Politik

Präsidentenwahl in Frankreich Macron und Le Pen erreichen Stichwahl

Die Franzosen haben abgestimmt: Die Präsidentschaftswahl in Frankreich entscheidet sich zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen. Sie bekommen in der ersten Wahlrunde die meisten Stimmen und ziehen in die Stichwahl ein.

Der Mitte-Links-Politiker Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen haben die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl gewonnen. Laut Innenministerium erreichte Macron nach Auszählung fast aller Stimmen 23,82 Prozent der Stimmen. Le Pen liegt mit 21,58 Prozent knapp dahinter. Sie treten damit bei der Stichwahl am 7. Mai erneut gegeneinander an. Für diese sagte eine noch am Abend veröffentlichte Umfrage Macron fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit vorher.

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Jubel bei Emmanuel Macron.

(Foto: REUTERS)

Die Kandidaten der 60 Jahre lang das Staatsoberhaupt stellenden Konservativen oder Sozialisten schafften es nicht in die zweite Runde. Der Konservative François Fillon kommt demnach auf 19,96 Prozent, der Linke Jean-Luc Mélenchon auf 19,49 Prozent. Der Kandidat der Sozialisten Benoît Hamon erreichte 6,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 80 Prozent.

Konservative und Sozialisten stellen sich hinter Macron

Macron sieht seinen Erfolg als Wende in der französischen Politik. Nun werde "ein neues Kapitel im politischen Leben Frankreichs aufgeschlagen", sagte der Sozialliberale. "Die Franzosen haben ihren Wunsch nach einer Erneuerung ausgesprochen." Der 39-jährige Jungstar ist Hoffnungsträger vieler Franzosen.

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Marine Le Pen lässt sich feiern.

(Foto: dpa)

Le Pen nannte das Wahlergebnis "historisch". Vor ihren Anhängern rief sie "alle Patrioten" auf, sie in der zweiten Runde zu unterstützen. Es sei an der Zeit, das französische Volk von der "arroganten Elite" zu befreien, sagte die FN-Chefin. Zudem werde sie Frankreich gegen "die zügellose Globalisierung verteidigen, die unsere Zivilisation in Gefahr bringt".

Das Wahlkampfteam Fillons sprach von einer "riesigen Enttäuschung". Fillon selbst gestand seine Niederlage ein und rief die Franzosen dazu auf, in der Stichwahl für Macron zu stimmen. "Der Extremismus kann Frankreich nur Unglück und Spaltung bringen", sagte der Konservative. Es gebe deshalb keine andere Wahl, als am 7. Mai "gegen die extreme Rechte zu stimmen".

Historische Niederlage für Sozialisten

Der Kandidat der regierenden Sozialisten, Benoît Hamon, kam nur auf sechs bis sieben Prozent. Das ist das mit Abstand schlechteste Ergebnis für einen Sozialisten bei einer Präsidentschaftswahl in der Fünften Republik. "Ich bin dabei gescheitert, das Desaster, das sich angekündigt hatte, zu verhindern. Ich übernehme dafür die volle Verantwortung", sagte Hamon vor seinen Anhängern.

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Die Niederlage von Benoît Hamon ist für die Sozialisten niederschmetternd.

(Foto: REUTERS)

Auch er rief zur Wahl Macrons auf. Außenminister Jean-Marc Ayrault und Ministerpräsident Bernard Cazeneuve taten es ihm gleich. "Alle Linken und alle Republikaner müssen sich mobilisieren, um Macron zu wählen, für Frankreich, die Republik und Europa", sagte Ayrault. Der scheidende Staatschef François Hollande gratulierte Macron zum Einzug in die Stichwahl, wie das Präsidialamt mitteilte.

Abstimmung über Europa

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Unterstützer von Marine Le Pen feiern.

(Foto: dpa)

Das gute Ergebnis Le Pens ist für viele Franzosen und Europäer ein Schock. Denn die FN-Chefin will die Euro-Währung in Frankreich abschaffen und ihre Mitbürger über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Macron, Chef der politischen Bewegung "En Marche!" (Auf dem Weg), ist europafreundlich eingestellt. Der entscheidende zweite Wahlgang am 7. Mai dürfte damit auch zu einer Abstimmung über Europa werden. Ein Sieg Le Pens in der Stichwahl in zwei Wochen wäre nach dem Brexit-Votum und dem Triumph von Donald Trump in den USA der dritte große Erfolg von nationalistischen Populisten.

Etwa 47 Millionen Franzosen waren zur Wahl des Nachfolgers von Präsident François Hollande aufgerufen. Insgesamt wollten elf Kandidaten den Sozialisten beerben. Hollande hatte sich nicht mehr für eine weitere Amtszeit beworben. Der französische Staatschef hat weitreichende Machtbefugnisse und amtiert fünf Jahre.

Der Wahlkampf war geprägt von Skandalen und überraschenden Wendungen. Die konservativen Republikaner und die Sozialisten, die seit Jahrzehnten das Land führen, gerieten ins Hintertreffen. Fillon geriet wegen des Verdachts der Scheinbeschäftigung seiner Frau massiv unter Druck. Die Justiz leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Aber auch Le Pen ist im Visier der Justiz. Die Europaabgeordnete soll FN-Mitarbeiter auf Kosten des Parlaments zum Schein beschäftigt haben.

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Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP/rts

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