Politik

Politische Botschaft im All? Kosmonauten auf ISS tragen Ukraine-Farben

Die drei neuen russischen Raumfahrer auf der Internationalen Raumstation ISS tragen bei ihrer Ankunft gelbe Anzüge, die blaue Aufnäher zieren. Nach eigenen Angaben blieb ihnen nichts anderes übrig. Doch die Entscheidung liegt bei den Kosmonauten selbst. Aus Moskau kommt später eine Erklärung.

Zufall? Wohl kaum. Drei russische Kosmonauten sind an der Internationalen Raumstation ISS angekommen - in gelben Anzügen mit blauen Aufnähern, also den Farben der ukrainischen Flagge. Laut Medienberichten gab Kosmonaut Oleg Artemjew an, sie hätten die Anzüge selbst ausgesucht. "Tatsächlich hatten wir eine Menge gelbes Material angesammelt, das wir verwenden mussten", zitiert ihn die "New York Post". "Deshalb mussten wir Gelb tragen." Ob tatsächlich eine politische Botschaft dahintersteckt, ist danach nicht ganz klar. Die Kosmonauten dürften die Parallele aber kaum übersehen haben. Die russische Besatzung war rund drei Stunden vor dem Andocken vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet - in weiß-blauen Anzügen.

Russlands Raumfahrtbehörde Roskosmos widersprach am späten Nachmittag Spekulationen, dass die gelb-blauen Anzüge einen Ukraine-Bezug hätten. "Im Allgemeinen ist die Wahl darauf zurückzuführen, dass dies die korporative Farbe der Staatlichen Technischen Universität Moskaus ist", sagte Roskosmos-Sprecher Dmitri Strugowez der Nachrichtenseite Gaseta.ru. "Und alle drei Besatzungsmitglieder, die gestern auf der Station angekommen sind, sind Absolventen dieser Universität." Strugowez fügte hinzu, dass einer der drei russischen Raumfahrer, Artemjew, bereits in der Vergangenheit einen solchen gelb-blauen Anzug getragen habe.

Artemjew, Denis Matwejew und Sergej Korssakow wurden unter Applaus in Empfang genommen, als sie mit ihrem Raumschiff vom Typ Sojus MS-21 an der ISS andockten, wie Live-Bilder der US-Raumfahrtbehörde NASA zeigten. Kurz darauf schwebten sie in die ISS und wurden dort von ihren Kollegen mit Umarmungen empfangen - von den Russen Anton Schkaplerow und Pjotr Dubrow, den US-Amerikanern Mark Vande Hei, Thomas Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron sowie dem Deutschen Matthias Maurer. Letzterer, der seinen 52. Geburtstag feierte, hatte im Vorfeld angekündigt, dass er nach dem Andocken die gesamte Crew zu einem Essen einladen wolle.

Auch Name des Raumschiffs symbolträchtig

Die wegen des Angriffs auf die Ukraine gegen Moskau verhängten Sanktionen haben auch die Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland in der Raumfahrt schwer belastet - obwohl beide Seiten betonen, die ISS zunächst weiter betreiben zu wollen. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hatte zuletzt allerdings die Zukunft nach Auslaufen des Vertrags 2024 offengelassen.

Die am Freitag gestartete Sojus trägt den Namen des sowjetischen Raketenkonstrukteurs Sergej Koroljow, der 1907 in Schytomyr geboren wurde. Die Stadt liegt heute in der Ukraine.

Quelle: ntv.de, chl/mau/dpa

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