Politik

Landtagswahlen im Osten Polarisierte Jugend, standhafte Alte

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Nicht nur für diese junge Frau in Potsdam ist die AfD keine Alternative: 27 Prozent der Wähler bis 24 Jahre wählten in Brandenburg die Grünen - auf dem zweiten Platz landete in dieser Gruppe die AfD mit 18 Prozent.

(Foto: imago images / Martin Müller)

Junge Menschen in Sachsen und Brandenburg sind gespalten: Sie wählten vor allem rechts oder grün. Das zeigen Zahlen zu den Landtagswahlen. Auffällig ist auch: Die Alten halten weiterhin zu den Regierungsparteien. Auch Bildung, Beruf und Geschlecht spalten an der Wahlurne.

Sachsen

AfD schneidet bei Männern gut ab

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Insgesamt kam die AfD laut vorläufigem Wahlergebnis in Sachsen auf 27,5 Prozent der Stimmen. Hätten im Freistaat nur Männer gewählt, hätte die AfD die Wahl jedoch deutlich gewonnen. Das zeigen Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen. Demnach stimmten 33 Prozent der männlichen Wähler für die Rechtspopulisten - im Gegensatz zu 22 Prozent der Frauen. Dadurch scheint sich erneut zu bestätigen: Die AfD wirkt auch als männliche Protestpartei.

AfD bei den jüngeren Wählern weit vorne

Verhältnismäßig stark war die AfD im Freistaat auch bei den 18- bis 24-Jährigen, wie aus einer Analyse von Infratest dimap für die ARD hervorgeht. In dieser Altersgruppe stimmten 20 Prozent für die Rechtspopulisten. Bei den 25- bis 34-Jährigen waren es sogar 26 Prozent. Bei den jüngeren Wählern lag die AfD damit weit vor den anderen Parteien. So erhielt die CDU lediglich 13 bzw. 19 Prozent der Stimmanteile - weit weniger als die 32,1 Prozent insgesamt. Die AfD-Wahlslogans "Wende 2.0" oder "Vollende die Wende!" dürften dafür nicht der Grund gewesen sein. Die meisten dieser Wähler haben die DDR schließlich nicht mehr direkt erlebt.

Tatsächlich zeigt sich hier, wie gespalten die Jugend ist: Denn ebenso viele junge Wähler bis 24 Jahre wählten die Grünen wie die AfD, also 20 Prozent. Bei den 25- bis 34-Jährigen entfiel auf die Grünen der dritte Platz mit 15 Prozent. Die Verteilung der Stimmen bei den anderen Parteien ähnelte dem des gesamten Wahlergebnisses.

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Auffällig ist, dass die AfD vor allem bei Wählern mittleren Alters gut abschneidet. Bei den 35- bis 44-Jährigen wählten 29 Prozent, bei den 45- bis 59-Jährigen 32 Prozent die Partei. Genauso viele waren es in dieser Altersgruppe jedoch auch, die den Christdemokraten ihre Stimme gaben. Die wiederum punkteten gerade bei älteren Wählern, genauer gesagt bei den 60- bis 69-Jährigen. Dort stimmten 37 Prozent für die CDU, bei den Über-70-Jährigen sogar 45 Prozent - beide Male waren die Christdemokraten dort die stärkste Partei.

CDU punktet weiterhin bei Rentnern

Gerade bei Rentnern punktete die CDU, hier wählten fast die Hälfte (43 Prozent) die Christdemokraten - genauso viele wie bei der vorherigen Landtagswahl 2014. Auch unter den Selbständigen holte die CDU den größten Anteil der Stimmen (32 Prozent). Doch von dieser Berufsgruppe stimmen ebenfalls 29 Prozent für die AfD. Bei Arbeitern schnitten die Rechtspopulisten mit 41 Prozent am besten ab.

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Menschen mit mittlerer Reife wählen häufig AfD

Wähler mit Hauptschulabschluss gaben ihre Stimme zu 42 Prozent vor allem der CDU, gefolgt von 31 Prozent für die AfD, wie Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen zeigen. Am meisten stimmten Menschen mit mittlerer Reife, nämlich 37 Prozent, für die Rechtspopulisten gefolgt von der CDU (31 Prozent).

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Grün wählten verhältnismäßig viele Menschen mit Abitur (13 Prozent) und Hochschulabschluss (16 Prozent). Von Letzteren votierten am meisten Wähler für die CDU (35 Prozent). Verhältnismäßig wenige waren es bei Hochschulabsolventen für die AfD, nämlich nur 13 Prozent.

