Politik

Sieg über starke Le Pen Macron gewinnt Wahl in Frankreich

Amtsinhaber Macron gewinnt die Präsidentschaftswahl in Frankreich. In der Stichwahl setzt er sich wie schon vor fünf Jahren klar gegen seine rechtsextreme Herausforderin Marine Le Pen durch - allerdings geht es diesmal etwas knapper zu. In seiner Ansprache zeigt sich der Wahlsieger demütig.

Emmanuel Macron hat es geschafft: Der 44-Jährige gewinnt die Präsidentschaftswahl in Frankreich und darf sein Land weitere fünf Jahre regieren. Marine Le Pen dagegen muss die nächste Niederlage hinnehmen, fährt aber deutlich besseres Ergebnis als vor fünf Jahren ein. Laut Hochrechnungen setzt sich Macron wie 2017 deutlich gegen die Rechtspopulistin Le Pen durch. Laut Innenministerium in Paris kommt Macron auf etwa 58,5 Prozent.

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Le Pen verbesserte ihr Ergebnis von vor fünf Jahren deutlich. Auch damals unterlag sie zwar Macron in der Stichwahl, allerdings kam sie nur auf 41,5 Prozent der Stimmen, der damals jugendliche Wahlsieger auf 66,1 Prozent. Anhänger Macrons feierten nahe dem Eiffelturm die Wiederwahl des Mitte-Politikers.

Macron zeigte sich nach seiner Wiederwahl demütig. "Ich weiß, dass viele unserer Mitbürger heute für mich gestimmt haben, um die Ideen der Rechtsextremen zu verhindern und nicht, um die meinen zu unterstützen", sagte er am späten Abend vor jubelnden Anhängern am Eiffelturm. "Ich weiß, dass Ihre Stimme mich für die kommenden Jahre verpflichtet."

Mit Blick auf diejenigen Französinnen und Franzosen, die seine rechtsnationale Konkurrentin in der Stichwahl, Marine Le Pen, gewählt haben, sagte Macron: "Die Wut und der Dissens, die sie dazu gebracht haben, für dieses Vorhaben zu stimmen, muss auch eine Antwort finden. Das wird meine Verantwortung und derjenigen sein, die mich umgeben." Macron fügt hinzu: "Ich bin nicht mehr der Kandidat eines Lagers, sondern der Präsident aller."

Unterlegene Le Pen spricht von "durchschlagendem Sieg"

Le Pen zeigt sich trotz ihrer Wahlniederlage kämpferisch. "Die Partie ist noch nicht gelaufen, es stehen noch Parlamentswahlen an", sagte sie am Abend vor ihren Anhängern in Paris. Sie werde "den Kampf weiterführen, an der Seite des (Interims-Parteichefs) Jordan Bardella", sagte sie. Das Ergebnis zeige ein "großes Misstrauen des Volkes", betonte sie. Es sei ein "durchschlagender Sieg" sagte sie in Anspielung auf das Ergebnis vor fünf Jahren.

Macrons Sieg ist dennoch vor allem als Niederlage Le Pens zu verstehen. Denn viele Franzosen waren mit seiner ersten Amtszeit unzufrieden. Etliche Parteien hatten nach der ersten Wahlrunde dazu aufgerufen, eine Mauer gegen Rechts zu bauen und eine Präsidentin Le Pen, die trotz betont gemäßigteren Auftretens weiterhin extrem rechte Positionen vertritt, durch eine Stimme für Macron zu verhindern. Diese Dynamik hatte es bereits 2017 gegeben, als Le Pen und Macron sich erstmals in der Stichwahl gegenüberstanden, sowie 2002 als Le Pens Vater Jean-Marie Le Pen krachend gegen den Konservativen Jacques Chirac verlor.

Jubel am Eiffelturm

Der 44-Jährige Macron profitierte außerdem angesichts des Ukraine-Krieges von Wünschen in der Bevölkerung nach Stabilität und einer gemäßigten Politik. Zudem hat er klare Erfolge am Arbeitsmarkt sowie einen robusten Durchstart der französischen Wirtschaft nach der Corona-Krise vorzuweisen.

Am Abend schwenkten etwa 2000 Anhänger auf dem Champ-de-Mars am Eiffelturm Frankreich- und Europaflaggen und tanzten. Als im letzten Abendlicht das Porträt des soeben wiedergewählten Präsidenten Emmanuel Macron auf den Großbildschirmen erschien, brach Jubel aus. Die Menge stimmte die französische Nationalhymne an, die Marseillaise.

"Ich bin sehr froh", sagte die 26 Jahre alte Margaux. "Aber er muss sich jetzt wirklich mehr um Umwelt und soziale Themen kümmern", fügte sie hinzu. Jackie Bossard, eine 60 Jahre alte Bankangestellte, zeigte sich erleichtert. "Um die 58 Prozent ist besser als erwartet. Aber er sollte sich um alle Franzosen kümmern, es gibt zu viel Hass in unserem Land", meinte sie.

Im Juni schon die nächste Wahl

In Frankreich wird schon auf die nächste Wahl geschaut Der französische Staatschef hat weitreichende Machtbefugnisse und amtiert fünf Jahre. Etwa 48,7 Millionen Französinnen und Franzosen waren zur Wahl eingeschrieben. In der ersten Runde vor zwei Wochen traten zwölf Kandidatinnen und Kandidaten an. Die traditionellen Volksparteien der Sozialisten und Republikaner fuhren historisch schlechte Ergebnisse ein.

Für die Geschicke Frankreichs wird es nun entscheidend sein, ob Macron bei den im Juni anstehenden Parlamentswahlen ebenfalls auf eine Mehrheit kommt. Geschieht dies nicht, müsste er einen Regierungschef aus dem Mehrheitslager benennen. Seine Macht wäre dann deutlich geschwächt und das Treffen politischer Entscheidungen würde entscheidend schwieriger.

Während Macron in der Stichwahl noch auf die Unterstützung linker Parteien und der Konservativen zählen konnte, verfolgen diese für die Parlamentswahl eigene Interessen. Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon, der bei den Präsidentschaftswahlen auf Platz drei landete, hofft, mit einem Wahlsieg der Linken im Juni Premierminister zu werden. "Resigniert nicht!", rief er am Abend in einer Online-Ansprache seinen Anhängern zu. "Im Gegenteil: Werdet aktiv! (...) Eine andere Welt ist noch möglich".

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP/rts

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