Politik

Größte Oppositionszeitung Ungarns "Népszabadság" stellt Erscheinen ein

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Das Gebäude der Budapester Tageszeitung "Népszabadság".

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Öffentlichkeit erfährt es vor den Redakteuren: Eine ungarische Tageszeitung setzt unerwartet ihr Erscheinen aus. Damit verstummt in Ungarn eine zentrale regierungskritische Stimme. Die Zeitung könnte in regierungsfreundliche Hände übergehen.

Ohne Vorwarnung an die Redaktion ist die führende ungarische Oppositionszeitung vorerst eingestellt worden. Die Samstagsausgabe der "Népszabadság" wurde noch gedruckt, danach wurde auch ihr Internetauftritt ausgesetzt. Die Opposition sah dadurch ihre Befürchtungen hinsichtlich einer weiteren Gleichschaltung der Medien bestätigt. Bis zu 2000 Demonstranten versammelten sich am Samstagabend in Budapest zu einer Protestkundgebung.

Die Entscheidung, das Erscheinen von "Népszabadság" einzustellen, sei aus wirtschaftlichen Gründen getroffen worden und gelte bis zur "Formulierung und Realisierung eines neuen Konzepts", teilte der Eigentümer Mediaworks laut der Nachrichtenagentur MTI mit. "Népszabadság" war bislang Ungarns bestverkaufte großformatige Zeitung, dennoch schrieben ihre Print- und ihre Onlineausgabe Verluste.

Die oppositionellen Sozialisten erklärten, die Einstellung der Zeitung sei ein "schwarzer Tag für die Presse". Die Zeitung hatte immer wieder kritisch über den im Jahr 2010 an die Macht gelangten Ministerpräsidenten Viktor Orbán berichtet. An der Kundgebung vor dem "Népszabadság"-Gebäude nahmen nach Einschätzung eines Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP 1500 bis 2000 Demonstranten teil. Aus der Menge erklangen Sprechchöre: "Orbán raus!"

Kritiker werfen dem einwanderungsfeindlichen und rechtsnationalen Ministerpräsidenten vor, die Medien im Land zu Verlautbarungsorganen seiner Regierung machen zu wollen. Zahlreiche privatwirtschaftliche Medien wurden demnach von regierungsfreundlichen Oligarchen aufgekauft.

"Ein schwerer Schlag für den investigativen Journalismus"

Am Samstag wurde spekuliert, dass auch "Népszabadság" an einen Orbán-Unterstützer verkauft wird. Die oppositionelle Partei der Demokratischen Koalition erklärte, womöglich gehe der Pressetitel an Orbáns "engen Geschäftspartner" Lőrinc Mészáros. Der österreichische Konzern Mediaworks, der die Zeitung und weitere ungarische Titel gekauft hatte, machte allerdings keine Angaben zu einem möglichen Verkauf.

Die Belegschaft von "Népszabadság" kritisierte, dass die Entscheidung, das Erscheinen vorerst einzustellen, hinter ihrem Rücken gefallen sei. "Das Land erfuhr davon, bevor wir es wussten (...) unser erster Gedanke war, dass es ein Putsch ist", schrieb die Belegschaft auf der Facebook-Seite der Zeitung. Ein Mitarbeiter der Zeitung, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte, Journalisten, die Artikel für die Montagsausgabe vorbereitet hätten, sei plötzlich der Zugang zu ihren Arbeitsplätzen verwehrt worden. In Briefen seien sie von ihrer Beurlaubung informiert worden.

Der Mitarbeiter kritisierte, die Entscheidung sei "ein schwerer Schlag für den investigativen Journalismus und die Pressefreiheit". "Népszabadság" sei das größte Organ für Qualitätsjournalismus in Ungarn, das sich für die Verteidigung von "grundlegenden Freiheiten, Demokratie, Redefreiheit und Toleranz" eingesetzt habe. Die Zeitung blickt auf eine 60-jährige Geschichte zurück, ins Deutsche übersetzt heißt sie "Das freie Volk".

Der Fraktionsvorsitzende der Progressiven Allianz der Sozialisten und Demokraten im Europaparlament, Gianni Pittella, erklärte, die Pressefreiheit in Ungarn sei "in Gefahr". In "nicht demokratischen Sytemen" sei es "gängige Praxis", missliebige Zeitungen zu schließen, fügte der italienische Politiker hinzu.

Laut Mediaworks ist die Auflage von "Népszabadság" in den vergangenen zehn Jahren um 74 Prozent gefallen. Dadurch seien Verluste in Höhe von fünf Milliarden Forint (16,4 Millionen Euro) entstanden.

Quelle: ntv.de, apo/AFP

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