Brandenburg

Arbeiter wählen AfD, Rentner SPD

Mit Blick auf den Beruf unterscheiden sich die Wähler in Brandenburg kaum von denen Sachsens: Bei den Arbeitern holte die AfD sogar 44 Prozent. In dieser Berufsgruppe - vermeintlich die Kern-Klientel der Sozialdemokraten - schnitt die SPD hingegen um 10 Prozentpunkte schlechter ab als noch bei der vorherigen Landtagswahl, sie erzielte nur 20 Prozent. Auch bei den Selbständigen konnte die AfD Stimmen gut machen: 34 Prozent von ihnen wählten die rechtspopulistische Partei. So lag die AfD nicht nur bei Arbeitern und Selbständigen auf dem ersten Platz, sondern mit 23 Prozent auch bei den Angestellten.

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Gerade hier verloren die Christdemokraten mit 14 Prozent 9 Punkte im Vergleich zur Landtagswahl 2014. Auch wählten nur noch 22 Prozent der Selbständigen die CDU. Bei dieser Gruppe und bei den Angestellten punkteten hingegen die Grünen mit 13 beziehungsweise 14 Prozent der Stimmen.

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Die Rentner votierten in Brandenburg besonders selten für die AfD, nämlich nur zu 15 Prozent. Hier stimmten 39 Prozent, und damit nur ein Prozent weniger als 2014, für die SPD.

Grüne punkten bei jungen Wählern

Die SPD von Ministerpräsident Dietmar Woidke ist in Brandenburg - ebenso wie in Sachsen die bisher regierenden Christdemokraten - also die Partei der alten Leute: 42 Prozent der über 70-Jährigen stimmten für die Sozialdemokraten, außerdem 30 Prozent der 60- bis 69-Jährigen.

Noch deutlicher als in Sachsen sind die Grünen in Brandenburg die Partei der jüngeren Wähler: Bei den 16- bis 24-Jährigen votierten 27 Prozent und damit 14 Punkte mehr als bei der Landtagswahl 2014 für die Partei. Auch bei den 25- bis 34-Jährigen waren es immerhin 15 Prozent. Doch hier klaffte das Abstimmungsverhalten auch stark mit dem Stimmenanteil für die AfD auseinander: Doppelt so viele (30 Prozent) dieser Altersgruppe wählten die Rechtspopulisten. Ebenso viele der 35- bis 44-Jährigen stimmten für die AfD, nur etwas weniger, nämlich 27 Prozent, der Wähler von 45 bis 59 Jahren gaben den Rechtspopulisten ihre Stimme.

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Rentner und ganz junge Wähler scheinen der AfD also Stimmen abspenstig gemacht zu haben - sei es zu Gunsten der Grünen oder der SPD. Doch auch bei den jüngsten Wählern bis 24 Jahre belegte die AfD den zweiten Platz mit 18 Prozent. Hier fiel jedoch der Sprung im Vergleich zu 2014 mit nur 3 Prozentpunkten Zuwachs geringer aus.

Große Unterschiede beim Bildungsstand

Beim Bildungsstand zeichnete sich laut Forschungsgruppe Wahlen ab: Die AfD wurde bei Menschen mit Hauptschulabschluss (27 Prozent) ebenso wie bei jenen mit mittlerer Reife (31 Prozent) stärkste Kraft. Auch Wähler mit Abitur stimmten zu 22 Prozent für die AfD, solche mit Hochschulabschluss nur zu 13 Prozent. Hier stehen erneut die Grünen verhältnismäßig gut da: 19 Prozent wählten die Partei, 16 Prozent der Menschen mit Abitur.

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Entsprechend weniger erreichten die Grünen in der Bildungsschicht der Wähler mit Hauptschulabschluss und mittlerer Reife. Hier waren es nur 3 beziehungsweise 7 Prozent der Wähler. Bei den anderen Parteien klafften die Präferenzen nach Bildungsstand weniger auseinander. Außer bei der SPD, denn hier wird deutlich, dass relativ viele Menschen mit Hauptschulabschluss, nämlich 34 Prozent, die Partei wählten.

Männliche Wähler stehen öfter rechts

Unabhängig von Alter und Beruf zeigen die Präferenzen von Männern und Frauen nach Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen auch in Brandenburg: Vor allem Männer wählten mit 29 Prozent der Stimmen die AfD. Bei Frauen waren es nur 18 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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