einer Ächtung der Kohle gleich", sagte der Geschäftsführer der Organisation. "Das wird rückblickend die große Relevanz dieses Gipfels sein."

Der Aufruf zum Ausstieg aus der Kohle in der Rahmenentscheidung wurde in der überarbeiteten Fassung allerdings mit dem Zusatz "ohne CO2-Abscheidung" abgeschwächt. Kohlekraftwerke, die Technologien zum Abfangen von klimaschädlichem Kohlendioxid nutzen, werden damit anders als in dem ersten Entwurf vom Mittwoch ausgenommen. Bei dem Appell an die Staaten, ihre Förderung für alle fossilen Energieträger einzustellen, wurde nun eingeschränkt, dass damit "ineffiziente" Subventionen gemeint sind. Die Definition, was in diesem Fall "ineffizient" ist, bleibt den Staaten überlassen. Bei Aktivisten sorgten die abgeschwächten Formulierungen für Unmut.

Schulze betonte, dass rund um die vor knapp zwei Wochen begonnenen Verhandlungen "sehr vieles erreicht" worden sei. So habe sich die höhere Zielmarke des Pariser Klimaabkommens - eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad - durchgesetzt. Außerdem sei das Thema Hilfe für ärmere Länder bei der Anpassung an den Klimawandel "bei dieser Konferenz so wichtig wie nie zuvor". Die Zusagen für den dafür vorgesehenen Anpassungsfonds seien mit 350 Millionen Dollar (305,3 Millionen Euro) "so gut wie nie zuvor" gewesen.

Quelle: ntv.de, chf/AFP/dpa

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